Terraplan aus Nürnberg baut 500 Wohnungen im olympische Dorf bei Berlin

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Im einstigen Speisehaus der Nationen des olympischen Dorfes 1936 in Elstal will die Nürnberger Terraplan-Denkmalsanierung GmbH bald 500 Wohnungen bauen (Foto: DKB-Stiftung)
Im einstigen Speisehaus der Nationen des olympischen Dorfes 1936 in Elstal will die Nürnberger Terraplan-Denkmalsanierung GmbH bald 500 Wohnungen bauen (Foto: DKB-Stiftung)
Das Olympiajahr 2016 ist auch das Jubiläumsjahr des Olympischen Dorfes von 1936 in Elstal bei Berlin. Vor genau 80 Jahren fanden die XI. Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin statt. Eigens dafür wurde zehn Kilometer außerhalb Berlins ein Olympisches Dorf zur Unterbringung der Athleten gebaut. Das einstige Vorzeigeprojekt der Nazis ist heute ein Freilichtmuseum. Es bestand aus 140 Wohnbauten plus Sportstätten und Gemeinschaftshäuser. Während der Olympischen Spiele wohnten hier rund 3.600 männliche Athleten aus aller Welt. Auch Berliner waren Zaungäste. Im Mittelpunkt des Dorfes stand das „Speisehaus der Nationen“, wo die olympischen Delegationen bewirtet wurden.
Im Anschluss an das Sportereignis im August 1936 dienten die Gebäude als Kaserne eines Infanterielehrregiments der Wehrmacht, später als Lazarett. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten Einheiten der sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Seit dem deren Abzug 1994 stehen die Gebäude leer.

Im großen Speisehaus sollen bald 500 Wohnungen entstehen.

Nach einigen gescheiterten Versuchen in den vergangenen Jahren Investoren zu finden, die das denkmalgeschützte Areal wieder beleben, liegt nun ein von den Gemeindevertretern abgesegnetes Entwicklungskonzept vor. Ebenfalls stimmten die Wustermarker Kommunalpolitiker für die Aufstellung des Bebauungsplanes E 36 „Olympisches Dorf“, der das gesamte Areal von knapp 53 Hektar umfasst.

Für den ersten Bauabschnitt (18 Hektar) mit dem ehemaligen Speisehaus der Nationen und den verbliebenen Sportlerunterkünften steht mit der Firma Terraplan-Denkmalsaniering GmbH aus Nürnberg bereits ein potenzieller Investor bereit, der sich in der Denkmalsanierung auskennt und sich seit fast zwei Jahren schon mit der möglichen Sanierung von bestehenden Gebäuden und Neubauten im Olympischen Dorf befasst hat. „Die konkrete Erschließungs- und Entwicklungsplanung für den ersten Bauabschnitt werden wir jetzt beauftragen. Der Kaufvertrag mit der DKB-Stiftung als Eigentümer der Fläche ist in Vorbereitung und wird hoffentlich in den nächsten Monaten unterzeichnet“, sagte der kaufmännische Leiter der Firma Terraplan Gerhard Trubel während der Gemeindevertretersitzung im Februar diesen Jahres.

Bereits im November 2014 hat das Bundesbauministerium der Gemeinde Wustermark 2,6 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ zugesagt. Mit dem Geld kann die Gemeinde der Firma Terraplan unter die Arme greifen, die auf dem Flächendenkmal das Wohnbauprojekt stemmen will.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn das funktioniert“, sagte damals Barbara Eisenhuth, zuständige Projektverantwortliche bei der DKB-Stiftung der Berliner Morgenpost. „Wir wissen, dass das Dorf gefährdet ist.“ Obwohl die Stiftung jährlich einen sechsstelligen Betrag in die Sicherung der Gebäude und die Pflege der Außenanlagen stecke, verfalle das Dorf.

Noch ist das olympische Dorf ein Freilichtmuseum.

Seine besten Tage hat das olympische Dorf hinter sich. Heute ist es noch ein Freilichtmuseum. Die Natur erobert es Stück für Stück zurück. Die meisten Gebäude verfallen.

Klaus Michels, ein  pensionierter Lehrer aus Dallgow,  spricht viel über diese Vergangenheit, wenn er Besuchergruppen ehrenamtlich über das Gelände führt. Gern zeigt er die Schwimmhalle, in der er als Mitglied des Sportvereins Dallgow 47 e.V. in den 1970er selbst seine Bahnen zog nach Handballspielen mit sowjetischen Soldaten. „Das war natürlich in unserer Gegend hier ’ne tolle Sache. Es gab keine Schwimmhalle weiter, nur Freibäder. Und dass man im Winter ja hier auch das Wasser nutzen konnte, war schon eine ganz tolle Sache.

