Holländer bauen am Tempodrom Quartier mit 300 Eigentumswohnungen

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Die holländische Bauunternehmerfamilie um Dirk Wessels hat 1990 ihre Zelte als Kondor Wessels Berlin GmbH im Kronprinzendamm 15 in Berlin Halensee aufgeschlagen. Mit dabei auch die niederländische Reggeborgh PE Deutschland GmbH & Co. KG sowie die Reggeborgh Investment & Management GmbH von der Reggeborgh Gruppe, die der Familie Wessels ebenfalls gehört.

Einen bleibenden Eindruck haben die Wessels zuletzt im Bezirk Pankow hinterlassen, wo zwischen 2012 und 2015 auf dem Gelände einer ehemaligen Elektrokeramikfabrik in der Florastraße auf 23.000 Quadratmetern das neue Floraquartier mit 104 Miet- und 176 Eigentumswohnungen in mehrgeschossigen Blöcken und einem Townhouse-Ensemble mit begrünten Anliegerstraßen entstanden ist.

Nun wollen die Holländer das brach liegende Gelände hinter dem ehemaligen Postamt 11 in Berlin Kreuzberg aus dem Dornröschenschlaf erwecken und auf der alten Postbrache einen lebendigen Quartiermix aus Wohungen, Büros und Kinderbetreuung aus dem Boden stampfen. Die Bagger arbeiten schon. Die Bauarbeiten ziehen sich bis 2019 hin.

Das einstige Postamt, Hallesche Straße 10, stammt aus den 1930er Jahren, steht under Denkmalschutz und war bis zum Mauerfall im Jahr 1989 das wichtigste West-Berliner Amt seiner Art war. Im Auftrag der Interconti-Group wurde es zum Lofthotel mit 330 Zimmern umgebaut. Seit 2013 firmiert es als Crowne Plaza Berlin – Potsdamer Platz.

So teilt sich das Quartier Hallesche Straße auf: Im Hof zur südlichen Hallesche Straße Wohnungen, im Norden zur Stresemannstraße und Anhalterbahnhof Büros. (Skizze: Kondor Wessels Berlin GmbH)
So teilt sich das Quartier Hallesche Straße auf: Im Hof zur südlichen Hallesche Straße Nummer 4 (Metronom) und 5 (YOURS) reine Wohnungen, im Norden zur Stresemannstraße Nummer 3 der BundeswehrVerband und am Anhalter Bahnhof Nummer 1 ein siebengeschossiges Bürohaus, dazwischen Nummer 2 in der Stresemannstraße ein Wohn- und Geschäftshaus mit Kita und ganz im Innern zur Möckernstraße hin Nummer 6 eine weitere Kita. (Skizze: Kondor Wessels Berlin GmbH)

In Nachbarschaft zum Potsdamer Platz soll zwischen dem Kulturhaus Tempodrom (Möckernstraße 10) und dem Prüfbüro Berlin der Deutschen Rentenversicherung (Hallesche Straße 1) und der Tierfutterhandlung Fressnapf am Anhalter Bahnhof (Stresemannstraße 68) bis zum Jahr 2019  ein komplett neues städtisches Quartier entstehen mit 300 Wohnungen, Büros und zwei Kindertagesstätten: das Quartier Hallesche Straße.  Das Projektvolumen beträgt insgesamt rund 175 Millionen Euro.

Die nördliche Spitze des Dreiecks am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof wird ein neues Bürohochhaus markieren, auf weiteren Baufeldern im Innern des Dreiecks zum Süden hin (Richtung Hallesche Straße) entstehen die Wohnprojekte „YOURS“ und „Metronom“ sowie in der Stresemannstraße ein gemischt genutztes Gebäude und eines für den Deutschen BundeswehrVerband, der von Bonn nach Berlin umziehen will.

