Reportage
Baupfusch Bundestag: Undichte Bodenplatte muss wieder raus

Architekt Stephan Braunfels steigt nun nach 6 Jahren Jahren Bauzeit genervt aus dem Projekt aus. Der Bundestagserweiterungsbau für den wissenschaftlichen Dienst und für große Anhörungen in der Luisenstraße in Berlin-Mitte verzögert sich wegen Pfuschs am Bau um 7 Jahre. Die ursprüngliche Bauzeit war von 2010 bis 2013 veranschlagt. Berlin hat damit seine nächste Problem-Dauerbaustelle: Der Ausbau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses am Reichstagsufer hat eine undichte Bodenplatte, und die muss jetzt erneuert werden. Der Architekt hat die Nase voll – und will den Bund verklagen.
Die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses am Reichstagsufer wird statt wie vorgesehen im nächsten Jahr nun erst Ende 2020 abgeschlossen sein. Das steht in einem internen Rahmenterminplan der Planer, der der rbb-Abendschau vorliegt.
Das ausführende Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sowie der Architekt Stephan Braunfels bestätigten dem rbb die Verzögerung. Braunfels sagte, durch die Verzögerungen werde das 44.000 Quadratmeter große Gebäude insgesamt sieben Jahre später fertig, als ursprünglich geplant.
Der Stararchitekt hat gestern (7. September 2016) die Konsequenzen gezogen – er steigt aus dem Projekt aus. Das Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen schulde ihm fast 14 Millionen Euro, davon mehr als acht Millionen alleine für die Erweiterung des Bundestagsbaus im Regierungsviertel, sagte Braunfels der Abendschau. Es sei das erste Mal in seiner 40jährigen Laufbahn, dass er einen Auftrag gekündigt habe. Nun will er den Bund verklagen, ihm die aus seiner Sicht zustehenden Honorare zu zahlen.
Vorläufiger Termin: Ende 2020
Bereits vor einem Jahr war bekannt geworden, dass die Bodenplatte des Erweiterungsbaus undicht ist und Wasser eindringt. Nun muss die Platte komplett erneuert werden. „Das ist ein ganz klarer Ausführungsfehler“, sagte Braunfels gestern der Abendschau. Allein diese Sanierung wird bis Mai 2018 dauern. Im Anschluss muss die komplette Technikebene im zweiten Untergeschoss neu eingebaut werden. Für die Übergabe an den Bundestag sieht der Plan den Zeitraum zwischen September und Dezember 2020 vor.
Was all das den Steuerzahler am Ende kostet, ist offiziell noch nicht bekannt. Bisher hatte das Bundesamt für Bauwesen 198 Millionen Euro für das Lüders-Haus vorgesehen, davon 10,5 Millionen Euro für Baugrube und Gründungspfähle. Um wieviel sich diese Summe nun erhöhen wird, dazu seien laut des Bundesamtes „zum jetzigen Zeitpunkt noch keine belastbaren Angaben möglich“.
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus beherbergt unter anderem das wissenschaftliche Dienstleistungszentrum des Bundestags sowie einen großen Anhörungssaal. Der Erweiterungsbau entsteht an der Luisenstraße und soll das sogenannte Band des Bundes am östlichen Ende abschließen.


