Reportage
Hartz IV: Jedes 3. Kind in Berlin und Bremen, jedes 7. bundesweit

Die Kinderarmut in Deutschland wächst unaufhörlich. In Berlin und Bremen lebt bereits jedes 3. Kind von Hartz IV, also auf minimalstem Lebensniveau. Bundesweit ist rund jedes siebte Kind von Hartz-IV-Leistungen abhängig. Das geht aus einer Datenauswertung der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, aus der die Nachrichtenagentur dpa zitiert.
Demnach waren im vergangenen Jahr im Schnitt 1,542 Millionen unter 15-Jährige betroffen. Das sind den Angaben zufolge rund 30.000 mehr als noch im Vorjahr. Die Daten stammen von der Bundesagentur für Arbeit.
In Ostdeutschland lebt jedes 5. Kind (20,3 Prozent der unter 15-Jährigen) von Hartz-IV, in Westdeutschland jedes 8. Kind (13,0 Prozent).
Den stärksten Anstieg gegenüber dem Vorjahr gebe es mit 2,1 Prozentpunkten in Bremen, den deutlichsten Rückgang mit minus 0,7 Prozentpunkten in Brandenburg und Sachsen.
Genau betrachtet gehe es beim Thema Kinderarmut nicht unmittelbar um die Armut der Kinder, sondern um die Armut ihrer Eltern und deren Auswirkung auf die Kinder, sagte Zimmermann. „In der enormen Anzahl der Hartz-IV-Beziehenden mit Kindern spiegeln sich die in vielen Regionen immer noch angespannte Arbeitsmarktlage mit viel zu wenigen Arbeitsplätzen und Niedriglöhne wider.“ Die stellvertretende Vorsitzende der Linkenfraktion forderte die Regierungskoalition auf, die Regelsätze für Kinder zu erhöhen.
Eine detaillierte Auswertung zu Kinderarmut in Deutschland hatte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Januar dieses Jahres herausgegeben. Demnach leben 19 Prozent oder 2,47 Millionen aller Mädchen und Jungen in Deutschland in Familien mit so wenig Geld, dass sie als arm oder armutsgefährdet gelten.


