Berlin: Wohnungen auf freistehenden Supermärkten

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Wie hier bei Reichelt am Steglitzer Damm Ecke Presselstraße, auf dessen Flachdach 58 Eigentumswohnungen entstehen, gibt es in Berlin 300 Supermärkte mit Luftgeschossen darüber. Das wurde in den 1960er Jahren genehmigt und wäre heute laut Bausenator Andreas Geisel (SPD) undenkbar (Simulation: Arnold & Gladisch Architekten/ Diamona & Harnisch)
Wie hier bei Reichelt am Steglitzer Damm Ecke Presselstraße, auf dessen Flachdach 58 Eigentums-Wohnungen entstehen, gibt es in Berlin 300 Supermärkte mit Luftgeschossen darüber. Das wurde in den 1960er Jahren genehmigt und wäre heute laut Bausenator Andreas Geisel (SPD) undenkbar (Simulation: Arnold & Gladisch Architekten/ Diamona & Harnisch Development GmbH)

Der Berliner Projektentwickler Alexander Harnisch hat eine ganz besondere Lösung für das Wohnungs-Problem in Berlin gefunden: „Wir nutzen den Luftraum über einem Supermarkt“, sagte er Isabell Jürgens von der Berliner Morgenpost.

Laut einer Studie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus dem letzten Jahr gibt es in Berlin etwa 300 Standorte, auf denen derzeit eingeschossige Lebensmittel-, Super- , Drogerie- und Getränkemärkte stehen. Über ihnen könnten 15.000 Wohnungen entstehen.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) begrüßt die Initiative des Projektentwicklers als „nachhaltige Verdichtung im Bestand“. Solche eingeschossig bebauten Eckgrundstücke seien Relikte aus dem geteilten Berlin, die so heute nicht mehr genehmigt würden. „Die wachsende Stadt braucht solche Grundstücke dringend für Wohnungen. Es ist absurd, dass wir uns in Baulücken immer noch ein Geschoss Einzelhandel und drei Geschosse Luft leisten.“ Das müsse sich ändern, deswegen habe er vor ein paar Monaten alle Baustadträte aufgefordert, auf entsprechende Nutzungen hinzuwirken.

Quartier am Stadtpark Steglitz mit 99 Eigentumswohnungen

Konkret überbaut Harnisch den Reichelt-Supermarkt am Steglitzer Damm/Ecke Presselstraße. Hierbei handelt es sich um einen schmucklosen Flachbau aus den 1960er-Jahren mit einer Verkaufsfläche von rund 2.000 Quadratmetern. Bis 2017 sollen dort 99 Eigentumswohnungen zwischen 30 und 145 Quadratmetern entstehen, allein 58 befinden sich direkt über Reichelt, dessen Dach teilweise als Parkdeck gedient hat. Das Wohnensemble soll Quartier am Stadtpark Steglitz heißen. Das Verkaufsbüro befindet sich in der Karl-Stieber-Straße 5 in 12167 Berlin. Besichtigungen finden freitags und samstags von 14:30 bis 16:30 Uhr statt. Telefon: 030 – 89384650.

Die Kaufpreise der Wohnungen sind hoch, da die Überbauung eines Supermarktes teuer ist.

Die Fundamente eines Supermarktflachbaus würden nie ein vier- oder fünfgeschossiges Wohnhaus tragen. Daher rückten in Steglitz immer nach Ladenschluss die Bauarbeiter an, um die Fundamente zu verstärken. „Wir mussten also die Stützen durch den Markt und die darunter liegende Tiefgarage bis zum Fundament hin verstärken“, so Harnisch.

Die Baukosten belaufen sich am Steglitzer Damm auf 2.200 Euro pro Quadratmeter. Die 99 Wohnungen werden je nach Lage zwischen 2.540 und 5.300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche angeboten.

Natürlich wäre es billiger gewesen, den Supermarkt einfach abzureißen und neu zu bauen. Aber dazu hätte man die Erlaubnis von Reichelt bekommen müssen, der seinen Supermarkt für die lange Bauzeit hätte schließen müssen. So aber kann der Verkauf auch während der Bauzeit weitergehen.

Damit sich die Investition des Bauträgers überhaupt lohnt, sind nach Harnischs Auffassung „mindestens 5.000 Quadratmeter Wohnfläche“ erforderlich – das würde, je nach Größe, also mindestens 50 Wohnungen entsprechen, die durch so einen Umbau neu entstehen müssten.

Harnisch hat für sich bereits zehn weitere Supermarkt-Flachdächer ausgemacht, die zur Überbauung geeignet sind.

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2 KOMMENTARE

  1. So Herr Geisel, also undenkbar?

    Hier in der Wollankstr. 14 seht ein Rewe-Neubau vom letzten Jahr ohne Wohnung und mit Riesen-Parkplatz. Massig verschenkter Platz.

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