Die Projekte im Einzelnen

Bürogebäude Möckern-, Ecke Stresemannstraße am Anhalter Bahnhof. Hier errichtet die Reggeborgh PE Deutschland GmbH & Co.KG ein 7-geschossiges Bürogebäude. Es wird 14.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassen, 55 PKW- und 120 Fahrradstellplätze in der Tiefgarage bieten. Das Konzept des Bürogebäudes wird inspiriert durch das Cradle to Cradle-Konzept (C2C). Das Gebäude soll wie die Natur nie sterben. Statt eines linearen Verbrauchs von der Wiege zur Bahre, soll es einen immer wiederkehrenden Kreislauf von der Wiege zur Wiege geben. Ebenso soll das Gebäude nach DGNB-Standard (nachhaltiges Bauen) zertifiziert werden. Der Baustart ist für das vierte Quartal 2016 vorgesehen.

Wohn- und Geschäftshaus. Auf der angrenzenden Fläche in der Stresemannstraße 61-63 entwickelt die Kondor Wessels Wohnen Berlin GmbH einen Gebäudekomplex für Mischnutzung. Im Erdgeschoss sind zirka 600 Quadratmeter Gewerbefläche geplant mit zusätzlich 106 Quadratmetern Nutzfläche für die Tagespflege von Kleinkindern. In den darüber liegenden Stockwerken werden auf zirka 6.000 Quadratmetern Mietfläche 75 Wohnungen entstehen, 80 % davon als 2-3-Zimmerwohnungen. Der Baubeginn ist für das dritte Quartal 2016 vorgesehen.

Neubau Deutscher BundeswehrVerband. Auf dem angrenzenden Grundstück in der Stresemannstraße 57-59 baut Kondor Wessels den Hauptsitz für den Deutschen BundeswehrVerband e. V. Das Projekt hat der Verband Anfang Dezember 2015 von Kondor Wessels erworben. Es entstehen auf sieben Etagen 140 Büroarbeitsplätze und Konferenzräume. Objektplaner ist das Büro Nöfer aus Berlin. Die Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2018 geplant.

Metronom heißt ein Teil des neuen Kreuzberger Quartiers Hallesche Straße. Die Wohnungen kosten zwischen 5.099 und 5.809 Euro pro Quadratmeter. (Simulation: Kondor Wessels Berlin GmbH)
Metronom heißt ein Teil des neuen Kreuzberger Quartiers Hallesche Straße. Die Wohnungen kosten zwischen 5.099 und 5.809 Euro pro Quadratmeter. (Simulation: Kondor Wessels Berlin GmbH)

Wohnprojekt „Metronom“. Bis zum Sommer 2017 werden auf einem Areal in der Halleschen Straße mit dem Projekt „Metronom“ vier Gebäude mit einer Gesamtwohnfläche von 5.200 Quadratmetern errichtet. Sie werden 74 Eigentumswohnungen beherbergen. Die 2-4-Zimmer-Wohnungen zwischen 45 und 144 Quadratmeter Fläche erfüllen die Anforderungen des KfW-55-Standards (Energiebedarf von 55 Kilowattstunde pro Quadratmeter und Jahr) und werden mit Balkon oder Terrasse, Fußbodenheizung sowie Eichenparkett in den Wohn-, Schlaf- und Essräumen ausgestattet. „Hier entsteht ein zeitlos-modernes Wohnensemble, wie es nicht passender für Berlin sein könnte“, erläutert Leo W. A. de Man, Geschäftsführer der Kondor Wessels Wohnen Berlin GmbH.

Die Wohnungen können bereits gekauft werden. Laut Nestoria.de schwanken die Quadratmeterpreise zwischen 5.432 Euro und 5.809 Euro. Eine 3-Zimmerwohnung (96 Quadratmeter) in der 3. Etage kostet 489.500 Euro. Eine 2-Zimmer-Dachgeschoßwohnung (55 Quadratmeter) mit Südbalkon kostet 319.500 Euro.

