Reportage
Bundespolizei: Heute Anti-Terror-Einheit BFE+ in Blumberg in Dienst gestellt

Die Buchstaben BFE stehen für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, das Plus für Fahnden nach Terroristen und Schützen in langen und großen Bedrohungslagen.
Nach den terroristischen Anschlägen auf die Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einem jüdischen Supermarkt im Januar 2015 hat der Bund beschlossen, eine neue Anti-Terror-Einheit mit dem Namen BFE+ aufzustellen.
Am Bundespolizei-Standort (ehemals Bundesgrenzschutz) Blumberg nördlich von Berlin im Landkreis Barnim (Brandenburg) wurde heute die erste BFE+-Einheit mit 50 Polizistinnen und Polizisten in Dienst gestellt.
Geplant sind weitere vier Teileinheiten an den Standorte der anderen vier bestehenden Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften (BFHu) der Bundespolizei Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen, Hünfeld in Hessen, Bayreuth in Bayern und Uelzen in Niedersachsen, die innerhalb von maximal drei Jahren entstehen sollen. Jeder Standort soll eine Stärke von circa 50 Mann haben, so dass die neue Anti-Terror-Einheit insgesamt rund 250 Beamtinnen und Beamten umfassen wird. Sie sollen die Lücke zwischen der Bereitschaftspolizei der Länder und der Eliteeinheit GSG9 des Bundes in Sankt Augustin bei Köln schließen.
Zwischen Bereitschaftspolizei und Elitetruppe
„Wir haben das Potenzial der normalen polizeilichen Streifendienste, die aber nicht darauf vorbereitet sind, lang anhaltende Anti-Terrorlagen bewältigen zu können“, erklärte der CDU-Innenexperte im Bundestag, Armin Schuster, gegenüber dem rbb-Inforadio. Die 1972 nach dem Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München gegründte Kampftruppe GSG9 wiederum sei als Spezialeinheit von ihrer Größe her nicht dafür geschaffen, lang anhaltende Großlagen wie in Paris zu bewältigen.
„Die Bundespolizei wird sich darauf vorbereiten und dafür trainieren, diese fünf Einheiten binnen kürzester Frist überall in Deutschland einsetzen zu können“, betonte Schuster. Im Unterschied zur GSG9 soll sie jedoch im Regelfall für den normalen Bereitschaftsdienst zur Verfügung stehen
Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière hat heute gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, die neue Einheit BFE+ der Bundespolizei vorgestellt.
Die BFE+ soll künftig zur Unterstützung der Bereitschaftspolizei der Länder und der GSG 9 des Bundes im terroristischen Anschlagsfall zum Einsatz kommen.
Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière erklärte dazu: Die Struktur der Anschläge und die anschließenden Vorfälle in Paris zu Beginn des Jahres haben uns gelehrt, dass wir die Bundespolizei mit den neuen Einheiten der BFE+ um ein entscheidendes neues Element ergänzen müssen, um besser gerüstet zu sein im Kampf gegen den Terror.
Bereits jetzt nimmt die Bundespolizei im Bereich der Terrorismusbekämpfung eine Vielzahl von Aufgaben wahr. Mit der BFE+ werden neue Einheiten bei der Bundesbereitschaftspolizei geschaffen, um die Reaktions- und Durchhaltefähigkeit der Bundespolizei im Falle eines terroristischen Anschlags zu erhöhen und die Spezialeinheiten zu entlasten.
Zunächst angegliedert an die bestehenden Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) sollen die neuen Einheiten unter der Bezeichnung BFE+ die Bundespolizeibehörden, die GSG 9, sowie auf Anforderung die Landespolizeien, bei länger andauernden Sonderlagen und Einsätzen an unterschiedlichen Orten unterstützen. Außerhalb solcher Einsätze sollen sie überwiegend für normale Tagesaufgaben der Bundesbereitschaftspolizei zur Verfügung stehen.
Die neuen Einheiten sollen besonderen terroristischen Bedrohungen mit qualifizierter Ausbildung und geeigneter Ausstattung begegnen können. Diese Einheit kann schützen, diese Einheit kann fahnden und diese Einheit kann entschlossen handeln – dadurch hält sie der GSG 9 den Rücken frei für Geiselbefreiungen und andere robuste Lagen
, so der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann.
Die Schaffung der neuen Einheit trägt zu einer wesentlichen Stärkung der Bundespolizei insgesamt bei, für die im Bundeshaushalt 2016 mehr als 1.500 neue Stellen mit entsprechenden Personal- und Sachmitteln vorgesehen sind.


