Berlin Journal

Magazin · Berlin

Reportage

Islamischer Staat zerstört deutsche Leopard-Panzer

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Leopard-Panzer
In Syrien setzt die türkische Armee Leopard-Panzer ein. (Screenshot: YouTube)

Die türkische Armee setzt in Syrien derzeit Leopard-Panzer aus deutscher Produktion ein. Doch der Islamische Staat nutzt gezielt die Schwächen der vermeintlichen Wunderwaffe und schafft es, die deutschen Panzer zu zerstören.

Leopard-Panzer
In Syrien setzt die türkische Armee die in Deutschland produzierten Leopard-Panzer ein. (Screenshot: YouTube)

Seit die türkische Armee in Syrien deutsche Leopard-Panzer einsetzt, werden dessen Schwächen offensichtlich. Denn dem Islamischen Staat (IS) gelingt es immer wieder, die Leopard-Panzer vom Typ 2A4 mit Panzerabwehrlenkwaffen außer Gefecht zu setzen. Dies zeigen Bilder und Filme, die seit kurzem im Internet kursieren.

„Das hat mit dem Mythos vom Wunderpanzer Leopard aufgeräumt“, zitiert die Frankfurter Allgemeine den Leiter des Panzermuseums in Munster Ralf Raths. Für die Qualität eines Panzers sei entscheidend, wie er bei Feuerkraft, Mobilität und Panzerung abschneidet. Bei Vergleichstests mit Konkurrenzmodellen habe hier immer der Leopard gewonnen.

Leopard-Panzer für Panzerschlachten konzipiert

Die Leopard-Modelle wurden zum Lieblingspanzer der Nato-Staaten. Allein die Türkei erhielt von der Bundeswehr bis Anfang der Neunziger Jahre 397 Leopard 1 und später 354 Leopard 2 A4. Letzterer wurde von 1985 bis 1992 produziert und ist die am weitesten verbreitete Version. Auch die Schweiz und Österreich nutzen ihn.

Der Leopard-Panzer wurde für die Panzerschlacht in der Norddeutschen Tiefebene gegen die Sowjets konzipiert. Als so genannter „Duellpanzer“ soll er Feuergefechte mit anderen Panzern gewinnen. Dafür ist er vorne stark gepanzert. Hinten und an den Seiten hingegen ist der Schutz schwächer, um Gewicht zu sparen. Das macht ihn verwundbar für seitlichen Beschuss

Dies zeigte sich in der syrischen Stadt Al-Bab geschehen. Hier griffen IS-Schützen zwei Leopard-Panzer mit tragbaren Panzerabwehrraketen an den Flanken an. Die türkischen Panzer waren alleine bis zur Stadtgrenze vorgerückt.

Vermutlich verwendeten die IS-Kämpfer dafür eine Kornet-Rakete aus Beutebeständen. Russland hat diese Lenkwaffen zur Panzerbekämpfung massenhaft an Syrien geliefert. Die russische Kornet kann mehr als einen Meter dicke Panzerungen durchschlagen.

Gegen solche Raketen sind alle Kampfpanzertypen an den Seiten und hinten verwundbar. Es sei denn, sie haben spezielle Schutzsysteme. Das vor allem so genannte abstandsaktive Schutzsysteme, die das Lenksystem anfliegender Raketen mit Sendern oder mit Nebel stören oder anfliegende Geschosse orten und zerstören.

Auch Reaktivpanzerungen können schützen. Sie sind wie ein Kettenhemd aus Metallplatten um den Panzer, hinter denen kleine Sprengladungen liegen. Wenn ein Projektil auf diese Metallplatten auftrifft, so drücken die kleinen Sprengladungen die Metallplatte dem Geschoss entgegen und mindern so dessen Durchschlagskraft.

Weder die türkischen Leopard-Panzer vom Typ 2A4 noch die modernste Leopard-Variante 2A7 plus der Bundeswehr verfügen über solche Schutzsysteme. In einer Gefechtssituation wie im syrischen Al-Bab könnten auch die Panzer der Bundeswehr vernichtet werden. Sie bräuchten Schutz durch Infanterie.

„Entgegen häufiger Wahrnehmung sind Panzer keine Einzelkämpfer“, sagt Ralf Raths vom Panzermuseum Munster. Vorrückende Panzer bräuchten stets Infanterie an ihrer Seite, die das Vorfeld aufklärt und feindliche Schützentrupps ausschaltet.

Die Videos auf YouTube zu Al-Bab und anderen Panzereinsätzen der Türkei im Syrienkrieg vermitteln den Eindruck, dass die türkischen Panzer häufig alleine kämpfen und nicht im Verbund. Möglicherweise hat also auch schlechte Führung zum Verlust der türkischen Leopard-Panzer geführt.

Comments

comments

Berlin · IS · Islamischer Staat · Krieg · Lenkraketen · Lenkwaffen · Leopard-Panzer · Panzer · Raketen · Ralf Raths · Syrien · Türkei · Waffen

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Newsletter

Berlin und die Wirtschaft in einem Brief

Die wichtigsten Geschichten aus Berlin, Deutschland und der Wirtschaftswelt — kompakt im Postfach.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.