Wohnprojekt „Yours“. Ebenfalls in der Halleschen Straße errichtet die Reggeborgh Groep mit der Wohnanlage „YOURS“ insgesamt 161 Wohnungen. 115 davon werden als Eigentum verkauft, 46 werden in die Vermietung gehen. Die 2- bis 4-Zimmerwohnungen verfügen über durchschnittlich 68 Quadratmeter Fläche. Die komfortabel ausgestatten Eigentumswohnungen entsprechen dem KfW-70-Standard und werden über Fußbodenheizungen mit Wärme versorgt. „Mit diesem Projekt“, so Johannes G. S. Hegeman, Geschäftsführer der Reggeborgh Investment & Management GmbH, „realisieren wir eines der charmantesten Bauprojekte, das in Berlins Mitte derzeit zu finden ist. Ruhig gelegen und dennoch nah an den spannendsten Adressen Berlins, bietet YOURS einen Ort der Entspannung und gleichzeitig den Pulsschlag der Metropole.“

Die Quadratmeterpreise liegen hier bei 5.432 Euro. Eine 3-Zimmer-Wohnung (74 Quadratmeter) mit 2 Bädern und Sonnenbalkon zum grünen Innenbereich in der 3. Etage kostet auf Immobilienscout24.de beispielsweise 402.000 Euro.

Die Kindertagesstätte. In der grünen Lage im Inneren des großen Areals wird eine Kindertagesstätte errichtet. Sie wird Platz bieten für rund 70 Kinder. Ihr Baubeginn ist für den Sommer 2016 geplant, die Fertigstellung soll Ende 2017 erfolgen. Betreiber ist der HVD Humanistische Verband Deutschlands – Landesverband Berlin-Brandenburg e. V.

Stadtquartier in frühmoderner Tradition

Der Architekt Tobias Nöfer fasst die Konzeption für das neu entstehende Quartier zusammen: „Zwischen dem modernen Potsdamer Platz, dem kiezigen Kreuzberg und der klassischen Friedrichstadt liegt das neue Quartier an der Schnittstelle der spannendsten Lagen Berlins. Durch die Urbanisierung dieses Grundstücks entsteht ein Lebensort besonderer Güte. Bei der Gestaltung des gesamten Blockinnenbereiches legten wir Wert darauf eine einheitliche aber doch vielfältige Anlage zu schaffen. Öffentlicher, gemeinschaftlicher und privater Raum sollen in kultivierter Art und Weise miteinander verbunden werden. Der klassische, sehr plastische Aufbau der Fassaden in hochwertiger und durchgängiger Materialität, die stadtbaukünstlerische Anordnung der Baukörper und die Qualität der Freiräume stehen in der Tradition des frühmodernen Städtebaus. Mit diesem Projekt erhält die Stadt ein modernes Beispiel für das in Berlin bewährte Thema des öffentlich zugänglichen Blockinnenbereiches.“

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8 KOMMENTARE

  1. Liebe FB Nutzer, wenn ich den ein oder anderen Kommentar unter diesem erstklassigen Bericht lese, da läuft es mir heiß und kalt den Rücken runter. Der holländische Bauträger ist ein erstklassiger Investor und Berlin sollte froh sein, so einen zu haben! Hier in Berlin wird es sein, wie in jeder anderen, vergleichbaren Stadt in Europa. Wie in Rom, Paris, Wien, London, Madrid oder Moskau. Leben in der Stadt wird in Zukunft nur noch für eine privilegierte Oberklasse möglich sein. Das ist so – und das ist auch so gewollt – nur niemand aus Senat oder Regierung sagt es. Mieten von 15 – 20 Euro in Top Lagen werden normal sein und – by the way – diese Mieten wären heute günstig, in Rom, Paris, Wien, London, Madrid oder Moskau. Bezahlbarer Wohnraum wird Platte heissen und in den Randlagen liegen. Die Unterschicht fliegt raus aus der Stadt. Ich schreibe nicht das ich dafür bin, ich Scheibe wie es sein wird. Drum enthauptet nicht den Überbringer der Botschaft … 🙂

  2. klar doch eigentumswohnungen für flüchtlinge,die noch nicht mal gebaut worden sind, son quatsch,ehrlich ist doch toll das jemand mal was investiert in berlin damit man wohnen und die kinder betreuung,gute idee mal kein geld fürn flughafen

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