Reportage
Lean Management: Mitarbeiter feuern für noch mehr Profit?
Lean Management ist ein verbreitetes Vorgehen, um Unternehmen noch profitabler zu machen, vor allem im Mittelstand. Oft werden dabei auch Mitarbeiter entlassen. Doch Joachim True, Unternehmensberater bei True Change mit Sitz in Lüneburg, hält das für einen Fehler.

Letzte Woche erreichte unsere Redaktion eine Email vom Betriebsratschefs eines mittelgroßen Berliner Unternehmens. Das Unternehmen ist seit vielen Jahrzehnten am Markt und hat auch in den letzten Jahren Gewinne erwirtschaftet. Dennoch droht nun offenbar einer ganzen Reihe von Mitarbeitern die Kündigung.
Nach Angaben des Betriebsratschefs, der zumindest im Augenblick nicht mit Namen genannt werden will, hat die Geschäftsführung einen „Rationalisierungsspezialisten“ beauftragt, der das Unternehmen durchleuchten soll. Demnach könnten trotz erheblicher Gewinne Leute entlassen werden. „Was soll das?“, fragt der Gewerkschafter.
Hinzu komme, dass die meisten Mitarbeiter schon seit vielen Jahren und teilweise seit Jahrzehnten bei dem Unternehmen beschäftigt sind. Sie wüssten, dass sie sich aufeinander verlassen können, und könnten teils blind zusammenarbeiten. Für sie sei ihr Betrieb nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein Stück Heimat.
Hinter dem engagierten „Rationalisierungsspezialisten“ steckt offenbar das sogenannte Lean Management. Diese Methode aus der Betriebswirtschaftslehre orientiert sich oftmals mehr am Kunden als an den Mitarbeitern. Alles soll noch günstiger und schneller passieren. Da scheint es eine logische Folge, dass auch Mitarbeiter entlassen werden. Oder nicht?
„Nein, Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Unternehmensberater Joachim True von True Change aus Lüneburg. Seiner Ansicht nach sind die Arbeitskräfte „das Herzstück eines Unternehmens, mit ihnen steht und fällt der Erfolg eines Betriebs! Deshalb müssen sie uns erhalten bleiben.“
Joachim True setzt daher auf Mitarbeiterqualifizierung statt auf Entlassung. Professionelles Lean Management bedeutet für ihn, sinnvolle Einsparpotentiale zu analysieren, Maßnahmen zu deren Realisierung zu erarbeiten, in der Konsequenz die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und so die Marktposition zu verbessern.
Doch neben der unausweichlichen Orientierung am Kunden steht bei True Change der Mitarbeiter als Mensch im Fokus. Aber wie wird das konkret erreicht? „Vorrangig geht es darum, Verschwendungsarten zu identifizieren, diese zu eliminieren und somit eine Kostensenkung herbeizuführen“, sagt Joachim True.
Dabei geht es aber nicht um Mitarbeiterentlassungen, sondern um Weiterbildung. Somit muss die Arbeitskraft systematisch qualifiziert und mithilfe von True Change für die Philosophie des Lean Managements begeistert werden.
Im Beratungsgespräch überzeugt Joachim True die Unternehmer mit einer Formel, die seine Vorstellung von Lean Management auf den Punkt bringt: „Gut qualifizierte Mitarbeiter stellen qualitativ hochwertige Produkte her und tragen maßgebend zur Steigerung der Wertschöpfung bei.“
Für den Lean-Management-Berater aus Lüneburg schließt sich auf diese Weise der Kreis. „Durch kundenorientiertes Handeln werden Mitarbeiter weitergebildet und ein erfolgreiches Lean Management durchgeführt, ohne diese entlassen müssen.“ Wir wünschen dem mittelgroßen Berliner Unternehmen, dass es diesem Rat folgt.


