Reportage
Islamkritischer Dozent wehrt sich gegen Kündigung
Der Lehrbeauftragte Wolfgang Hebold klagt gegen seine Kündigung durch drei Berliner Hochschulen. Diese hatten ihm seine Kritik am Islam zum Vorwurf gemacht.

Vor einem Monat hatten drei Berliner Hochschulen dem Lehrbeauftragten Wolfgang Hebold gekündigt. Grund dafür war ein Fernsehbeitrag des rbb. Darin wurde dem Mathematiker unterstellt, dass er Muslime in einem Leserkommentar als „Vieh“ bezeichnet habe.
Nun geht Wolfgang Hebold wegen der fristlosen Kündigung seines Lehrauftrags juristisch gegen die private Hochschule SRH vor. Für kommenden Freitag ist ein Gütetermin am Arbeitsgericht in der Magdeburger Straße anberaumt, teilt auch die Justizbehörde mit.
Auslöser war ein rbb-Bericht
Wolfgang Hebold bestreitet den Leserkommentar mit dem Ausdruck „Vieh“ geschrieben zu haben. Jeder, der ihn und seine Blog-Beiträge kennt, erkenne den Ausdruck als nicht von ihm stammend. Und tatsächlich konnte auf der Webseite jeder einen Leserkommentar unter dem Namen „Wolfgang Hebold“ verfassen, wie auch unter diesem Artikel hier.
Die Anschuldigungen des rbb, Wolfgang Hebold habe Muslime als „Vieh“ bezeichnet, sind also fraglich. Doch die Konsequenzen für Wolfgang Hebold bestehen weiter. Wegen des rbb-Beitrags hatten ihm nicht nur die private Hochschule SRH, sondern auch die Hochschule für Wirtschaft und Recht HWR und die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW die Lehraufträge entzogen.
Wolfgang Hebold steht zu seiner Islamkritik
Was stimmt, ist, dass Wolfgang Hebold ein scharfer Kritiker des Islam ist, wie wir bereits im Mai berichteten. Und er steht nach wie vor zu den islamkritischen Äußerungen auf seinem Internet-Blog Die Verheerung Europas. Dort verwendet er unter anderem die Begriffe „Kopftuchmoslem“ und „Mossi“.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sogar die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Wolfgang Hebold wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Dem Berlin Journal sagt der Mathematiker, dass seine Beiträge seiner Auffassung nach „weder rassistisch noch fremdenfeindlich“ sind. Aber das würden nun die Gerichte klären.
Die skandalösen Islam-Aufgaben
Wolfgang Hebold hatte seinen Studenten im Rahmen seiner Statistik-Veranstaltung auch drei Statistikaufgaben mit Bezug zum Islam gestellt. Eine der Aufgaben begann so:
„In Ägypten sind laut UNO-Studien 80% aller Frauen und Mädchen genitalverstümmelt. Andere Quellen sprechen sogar von 90%. In den Diskussionen über die Hintergründe dieser Verbrechen wird immer wieder auf den Zusammenhang zwischen Islam und weiblicher Genitalverstümmelung hingewiesen. Ob dieser Zusammenhang besteht, soll hier statistisch untersucht werden.“
Hebold sagt, dass die Pointe bei dieser Aufgabe darin besteht, dass die Zahlen, die der Aufgabe beigestellt wurden, eben „keinen signifikanten Zusammenhang“ zwischen Genitalverstümmelungen bei Mädchen und dem Islam erkennen lassen – zumindest nicht für Ägypten. Doch wer mit Fakten daherkommt, der wird von Studenten und Medien offenbar als gefährlich betrachtet. Der Mathematiker sagte damals, man könne Statistik anhand harmloser Beispiele üben oder anhand von Beispielen, die „im Alltag relevanter“ sind.
Und noch eine weitere Statistikaufgabe, die Wolfgang Hebold seinen Studenten stellte, hatte einen Bezug zum Islam. Die Studenten sollten hier die Lorenzkurve, den Gini-Koeffizienten (G=0,1667) und den korrigierten Gini-Koeffizienten (0,2222) bestimmen. Der Gini-Koeffizient ist ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen.
„Eine moslemische Familie hat vier Kinder: Zwei Mädchen und zwei Jungen. Das an die Kinder zu vererbende Vermögen von 12.000 Lira soll getreu nach den Regeln des Korans vermacht werden. Dort heißt es: ‚Und wenn die Geschwister Männer und Frauen sind, so soll ein Mann so viel erhalten wie zwei Frauen.’ (Sure 4, Vers 175)“
Über die dritte Islam-Aufgabe haben wir bereits berichtet. Die Studenten sollten untersuchen, ob es sinnvoll ist, eine Abhängigkeit der Anzahl von Terroranschlägen vom Anteil von Muslimen zu untersuchen beziehungsweise ob es sinnvoll ist, eine Abhängigkeit des Anteils von Muslimen von der Anzahl der Terroranschläge zu untersuchen. Hier wurde also nur nach Richtung der Abhängigkeit gefragt, nicht aber nach der Abhängigkeit selbst.


