Reportage
Knapper Sieg für Erdogan – auch in Berlin
Beim Verfassungsreferendum in der Türkei hat sich Erdogan knapp durchgesetzt. Auch in Berlin stimmte nur eine knappe Mehrheit der Wähler für die vom türkischen Staatschef vorgeschlagene Verfassungsänderung.

Laut Wahlkommission hat eine knappe Mehrheit der Türken für die Verfassungsänderung von Präsident Erdogan gestimmt. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sagte, das türkische Volk habe eine „historische Entscheidung” getroffen. Das Ausland solle dies respektieren. Zudem stellte er ein weiteres Referendum über die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht.
Umfragen in den letzten Wochen hatten Ja-Lager und das Nein-Lager etwa gleichauf gesehen, was sich nun bestätigt hat. Stand 22 Uhr waren 51,4 Prozent der gültigen Stimmen für die Verfassungsänderung und 48,6 dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 85,6 Prozent außergewöhnlich hoch.
Die beiden größten Oppositionsparteien der Türkei haben angekündigt, das Ergebnis anzufechten. Die prokurdische HDP sagte auf Twitter, sie werde eine Neuauszählung von zwei Dritteln der Urnen verlangen. Auch der Oppositionspolitiker Bülent Tezcan (CHP) warf der Wahlkommission Unregelmäßigkeiten vor.
Insgesamt waren rund 58,2 Millionen Wahlberechtigte zur Abstimmung aufgerufen, darunter auch 2,9 Millionen Türken im Ausland. Diese konnten bis zum Sonntag vergangener Woche in ihren jeweiligen Ländern abstimmen. In Deutschland hatte die Wahlbeteiligung bei knapp 49 Prozent gelegen.
Auch in Berlin lag das Ja-Lager mit 51 Prozent nur knapp vorn. Am Abend gab es neben vielen traurigen Gesichtern auch erste Feiern. Am Kurfürstendamm etwa tanzten trotz Regens mehr als 100 junge Türken. Sie schwenken rot-weiße Flaggen und riefen „Erdogan, Erdogan“. Wie nach WM-Spielen umrundeten Autokorsos hupend das Europacenter und die Gedächtniskirche.


