Reportage
Muslime fordern Gebetsraum in der TU Berlin

Zum Freitagsgebet haben sich am Freitagmittag rund 80 Muslime vor dem Haupteingang der Technischen Universität Berlin in der Straße des 17. Juni 135 in Charlottenburg versammelt. Sie fordern als Studenten und Mitarbeiter der Uni, wieder gemeinsam auf dem Campus beten zu dürfen, weil die Turnhalle der Uni im März 2016 durch die Universitätsleitung für religiöse Veranstaltungen geschlossen wurde und auch kein Ausweichraum zugelassen wurde.
Seit den späten 1960er Jahren gab es an der TU einen Gebetsraum, der aber gar nicht dafür vorgesehen war. Muslime haben für das Gebet einen Flur im Hauptgebäude der Universität blockiert. Nachdem sich nicht-muslimische Studenten über das öffentliche Gebet muslimischer Kommilitonen beschwert hatten, war mit Beginn des Wintersemesters 2002 einer „Islamischen Studentenvereinigung“ gestattet worden, ihr Freitagsgebet in der Sporthalle im Hauptgebäude der TU Berlin abzuhalten. Eine Vereinbarung darüber bestand immer nur informell und war offenbar ständig ausgeweitet worden, ohne die Universitätsleitung zu informieren, schrieb die FAZ.
Die Sporthalle war vor allem freitags überfüllt: Sie wurde von muslimischen Studenten als Gebetsraum, aber auch von Imamen genutzt. Das Angebot wurde außerdem, wie Zeitungsberichte belegen, sofort auch von zahlreichen Gläubigen genutzt, die nicht an der TU eingeschrieben waren.
Die Berliner Feuilletonkorrespondentin der FAZ Regina Mönch schrieb: „Die Universität beherbergte also einmal in der Woche eine Art informelle Freitagsmoschee. Unter den Imamen befand sich zum Beispiel Abdul Adhim Kamouss, der inzwischen zwar angibt, sich vom Salafismus abgewendet zu haben, aber viele Jahre zu den deutschlandweit bekannten Predigerstars der extrem-salafistischen Berliner Al-Nur-Moschee gehörte. Inzwischen predigt er unter anderem im Berlin-Neuköllner ‚Islamischen Kultur- und Erziehungszentrum‘, das von radikalen Hamas-Anhängern sehr geschätzt wird und vor dem der Berliner Verfassungsschutz vor allem Helfer und Betreiber von Flüchtlingsheimen warnt.“
Zuletzt haben sich in der Uni-Turnhalle bis zu 500 Muslime versammelt. Die muslimischen Studenten und Mitarbeiter der Uni protestieren nun dagegen, dass ihr nichtoffizieller Gebetsraum geschlossen wurde.
Weil eine staatliche Uni keine Moschee sei
Christian Thomsen, Präsident der Technischen Univesität, sagte der rbb-Abendschau: „Nach meiner Überzeugung sind Religionsausübung, außer im individuellen Gebet, mit Wissenschaft und Lehre nicht verbindbar an einer staatlichen Einrichtung. Wir haben natürlich auch das Neutralitätsgebot zu beachten. Das heißt, wenn wir das einer Religionsgruppe anbieten würden, dann müssten wir das anderen auch anbieten. Und dafür fehlen uns einfach die Räumlichkeiten.“
Auch die anderen staatlichen Universitäten in Berlin bieten keine Gebetsräume.


