Reportage
Keine Zäune wie am Wandlitzsee: Stolzenhagener See wird gestiftet

Zäune wie am benachbarten Wandlitzsee soll es an ihrem See nicht geben: Deshalb wird die Fischererbin Anita Otto (79) aus Stolzenhagen nördlich von Berlin zum Jahresende 2016 ihren 44 Hektar großen und zur Gemeinde Wandlitz (Barnim) gehörenden Stolzenhagener See reprivatisieren und in eine gemeinnnützige Stiftung überführen.
Dazu gründet die Seebesitzerin die „Familie Werner und Anita Otto Stiftung“. Vorstandsvorsitzende ist sie selbst. Der Stolzenhagener Ortsvorsteher Jürgen Krajewski wird zweites Vorstandsmitglied. Außerdem erinnert die Seniorin damit an ihren Mann. „Mir liegt daran, den See zum Wohl der Allgemeinheit zu sichern“, begründete Anita Otto ihre Entscheidung für eine Offenhaltung des Ufers gegenüber dem Oranienburger Generalanzeiger.
Ausschlaggebend für ihren Entschluss war die Entwicklung am benachbarten Wandlitzsee, der 2004 von einem Düsseldorfer Rechtsanwalt erworben wurde. Dieser soll sich ein Mehrfaches der an die staatliche Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft gezahlten Kaufsumme von 400.000 Euro zurückgeholt haben, indem er Anlieger des Sees und die Gemeinde Wandlitz für 150 Stege zur Kasse bat. Der See ist an vielen Stellen für die Allgemeinheit nicht zugänglich.
„Das wollte ich mir für den Stolzenhagener See nie vorstellen“, erklärte Anita Otto. Knapp 200 Anlieger haben dort Stege und Grundstücke. Sollte die Stiftung eines Tages aufgelöst werden, werde der See einer gemeinnützigen Oranisation zufallen, hat sie verfügt.
Im 17 Meter tiefen Stolzenhagener See, mit dessen Wasser um 1900 der Gastwirt Rücker ein damals sehr beliebtes Weißbier braute, leben Karpfen, Hechte, Zander, Aale, Barsche, Plötzen und den Schleie, die die Seebesitzern jährlich in geschützten Buchten am Westufer neu einsetzen lässt. Zahlreiche Freizeitangler erwerben einen Angelschein und kommen deshalb an den See. Frisch zubereitet kann die jeweiligen Fische je nach Saison in der Fischerstube von Steffen Köhler in der Basdorfer Straße 1a direkt an der Liegewiese mit Tretbootverleih am Stolzenhagener See genießen – Seehecht zum Beispiel für 12,90 Euro.
Manuela Köhler betreibt zudem das Strandbad Stolzenhagen mit Imbiss in der Straße am See 90. Geöffnet: täglich 10 bis 20 Uhr. Eintritt pro Erwachsener 2,50 Euro, pro Kind 1,50 Euro. Parken: 2 Euro.
Etwa um 1835 hatte der Fischer Friedrich August Otto von der Königlichen Regierung zu Potsdam den Stolzenhagener See, den Wandlitzsee, den Rahmersee, die Große und die Kleine Lottsche, den Regenbogensee und die heiligen drei Pfühle gekauft. Durch Erbteilung wurden die Seen aufgeteilt, bis zum heutigen Tage befinden sich der Stolzenhagener See sowie der Rahmersee in Privatbesitz der Familie Otto.


