Reportage
Brandenburger Tor wird nicht mehr angestrahlt
Kultursenator Klaus Lederer will das Brandenburger Tor noch ein letztes Mal anstrahlen lassen, um Berlins Solidarität mit Terroropfern zu bekunden. Danach soll die Tradition eingestellt werden, da es inzwischen einfach zu viel Terror gebe.

Berlins linker Kultursenator Klaus Lederer will die Beleuchtung des Brandenburger Tors nach Terroranschlägen in den Nationalfarben der betroffenen Länder abschaffen. Doch zuvor soll es noch eine letzte Solidaritätsbekundung per Beleuchtung geben, und zwar für die Terroropfer in der St. Petersburger Metro.
Der Berliner Senat hatte sich am Montagabend zunächst dagegen entschieden, das Brandenburger Tor in den russischen Nationalfarben anzustrahlen. Er begründete dies damit, dass St. Petersburg keine Partnerstadt von Berlin ist. Davon solle nur in Ausnahmefällen abgewichen werden.
Diese Entscheidung des Senats hatte für Kritik gesorgt. Denn nach den muslimischen Terroranschlägen in Paris, Brüssel, London, Istanbul und Jerusalem war das Brandenburger Tor aus Solidarität mit den Betroffenen in den jeweiligen Nationalfarben beleuchtet worden. Jerusalem ist keine Partnerstadt von Berlin.
Auf seiner Facebook-Seite schreibt nun Kultursenator Klaus Lederer.
Meine Empathie gilt unterschiedslos allen Opfern der mörderischen Terroranschläge weltweit, die es nun nahezu täglich zu betrauern gibt. Denen in St. Petersburg wie denen in unseren Partnerstädten oder seinerzeit in Orlando.
Ja, auch die russische Flagge gehörte eigentlich auf das Brandenburger Tor projiziert, wie auch die irakische, tunesische oder die afghanische.
Jede Entscheidung für eine Beleuchtung des Brandenburger Tors wirkt inzwischen faktisch als Entscheidung gegen eine andere, es sei denn, es wird nahezu täglich in Farben beleuchtet, die für jeden terrorbetroffenen Nationalstaat stehen.
Und jedes Mal wird natürlich mit gewissem Recht die Entscheidung kritisiert, anzuleuchten oder eben auch nicht. Denn dem wohnt ein willkürliches Moment inne. Aber jeder offizielle Gedenkakt oder jede offizielle Trauerbekundung inflationiert, wenn sie nicht mehr die Ausnahme ist.
Ich glaube inzwischen, der beste Weg wäre es, zukünftig auf die Beleuchtung des Tors ganz zu verzichten und anderen Formen der Empathie Raum zu geben. Und um die Unterstellung auszuräumen, es gäbe hier eine Hierarchisierung der Opfer, zum letzten Mal heute die russischen Farben zu projizieren.
Was wir aber alle nicht tun sollten: Dieses Dilemma einfach nur zu ignorieren und zu unterstellen, es gäbe es nicht – und hinter einer solchen Entscheidung stünden eigentlich andere Motive. Dies wird weder der Senatskanzlei noch dem Gedenken an die Opfer gerecht.


