Reportage
Behördenchef: „Im Osten fehlt es an politischer Bildung“
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, erklärt den Erfolg der AfD mit einem Mangel an politischer Bildung – vor allem im Osten.

„Wir haben speziell in Ostdeutschland das Problem, dass sich seit dem Mauerfall zwar eine Zivilgesellschaft gebildet hat, aber sehr konzentriert in Großstädten. In den ländlichen Gegenden gibt es weiterhin Defizite“, sagt er der WELT.
Die Bundeszentrale für Politische Bildung fördere daher zum Beispiel das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“, sagt Thomas Krüger. Dabei würden „Leute aus der freiwilligen Feuerwehr und aus Sportvereinen gecoacht, für demokratisches Verhalten zu werben, es vorzuleben und damit in den Kommunen für mehr Stabilität zu sorgen“.
Thomas Krüger freut sich über AfD-Erfolg
Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung erklärt den Erfolg der AfD auch damit, dass es im Osten an politischer Bildung fehlt. Er kann aber an der aktuellen auch etwas Positives abgewinnen.
„Das Auftreten der AfD hat viele erst wieder in die Wahllokale gebracht. Dies ist ein günstiger Augenblick, wieder in den politischen Diskurs einzusteigen. Besonders über die Fragen, die die AfD aufwirft.“
Thomas Krüger kritisiert, dass in der Auseinandersetzung mit der AfD zu sehr auf eine Verteufelung gesetzt wird. „Die anderen Parteien arbeiten sich stark an Personen wie Frauke Petry, Björn Höcke und Alexander Gauland ab. Auch wenn diese Politiker mit ihren Äußerungen vielen unsympathisch sind, führt das im Kern nicht weiter.“
Andere müssen die AfD-Themen aufgreifen
Nach Ansicht des Experten ist es viel wichtiger, dass andere die Themen der AfD aufgreifen. Nur könne es dabei keine einfachen Antworten geben. „Erst recht, wenn sie einen völkischen Unterton anstimmen und im Ergebnis verschiedenste Menschengruppen von der demokratischen Teilhabe ausschließen.“
Demokratie sei eben kein Erbgut, das sich automatisch von einer auf die nächste Generation vererbt, sagt der Behördenchef. Die Demokratie müsse immer neu erklärt und verteidigt werden. Die vom Grundgesetz markierten roten Linien dürften nicht überschritten werden.