Die Halle mit der riesigen Fensterfront ist noch immer ein beeindruckender Bau. Seit dem Abzug der sowjetischen Truppen ist sie jedoch ohne Nutzung und zerfällt zusehends. „Ich würde mich freuen, wenn ich es noch erleben würde, so mit 90 hier noch mal baden gehen zu können. Leistungssport ja nicht. Aber es wäre richtig schön von der Nostalgie her, das Haus wieder in Betrieb zu sehe.“

Der Bürgermeister der Gemeinde Wustermark Holger Schreiber (parteilos) und ein Berliner Architekt arbeiten daran, dass auf dem Gelände ein neuer Teil von Elstal entsteht. Aus dem Speisehaus der Nationen und den umliegenden Bauten sollen schon bald Wohnungen werden. Auch wenn der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes aufwendig und teuer ist. Der Architekt schwärmt in der rbb Abendschau: „Hier könnte man sich zum Beispiel eine Wohnung vorstellen. Eine Zwei-Zimmerwohnung. Wenn man nach vorne geht, hat man eine ganze Terasse vor der Wohnung. Die Wohnung ist komplett verglast, hell, sonnig. Mit einem wunderbaren Ausblick, wenn die Landschaft dazu passend gestaltet wird.“ Bereits seit drei Jahren ist die Gemeinde mit einem Investor aus Nürnberg im Gespräch. Vorstudien wurden gemacht. Ein Konzept erstellt. Nun soll ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Denn allen ist klar: Wird das olympische Dorf nicht bald genutzt, zerfällt es ganz.

Bürgermeister Schreiber: „Wir sind überzeugt, im Jahre 2017 mit der Erschließung des ersten Bauabschnitts beginnen zu können, mit der Sanierung des Speisehauses starten zu können und in der Folge zukünftig mit weiteren Investoren das gesamte olympische Dorf vielleicht innerhalb von 10 Jahren entwickeln zu können. Und das wird sicherlich ein dreistelliger Millionenbetrag. Aber wir denken, die Chancen stehen gut. Bis die ersten Mieter hier einziehen können, wird es noch dauern. Schließlich gibt es im olympischen Dorf derzeit weder einen Anschluß ans Straßennetz noch Strom und Wasser. Aber dass das olympische Dorf eine neue Blüte verdient hat, darin sind sich Architekt und Bürgermeister einig.

Ein Antrag der Linken, den Investor zu beauflagen, mindestens ein Drittel Sozialwohnungen zu bauen, wurde im Gemeinderat abgeschmettert.

Linken-Fraktionschef Tobias Bank sagte der Märkischen Allgemeinen Zeitung: „Wir hängen nicht an den 30 Prozent, aber wir wollen erreichen, dass sich die Gemeindevertreter mit dem Thema sozialer Wohnungsbau in Elstal befassen. Deshalb plädieren für eine ergebnissoffene Lenkungsgruppe Wohnen und Lärmschutz, die die Ergebnisse der Bürgerbefragung auswertet.“

Doch das wird es erstmal nicht geben. Denn von allen Seiten prasselte Kritik auf die Linken ein. „Wir haben endlich einen Investor gefunden. Den können wir nicht mit solchen Forderungen vertreiben“, sagte Christina Hanschke (SPD). Sozialer Wohnungsbau in Elstal ja, aber nicht ausgerechnet im Olympischen Dorf, wo die Sanierungskosten sehr hoch seien, äußerten andere Gemeindevertreter. „Richtig ist, dass die Kommunalpolitik gefordert ist, um die Gemeinde Wustermark für junge Familien attraktiv zu halten. Dazu gehören neben einem guten Wohnumfeld und attraktiver Schul- und Kita-Infrastruktur natürlich auch familienfreundliche Mieten. Aber was soll eine Einwohnerbefragung mit einer so suggestiv gestellten Frage“, sagte der Vorsitzende der CDU Wustermark, Halvor Adrian, auf Anfrage der MAZ.

Auch Bürgermeister Holger Schreiber lehnte den Antrag der Linken ab. „Das aufgrund Nachfrage und aufwendiger Sanierungs- oder Herstellungskosten sich die Mietpreise in vertretbarem Maße erhöhen oder anpassen… ist aus Gründen nachhaltiger Wohnungs-und Bestandspflege erklärbar. Ein ausgewogenes Maß ist hier wichtig. Dieses haben wir aus meiner Sicht in Wustermark.“ Es gebe bezahlbaren Wohnraum, aber man brauche auch neue Wohnungen und neue Wohnflächen. Dabei komme es darauf an, dass sich Gemeinde und Investoren auf das abstimmen, was der Gemeinde wichtig und was wirtschaftlich darstellbar sei, so Holger Schreiber.

Die Deutsche Kreditbank bietet Führungen durch das olympische Dorf an.

Kontakt: 033094/ 700-565 (Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr). Oder per E-Mail:  olydo@dkb-stiftung.de. Eintritt mit Führung: 10 Euro pro Person, 15 Euro pro Familie (mit Kindern bis 16 Jahren), Gruppen zahlen für eine 2-Stunden-Führung durch alle Gebäude 40 Euro pro Gruppe (bis 25 Mann) plus 4 Euro pro Person. Schlulklassen: 40 Euro. Spezielle Fototour (3 Stunden) Gruppen bis 5 Personen: 50 Euro plus 4 Euro pro Person.

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3 KOMMENTARE

  1. Unserem grossen kulturellen Erbe und der kollektiven Erinnerung an bessere Zeiten koennen in diesen dunklen Tagen der staatlich gelenkten Umvolkung gar genug gedacht werden.

  2. @Aribert: nein, für alle Deutschen. Außer Pseudo-Arier…
    @Bert: in den tatsächlich „besseren Zeiten“ gab es das Dorf noch gar nicht, die „dunklen Tage“, von denen Sie reden hat es in seiner Jugend bereits zur Genüge erleben müssen und eine „kollektive Erinnerung“ gibt es dort nur an den grandiosen Misserfolg der „Deutschen Herrenrasse“, ihrer Ideologie und den Sieg der Menschlichkeit über den Terror.

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