Reportage
Deutschland hat so viele Migranten wie nie zuvor
Schon vor der Flüchtlingskrise lebten in Deutschland 17,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Zudem hatte hierzulande jede dritte Person unter 18 Jahren mindestens ein ausländisches Elternteil.

Laut einer aktuellen Statistik lebten schon vor der aktuellen Flüchtlingskrise so viele Migranten in Deutschland wie niemals zuvor. Grund war die starke Zuwanderung. Im Jahr 2015 hatte bereits mehr als jeder fünfte Einwohner hierzulande ausländische Wurzeln.
Insgesamt lebten im vergangenen Jahr 17,1 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis des Mikrozensus 2015.
So viele Menschen mit Migrationshintergrund wie nie zuvor
Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Migranten hierzulande um 4,4 Prozent. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung erreichte 21 Prozent. Die drei wichtigsten Herkunftsländer sind
- die Türkei,
- Polen und
- die Russische Föderation.
Dieser außergewöhnlich hohe Anstieg der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist vor allem auf Zuwanderung zurückzuführen. Im Jahr 2015 lebten 11,5 Millionen Zuwanderer in Deutschland, das waren 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Ein Drittel der Minderjährigen haben ausländische Wurzeln
Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist im Schnitt deutlich jünger als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Jede dritte Person unter 18 Jahren hatte einen Migrationshintergrund. Kinder unter fünf Jahren haben zu 36 Prozent ausländische Wurzeln.
Im Alter von 25 bis 35 Jahren hatten Personen mit Migrationshintergrund deutlich häufiger keinen Schulabschluss oder nur einen Hauptschulabschluss. Zudem hatten sie dreimal häufiger keinen Berufsabschluss. In der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen waren Personen mit Migrationshintergrund seltener erwerbstätig.
Bildungserfolg und Arbeitsleben variieren teilweise sehr deutlich je nach Herkunftsland. So hatten zum Beispiel 88 Prozent der 25 bis 35 Jahre alten Personen mit chinesischen Wurzeln ein Abitur, aber nur 16 Prozent der Personen mit türkischen Wurzeln.
Einen Menschen nennt man Person mit Migrationshintergrund, wenn er selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Dies sind zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen.
Statistik spiegelt die Flüchtlingskrise nur teilweise wider
Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund 1 Prozent der Bevölkerung hierzulande befragt wird. Um aus den erhobenen Daten Aussagen über die Gesamtbevölkerung ziehen zu können, müssen die Daten entsprechend hochgerechnet werden.
Es ist davon auszugehen, dass der Mikrozensus 2015 die Zuwanderung des letzten Jahres nur teilweise widerspiegelt. Denn die Migranten kamen vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2015 nach Deutschland und lebten in Erstaufnahmeeinrichtungen, wo generell keine Mikrozensus-Befragungen durchgeführt werden.


