Reportage
Nato verlegt tausende Soldaten nach Osteuropa
Die Nato wird tausende Soldaten nach Osteuropa verschieben. Die Führungsnation Deutschland stellt einen Großteil der gegen Russland gerichteten Truppen. Ein Drittel der Deutschen fürchtet bereits einen Krieg.

Die Nato treibt die im Sommer verabschiedeten Aufrüstungspläne für Osteuropa voran. Das Militärbündnis begründet dies mit der Sorge östlicher Mitgliedsländer vor einem russischen Angriff. Vor allem die baltischen Staaten und Polen fühlen sich bedroht, seit Russland im Jahr 2014 die Krim annektierte.
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Mittwoch in Brüssel, dass der von der Bundeswehr angeführte Verband für Litauen aus rund 1.000 Soldaten bestehen wird. „Deutschland wird daran den größten Anteil tragen“, zitiert sie das Handelsblatt.
Deutschland wird in Osteuropa zur Führungsnation
Die geplante Stärke der vier Kampfverbände ist nach Ansicht von Ursula von der Leyen „genau angemessen“ und „defensiv“. Die Aufrüstung sei ein klares Zeichen an Russland, dass ein Angriff auf ein Nato-Land als ein Angriff auf alle 28 Mitgliedsstaaten wahrgenommen würde.
Bereits beim Nato-Gipfel im Juli hatten die Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses beschlossen, mehrere tausend Soldaten in die drei baltischen Staaten und nach Polen zu schicken. Die Führungsnationen sind dabei jeweils
- Deutschland in Litauen,
- Großbritannien in Estland,
- Kanada in Lettland und
- die USA in Polen.
Aus der AfD und von der Linkspartei kam wiederholt scharfe Kritik an der militärischen Eskalation gegen Russland. Die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat die Nato vor einem Jahr sogar wörtlich als „Kriegstreiber“ bezeichnet.
Doch nicht nur die Nato rüstet auf. Auch Russland hat seinerseits angekündigt, in Königsberg Iskander-Raketen zu stationieren. Diese Mittelstreckenraketen können mit Atomsprengköpfen bestückt werden und haben eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern.
Jeder dritte Deutsche fürchtet Krieg mit Russland
Russland sieht die verstärkte Truppenstationierung der Nato in Osteuropa als Provokation. Und auch viele Deutsche betrachten die Aufrüstung mit Sorge. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ fürchtet ein Drittel der Deutschen einen Krieg mit Russland. Unter AfD-Anhängern halten sogar 63 Prozent eine Auseinandersetzung mit Russland für möglich.
Mit 84 Prozent findet es die große Mehrheit der Deutschen richtig, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter das Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sucht. Auch 87 Prozent der AfD-Wähler befürworten diesen Kurs. Nur 14 Prozent halten die Gespräche mit Russland für sinnlos.
Sorgen bereitet vielen Deutschen auch der Stellvertreterkrieg zwischen Nato und Russland in Syrien. Russland verlegt derzeit acht Kriegsschiffe nach Syrien, darunter seinen einzigen Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“. In der Nato ist gerade ein Streit ausgebrochen, weil Spanien mehrere russische Kriegsschiffe betanken wollte.


