Berlin Journal

Magazin · Politik

Reportage

Gregor Gysi: So machen wir die AfD wieder klein

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Gregor Gysi AfD wieder klein bekommen
Gregor Gysi hat einen Plan. (Screenshot: YouTube)

Der Linken-Politiker Gregor Gysi kritisiert Kanzlerin Angela Merkel dafür, dass sie längst alle Forderungen der AfD übernommen habe. Doch er hat auch einen Plan, wie man die AfD wieder kleiner machen kann.

Gregor Gysi AfD wieder klein bekommen
Gregor Gysi hat einen Plan. (Screenshot: YouTube)

„Hauptsächlich wird die AfD über ihre Positionen zur Flüchtlingspolitik wahrgenommen – und da verkaufen sie eine Illusion“, sagte Gregor Gysi (68) dem Tagesspiegel. „Stellen Sie sich mal vor, wir bauen um Europa oder Deutschland eine Mauer, so wie das AfD das will. Vielleicht, so wie Frau von Storch das fordert, mit ein bisschen Schießbefehl. Eine solche Mauer würde von Millionen gestürmt.“

Um die AfD wieder kleiner zu machen, hat Gregor Gysi einen klaren Plan: „Wir müssen die Union in die Opposition schicken. Dann kann sie einen Teil der AfD-Wählerschaft integrieren. Frau Merkel hat die AfD insofern ermöglicht, weil sie die Union teilweise sozialdemokratisiert hat. […] Die AfD füllt eine Lücke.“

Die Union muss in die Opposition

Nach Ansicht von Gregor Gysi hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die AfD stark gemacht, „weil sie bestimmte Teile der Bevölkerung nicht mehr integriert hat“. Die Union müsse konservativ sein, „sie ist für konservative Interessen zuständig“.

„Wenn die Union nicht in die Opposition geschickt wird, wird die AfD immer stärker. Die CDU hat eine Aufgabe, die kein anderer erledigen kann. Sie kann Teile der AfD integrieren. Wenn eine rot-rot-grüne Regierung dann die sozialen Fragen deutlich besser löste, erledigte sich dadurch zum Teil auch die AfD.“

„Es wäre nicht unwichtig, wenn in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Regierungen aus SPD und Linken gebildet würden. Dann haben wir den Druck auf den Bund, Druck auf die SPD, auch die Grünen und uns.“

Auch auf Bundesebene ist nach Ansicht von Gregor Gysi ein Bündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei „historisch notwendig“. Nach aktuellen Umfragen ist Rot-Grün-Rot auch das wahrscheinlichste Ergebnis der Wahlen am 18. September in Berlin.

Gregor Gysi über Mecklenburg-Vorpommern

Zum Absturz der Linkspartei bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern auf nur noch 13,2 Prozent sagt der Linken-Politiker: „Wir sind überaltert. Im Westen nicht so wie im Osten. Für die jungen Leute fällt uns nicht so richtig etwas ein. Wer rassistisch und nationalistisch denkt, wird von der AfD erreicht, auch bei den jungen Leuten.“

Gregor Gysi zieht historische Parallelen zwischen dem derzeitigen Erfolg der AfD und dem Aufstieg der Nationalsozialisten vor 1933:

„Für die Linken stellt sich in der Konsequenz die Aufgabe, dass sie um das Kleinbürgertum werben müssen. Das machen sie nicht gerne, vor allem nicht die radikaleren Linken, weil ihnen dessen Kultur fremd ist. Vor 1933 haben sowohl KPD als auch SPD das Kleinbürgertum intellektuell vernachlässigt und damit fast vollständig der NSDAP überlassen.“

„Im Osten haben wir das mit dem Kleinbürgertum ganz gut geschafft, über viele Jahre. Aber jetzt wird es schwierig, weil dort Ängste entstanden sind, abstrakte Ängste wegen der Flüchtlinge. Deshalb geht ein Teil zur AfD. […] Die AfD kann sich noch so viel streiten, das interessiert deren Wähler nicht, weil sie bloß protestieren wollen.“

„Die Armen gehen gar nicht so sehr nach rechts. Eher die, die etwas zu verlieren haben und Angst davor haben, dass es geschieht.“

Medien sind Schuld an Angst vor Fremden

Für die „abstrakten Ängste“ der Deutschen vor den Muslimen macht Gysi die Medien verantwortlich. „Im Fernsehen sehe ich zwei Araber. Der eine ruft so laut nach Allah, dass mir ganz komisch wird. Und der andere sprengt sich gerade in die Luft. Die Millionen Muslime, die fleißig arbeiten und ganz friedlich sind, bekomme ich nicht gezeigt.“

Das sei auch einer der Gründe, warum der Zuspruch zur AfD im Osten größer ist als im Westen. „Dort, wo Menschen muslimischen Glaubens leben, wird viel weniger rechtspopulistisch oder rechtsextrem gewählt als dort, wo es sie kaum gibt.“

Gysi kritisiert zudem, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar sagt „Wir schaffen das“, dass sie dann aber „vergisst“, das dafür nötige Geld an die Kommunen zu überweisen. „In Wirklichkeit macht sie doch längst alles, was die AfD fordert: Wir machen die Grenzen eher dicht, wir schieben immer mehr ab.“

Comments

comments

Politik · AfD · Angela Merkel · Beatrix von Storch · Berlinwahl · Bundestagswahl 2017 · CDU · Gregor Gysi · Islam · Linkspartei · Mecklenburg-Vorpommern · Medien · Merkel · Muslime · Rassismus · Union · Wahlen

Autor

Thomas Breithaupt

[email protected] →

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Die Depesche

Freitags die ganze Stadt in einem Brief

Kein Newsletter im üblichen Sinn — eine kuratierte Depesche der Redaktion. Was zählt, was kommt, was bleibt.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.