Reportage
Brexit: Briten stimmten für Austritt aus EU

Die Mehrheit der Briten (51,9 Prozent) stimmten für den Austritt aus EU. Einige britische Journalisten sagen, die Einwanderungspolitik habe den letzten Ausschlag gegeben. Der ehemalige Premierminister Tony Blair (1997 – 2007) hatte sich einst für die Öffnung der EU in Richtung Osteuropa stark gemacht. Er rechnete mit 10.000 Einwanderern aus Osteuropa, gekommen sind 100.000. Nun kam die Flüchtlingskrise dazu. Das Austritts-Referendum war letztlich auch ein Referendum über Migration, wird von Kommentatoren betont.
Die Folgen des geplanten Brexits waren sofort spürbar. Das Britische Pfund geht in die Knie, erreichte in der Nacht sein 30-Jahres-Tief, sank um 10 Cent auf 1,24 Euro. Für die Briten wird alles teurer. Die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt. Großbritannien hat als Exporteur den Zugang zu diesem Markt nun gekappt. Norwegen und Schweiz müssen für den Zugang zahlen. Nun wird auch das Königreich bezahlen müssen.
Die Austritt-Befürworter gewannen, indem sie das Austritts-Referendum zum Kampf gegen das Establishment in Großbritannien machten. Der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson (51) hatte gedroht, London trete aus Großbritannien aus, wenn es in der EU bleiben würde. Dem Tory-Politiker Mr. Brexit wird unterstellt, er wolle der nächste britische Premierminister werden.
London stimmte für den Austritt. Auch Schottland. Ebenso Nordirland. Und sogar Wales war für den Austritt. An der Küste gibt es viele kleine Orte, die sich von der derzeitigen Regierung wirtschaftlich verlassen fühlen. Ihnen sagten die Austrittbefürworter, es werden nach dem EU-Austritt ein neues Großbritannien geben, wo die Sorgen der kleinen Leute wieder gehört werden würden.
Dem sind viele gefolgt. Man rechnet mit dem Rücktritt von Premier David Cameron. Denn man will den Befürworter des Verbleibens in der EU nicht als Verhandlungsführer für die Austrittsverhandlungen sehen.
Der EU-Präsident Martin Schulz (60) hatte angekündigt: „Raus ist raus.“ Es wird also keine Verhandlungen über die Rückkehr geben.
Es ist also ein neuer Unabhängigkeitstag für Großbritannien. „Eine britische Entscheidung“, so EU-Präsident Schulz. Er befürchtet keine Kettenreaktion von anderen Ländern, weil die wirtschaftlichen Folgen sofort zu sehen sind.


