Reportage
Sicherheitsbehörden erwarten Zunahme der Migration
Die Sicherheitsbehörden erwarten in den kommenden Monaten eine Zunahme der Asylsuchenden. Denn derzeit sind nur 24 Prozent der Neuzugänge Afrikaner. Wegen der Situation in Italien dürfte sich dies bald ändern.

Vor zwei Wochen hatten bereits CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Chef Martin Schulz vor einer neuen Migrationswelle gewarnt. Nun sagen auch die deutschen Sicherheitsbehörden, dass die Zahl der Asylsuchenden in der zweiten Jahreshälfte wieder steigen wird.
„Mehrere Indikatoren lassen einen Anstieg der illegalen Migration nach Deutschland in der zweiten Jahreshälfte erwarten“, zitiert die WELT aus einer aktuellen Analyse des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration (GASIM).
Am GASIM beteiligen sich unter anderem Vertreter der Bundespolizei, des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), des Bundesnachrichtendienstes und des Auswärtigem Amts.
An der Grenze zu Österreich wurden in den ersten sechs Monaten die meisten Aufgriffe illegalen Migranten gefasst. Dort sind bereits seit 2015 stationäre Grenzkontrollen erlaubt. Die unerlaubten Einreisen bis Ende Juni umfassen:
- aus Österreich 8.342,
- aus der Schweiz 3.249,
- aus Tschechien 1.867 und
- aus Frankreich 1.720.
Dabei berichtet die Bundespolizeidirektion München von einem starken Anstieg der Einreise per Güterzug. Im ersten Halbjahr wurden in Bayern 220 dieser illegalen Einreisen festgestellt. Allein im Juli waren es laut Sprecher der Polizeidirektion 174.
Die Grenzkontrollen im Vorfeld des G-20-Gipfels Anfang Juli deuteten zudem auf „ein großes Dunkelfeld im Bereich der illegalen Migration hin“, heißt es in der Analyse. Dabei wurden innerhalb von nur vier Wochen 4.546 unerlaubte Einreisen aufgenommen.
Sicherheitsbehörden erwarten Zunahme der Migration
Die relativ geringen Zahlen im sonstigen Zeitraum weisen darauf hin, dass viele Migranten unerkannt einreisen. Laut Bundesinnenministerium lag die Zahl der Asylsuchenden im ersten Halbjahr dann auch bei rund 90.000. Die meisten kamen weiterhin über die Balkanroute.
Afrikaner machten im ersten Halbjahr nur 24 Prozent aller Neuzugänge aus. Demnach ist die Migration von Libyen über das Mittelmeer nach Italien noch weniger bedeutend für die Situation in Deutschland.
Noch immer legt die Mehrzahl der Migranten keine Personaldokumente vor. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wurden im ersten Halbjahr 2017 rund 122.000 Dokumente überprüft.
„Der Anteil der festgestellten mutmaßlichen Fälschungen betrug 2016 rund sechs Prozent und ist auch 2017 stabil auf diesem Niveau geblieben“, sagte eine BAMF-Sprecherin der WELT AM SONNTAG.


