Reportage
Seit 6 Tagen brennt La Palma: Deutscher Klo-Papieranzünder erhielt U-Haft

Seit sechs Tagen brennt die Urlbaubsinsel La Palma. Mehr als 4.000 Hektar Wald sind den Flammen bis Sonntag zum Opfer gefallen, mehr als ein Zwanzigstel der Inselfläche. Eine Ende ist vorerst nicht in Sicht. Am Wochenende schickte ein Richter in Los Llanos de Aridane auf den Kanaren den deutschen Aussteiger (27) in eine verschärfe U-Haft ohne Kautionsanrecht. Der in einer Höhle im Süden von La Palma lebende Mann hatte am vergangenen Mittwochabend in der Nähe der Ortschaft El Paso seine Notdurft im Freien verrichtet und anschließend sein gebrauchtes Toilettenpapier verbrannt. Das löste im ausgetrocknete Pinienwald ein Großfeuer aus, das einen Forstmitarbeiter (54) am nächsten Tag in den Tod riss. Der fünffache spanische Familienvater war in einer hügeligen und schwer zugänglichen Gegend um den Naturpark Cumbre Vieja von den Flammen eingekesselt worden. Der Deutsche hat sich selbst bei der Polizei gemeldet. Dem Deutschen werde aufgrund seiner eigenen Aussage „grobe Fahrlässigkeit“ zur Last gelegt, berichtete die Nachrichtenagentur efe unter Berufung auf Justizkreise. Nach Medienschätzungen droht ihm eine Haftstrafe von mindestens sechs bis zwölf Monaten.
Die Brände haben sich stark ausgebreitet und sind noch immer nicht unter Kontrolle.
Sie haben weite Teile des Naturparadieses zerstört und sind inzwischen von 2.500 Hektar auf mehr als 4.000 Hektar angewachsen. Eine Fläche, die größer als die Nordseeinsel Pellworm ist. Am schlimmsten betroffen von den Bränden sind die Orte El Paso und Fuencaliente. 2.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Einige wurden mit Hubschraubern evakuiert. Sie sind jetzt in Turnhallen und anderen Einrichtungen untergebracht. Touristen waren bisher nicht direkt betroffen.
Am Freitagabend waren die Flammen der 5000-Einwohner-Gemeinde Villa de Mazo im Südosten der Insel bedrohlich nahegekommen. Häuser seien aber nicht mehr in Gefahr, eine Evakuierung nicht nötig, sagte Bürgermeister José Pestana.
Über die Kanaren geht zurzeit eine Hitzewelle. Gewöhnlich herrschen dort gemäßigte Temperaturen. Im August wird es durchschnittlich 28 Grad warm, doch in diesem Jahr ist es bis zu zehn Grad heißer. Trockenheit und Hitze sind ideale Brandbeschleuniger. Der Kampf gegen die Flammen ist umso schwerer, weil die Insel eine einzige Berglandschaft ist, in der sich die Feuerwehrleute nur mühsam fortbewegen können.
Nach einer Erhebung der UNESCO ist La Palma die drittschönste Insel der Welt, nach Bora Bora und Hawai. Die Insel ist 45 km lang und 28 km breit. Die 85.000 Einheimischen leben auch heute noch zum größten Teil vom Bananenanbau. Der Tourismus soll zum zweiten Standbein der Insel ausgebaut werden, wobei eine Begrenzung der Bettenzahl auf insgesamt 20.000 Betten angestrebt wird. Mehr als 60 % der Gesamtfläche und nahezu der gesamte Küstenstreifen am Atlantik stehen unter Naturschutz. Etliche Gebiete sind dem Weltkulturerbe zugeordnet. Klein, aber fein ist das Motto, mit dem La Palma für einen sanften Tourismus in der oberen Kategorie wirbt.


