Deutschland lässt 1.236 Tonnen Gold in den USA

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Die Bundesbank will auch in Zukunft 1.236 Tonnen Gold mit einem Marktwert von aktuell 45 Milliarden Euro von der US-Zentralbank verwahren lassen. Dabei ist fraglich, ob in den Tresoren in New York tatsächlich deutsche Goldbarren vorhanden sind oder jemals vorhanden waren. 

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigt der Öffentlichkeit keine Belege dafür, dass tatsächlich 1.236 Tonnen deutsches Gold in New York lagert. (Screenshot: YouTube)
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigt der Öffentlichkeit keine Belege dafür, dass tatsächlich 1.236 Tonnen deutsches Gold in New York lagert. (Screenshot: YouTube)

Zwar hat die Deutsche Bundesbank in den letzten vier Jahren 300 Tonnen ihres Goldes aus den USA nach Frankfurt am Main geholt. Doch die übrigen 1.236 Tonnen wollen die Bundesbanker auch weiterhin der Federal Reserve zur Aufbewahrung überlassen. Das deutsche Gold in New York stammt aus der Nachkriegszeit.

Damals baute Deutschland in den Tresoren der US-Zentralbank einen gewaltigen Goldschatz auf. Denn im Zuge des Wirtschaftswunders generierten die deutschen Arbeiter enorme Außenhandelsüberschüsse. Deutschland erhielt schon damals deutlich weniger Waren aus dem Ausland, als es dahin exportierte.

Offiziell lagert das angehäufte Gold seitdem bei der US-Zentralbank in New York 26 Meter unter dem Meeresspiegel auf den Felsen von Manhattan. Doch ob in den Tresoren der Federal Reserve tatsächlich 1.236 Tonnen deutschen Goldes lagern, daran gibt es massive Zweifel. So heißt es in einem Bericht der ARD vom Ende des letzten Jahres:

„Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant.

Denn die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.“

Entscheidend ist dabei die Formulierung, dass die Bundesrepublik im Austausch für die Dollar lediglich „Goldforderungen“ erhielt, und eben kein physisches Gold in New York, dass man in einem Tresoren lagern würde. Goldforderungen kann man sehr leicht per elektronischen Transfer nach Europa übermitteln.

Vermutlich ist auch genau das geschehen: Seit 2013 hat die Federal Reserve 300 Tonnen Goldforderungen nach Europa überwiesen, wo dann frische Barren produziert und nach Frankfurt verbracht wurden. Dies würde auch Behauptungen der Bundesbank erklären, wonach die Goldbarren aus New York umgeschmolzen werden mussten.

Zwar ist dies nur eine Vermutung, und die beiden Zentralbanken stellen es anders dar. Die Bundesbank meldete im Februar, sie stelle sicher, „dass es sich von den Entnahmen der Barren bei den ausländischen Lagerstellen bis deren Einlagerung in Frankfurt stets um die deutschen Goldbarren handelt“.

Doch das Verhalten der Bundesbank war stets äußerst verdächtig. So zeigte sie keine Fotos der Originalbarren aus den 1950ern und 1960er Jahren. Und das angebliche Ein- und Umschmelzen der deutschen Originalbarren wurde nicht auf Video dokumentiert. Warum macht man daraus ein Staatsgeheimnis?

Einer der schärfsten Kritiker dieser Geheimniskrämerei durch die Bundesbank ist Peter Boehringer. Mit seiner Initiative „Holt unser Gold heim!“ kämpft er seit 2011 für mehr Transparenz beim deutschen Staatsgold und für dessen Lagerung zu 100 Prozent im Inland. Im Interview mit philoro sagte er im letzten Jahr:

Es kam 2013 und 2014 ganz offiziell zu einer sogenannten Einschmelzung von Barren, die angeblich aus den USA heimgeholt wurden. Das waren nur geringe Tonnagen, aber selbst diese Barren durften wir nie sehen und es gab keine Video- oder Fotobeweise.

„Es kam 2013 und 2014 ganz offiziell zu einer sogenannten Einschmelzung von Barren, die angeblich aus den USA heimgeholt wurden. Das waren nur geringe Tonnagen, aber selbst diese Barren durften wir nie sehen und es gab keine Video- oder Fotobeweise.

Es existierten auch keine Barrennummern der umgeschmolzenen Barren, die aus den 1960er Jahren stammen sollten und die seit damals unangetastet bei der New York FED hätten liegen müssen.“

Das in New York verbleibende Gold der Bundesbank hätte, wenn es dort läge, einen aktuellen Marktwert von nur rund 45 Milliarden Euro. Doch im Falle eines Euro-Crashs oder einer weltweiten Währungskrise wäre Gold zur Begründung einer neuen Währung notwendig und sein Wert daher unermesslich.

Innerhalb der Bundesbankbilanz mit einem Gesamtvolumen von circa 1,4 Billionen Euro stellt das Gold die einzige wesentliche Position dar, die kein Gegenparteienrisiko aufweist. Die verschiedenen Anleihen, Devisen und der Target-Saldo hingegen sind reine Papierforderungen und letztlich davon abhängig, ob die Gegenseite zahlen kann und will.

Allein die deutschen Target-Forderungen haben ein Volumen von rund 800 Milliarden Euro (Stand Ende Januar 2017) und machen somit mehr als die Hälfte der Bundesbankbilanz aus. Im Falle eines Zusammenbruchs des Euro wären sie uneinbringlich verloren. Das deutsche Gold wäre alles, was bliebe. Doch dazu müsste es physisch vorhanden sein – in Deutschland.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Gold-Reporter.com.

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16 KOMMENTARE

  1. Ziemlich großzügig von unserer Regierung.

    Man könnte fast infrage stellen, dass sie uns vertreten sollen.

    Man könnte glatt annehmen, die würden nur politik für die Amis betreiben.

  2. Keiner weiß was genaues, aber ich hatte schon vor einiger Zeit gelesen, das da gar kein deutsches Gold mehr liegt. Alles sehr geheimnisvoll und undurchsichtig. Warum das da überhaupt aufbewahrt wurde und nicht in Deutschland? Warum wird und wurde da immer so ein Geheimnis darum betrieben u.s.w.

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