Reportage
Senat ließ Straßenjungen durch Pädophile betreuen
Der Berliner Senat finanzierte einst ein Projekt des Wissenschaftlers Helmut Kentler, bei dem pädophile Pflegeväter Straßenjungen betreuten – im Gegenzug für Sex. Göttinger Forscher haben den Fall untersucht und kritisieren den mangelnden Aufklärungswillen der Berliner Behörden.

Mitarbeiter der Berliner Senatsverwaltung setzten in den Siebzigerjahren Pädophile als Pflegeväter für Straßenjungen ein. Dabei wussten die Beamten ganz genau, dass die Pflegeväter bereits wegen Pädophilie verurteilt worden waren.
Sie schickten die Straßenjungen bewusst in den Missbrauch. Die Pädophilen erwarteten von den Kindern und Jugendlichen im Gegenzug für ihre Pflege sexuelle Handlungen. Die Opfer waren zwischen 13 und 17 Jahre alt.
Berliner Senat förderte pädophile Pflegeväter für Straßenjungen
Diese Zusammenhänge berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe mit Bezug auf eine Studie Göttinger Wissenschaftler, welche die Verstrickungen des Berliner Senats zu Pädophilie-Aktivisten untersucht haben.
Helmut Kentler (1928-2008) war in den 60-er und 70-er Jahren als Wissenschaftler beim Pädagogischen Zentrum Berlin angestellt. Er konnte damals Mitarbeiter des Jugendsenats davon überzeugen, dass sie die Jugendlichen in die Obhut von Pädophilen geben.
Die Göttinger Forscher fanden auch eine Verbindung zur Odenwaldschule. Der Senat schickte damals Jungen an das Internat, wo in den 70-er und 80-er Jahren mehr als 130 Schüler sexuell missbraucht wurden. Die Forscher fordern, dass der Senat erforschen lässt, ob die von ihm entsandten Jungen dort sexuell missbraucht wurden.
Berliner Behörden sabotieren die Aufklärung
Die Göttinger Forscher sind enttäuscht darüber, dass es den heutigen Berliner Behörden offenbar am nötigen Aufklärungswillen mangelt. „Wir hätten uns mehr Engagement bei der Aufklärung gewünscht“, sagte die Studienleiterin Teresa Nentwig.
Unterlagen zu dem Projekt des damaligen Pädophilen-Förderers Helmut Kentler wurden den Göttinger Forschern erst auf Nachfrage zur Verfügung gestellt. Zudem wurde der Antrag der Forscher abgelehnt, die Schutzfrist einer wichtigen Akte im Berliner Landesarchiv zu verkürzen.


