Berlin Journal Newsletter →

Magazin · Berlin

Reportage

Festgenommener lebte im Flüchtlingsheim Tempelhof

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Angela Merkel Terroranschlag Flüchtlingsheim Tempelhof
Angela Merkel Terroranschlag Flüchtlingsheim Tempelhof

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin war im Februar als Flüchtling gekommen und hatte seit Juni eine Aufenthaltsgenehmigung. Er wohnte im Flüchtlingsheim auf dem früheren Flughafen Tempelhof. Angela Merkel spricht von einer „letztlich unbegreiflichen Tat“.

Am Dienstagvormittag hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche geäußert. Der Attentäter, ein Flüchtling aus Pakistan, war mit einem Lkw in die Menschenmenge gefahren und hatte dabei mindestens zwölf Menschen getötet.

„Das ist ein sehr schwerer Tag“, sagte Angela Merkel. Man müsse nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen. Sie denke in diesen Stunden zuallererst an die Toten und Verletzten. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint. Es sei eine grausame und „letztlich unbegreifliche Tat“. Diese werde bestraft, „so hart es unsere Gesetze verlangen“.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Terroranschlag als Verbrechen bezeichnet. Die Tat gegen friedliche Bürger sei grausam und zynisch, schrieb Putin in einem Telegramm an Bundespräsident Joachim Gauck und die Bundeskanzlerin. Putin sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Beileid aus wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung.

Geert Wilders twitterte zum Terroranschlag eine Fotomontage, auf dem Bundeskanzlerin Angela Merkel Blut an ihren Händen hat. Der Chef der in Wahlumfragen vorn liegenden Freiheitspartei PVV ist in den Niederlanden gerade wegen Anstachelung zur Diskriminierung und Beleidigung einer ethnischen Gruppe verurteilt worden.

Verdächtiger war der Polizei bekannt

Nach Informationen der Welt war der Tatverdächtige unter den Namen David und Navid B. bekannt, vermutlich geboren am 1. 1. 1993 in Turbat, Pakistan. Er ist am 16. Februar dieses Jahres nach Deutschland eingereist. Seit dem 2. Juni 2016 hat er eine Aufenthaltsgenehmigung.

Er wohnte offenbar in der Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Flughafen Tempelhof. Er war der Polizei schon im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem sexuellen Übergriff im letzten Sommer bekannt.

Polizeieinsatz am Flüchtlingsheim Tempelhof

Bei dem Polizeieinsatz in der Flüchtlingsunterkunft Tempelhof sind vier junge Männer Ende 20 aus dem Hangar 6 befragt worden. Es gab aber keine Festnahmen, sagte Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten.

Der Einsatz, an dem auch Kräfte der Spezialeinheit (SEK) beteiligt waren, habe um 3.00 Uhr mit bis zu 250 Beamten begonnen. Die Kräfte seien dann aber reduziert worden. Die Lage sei ruhig gewesen. Um 8.00 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen.

Die Ermittlungen zum Attentäter dauern an. Die Generalbundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren eingeleitet und das BKA mit den Ermittlungen beauftragt. Der tot im Lkw aufgefundene Beifahrer des Attentäters ist nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums vermutlich erschossen worden.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der polnische Staatsbürger den Lkw gefahren, bis sein Fahrzeug in die Hände des Attentäters fiel. Der polnische Kraftfahrer sei kein Täter, sondern ein Opfer, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nach einer Telefonkonferenz der Innenminister.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Wir haben keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat.“ Zudem bestätigte er Presseberichte, wonach der festgenommene Verdächtige die Tat abstreitet.

Comments

comments

Berlin · Angela Merkel · Berlin · BKA · Flüchtlinge · Flüchtlingsheim · Flughafen Tempelhof · Karl-Heinz Schröter · Migranten · Migration · Pakistaner · Polen · SEK · Terroranschlag · Terrorismus

Autor

Thomas Breithaupt

[email protected]

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Die Depesche

Freitags die ganze Stadt in einem Brief

Kein Newsletter im üblichen Sinn — eine kuratierte Depesche der Redaktion. Was zählt, was kommt, was bleibt.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.