Reportage
Clooney bei Merkel: Flüchtlinge kommen nicht, um Schnitzel zu essen

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (61, CDU) traf sich am Freitagvormittag (12. Februar 2016) für eine Stunde mit George Clooney (54) und dessen Gattin Amal Alamuddin (38) im Kanzleramt in der Willy-Brandt-Straße 1 in Berlin Tiergarten. In ihrem Büro im 7. Stock sprachen sie über die Flüchtlingskrise.
Der Schauspieler, der am Donnerstagabend mit seinem Hollywoodsatire „Hail, Caesar!“ außer Konkurrenz die 66. Berlinale auf dem Roten Teppich am Marlene-Dietrich-Platz 1 in Berlin Tiergarten eröffnete, engagiert sich mit seiner Frau für das International Rescue Committee (IRC), einer amerikanischen Hilfsorganisation für Flüchtlinge mit Sitz in New York. Seine Frau ist Menschrechtsanwältin.
Das Gespräch fand nach Angaben der Bundesregierung auf Bitten des US-Schauspielers statt. An dem Treffen nahm auch der ehemalige britische Außenminister David Miliband (50) teil. Der Labour-Politiker ist Präsident des IRC.
Die deutsche Bundeskanzlerin weiß um den politischen Einfluss des Schauspielers in den USA.
Clooney gilt in den USA nicht als oberflächlicher Hollywood-Star, sondern als politische Gestalt mit hoher Glaubwürdigkeit und Einfluss im Weißen Haus. Sein Engagement in Krisengebieten (zum Beispiel Darfur/Sudan) ist nicht nur Eigen-PR, sondern mutig und vor allem nachhaltig, urteilt die BILD.
Und: Clooney hat das Ohr von US-Präsident Barack Obama. Im Wahlkampf 2012 veranstaltete er ein Dinner für Obama (der anwesend war). 15 Millionen Dollar (rund 13,3 Millionen Euro!) Wahlkampfspenden kamen an dem Abend in Clooneys Villa zusammen.
Vor dem Treffen in Berlin sagte Clooney, er wolle von Merkel wissen, welche „Message“ sie an die USA habe. Clooney hat durchaus genügend Macht, um bei Obama für ein größeres US-Engagement in der Syrien- und Flüchtlingskrise zu werben – das wiederum wäre sehr im Interesse Europas.
„Das deutsche Volk ist ein Leuchtturm der Hoffnung für Millionen von Flüchtlingen“, sagte Clooney. Merkel und Clooney redeten auf Englisch. Zur Sicherheit war Merkels Dolmetscherin Dorothee Kaltenbach mit dabei. Ebenfalls anwesend: Regierungssprecher Steffen Seibert (55) und Außen-Berater Christoph Heusgen (60).
Merkel hinterher: „Wir haben darüber gesprochen, wie Nicht-Regierungs-Organisationen und Regierungen gemeinsam da arbeiten können, wo es um Fluchtursachen geht, wie sie auch Menschen ermutigen können, sich für diese Arbeit zu engagieren.“
In Clooney hat die Kanzlerin nun einen wichtigen Verbündeten gefunden.
BILD-Reporterin Özlem Evans fragte Clooney nach dem Besuch im Kanzleramt: „Angela Merkel hat zu Beginn der Flüchtlingskrise den Satz gesagt ‚Wir schaffen das!‘. Wie ist die Stimmungslage jetzt? Und worüber haben Sie mit ihr gesprochen?“
Clooney über „Wir schaffen das!“: „Ich denke, dass sie das noch immer glaubt und aber auch denkt, dass noch viel Arbeit ansteht. Deutschland tut schon sehr viel, muss auch noch viel tun. Ich denke, dass sie überwältigt ist von der Arbeit, die noch bevorsteht. Viele Länder, vor allem europäische, müssen ihre Arbeit beschleunigen. Und sie haben das bisher nicht getan.“
Clooney über die USA: „Die Vereinigten Staaten haben bisher einen schlechten Job geliefert, vor allem was Soforthilfe angeht. Das müssen wir verbessern. In Amerika befinden wir uns gerade in einer politischen Phase und hören viele Extreme. Es gibt Forderungen, Muslime nicht ins Land zu lassen, was nie durchgesetzt werden wird. Aber die Thematiken, die angesprochen werden, sind nicht hilfreich in dem Dialog, den wir eigentlich über Flüchtlinge führen müssten. Das wird besser werden. Das ist nur Teil der Verrücktheit, den ein Wahlkampf mit sich bringt.“
Clooney über das deutsche Volk, Flüchtlinge und Schnitzel: „Im Gespräch mit Kanzlerin Merkel haben wir diskutiert, was wir als Individuen tun können. Sie hat sehr liebevoll über die ehrenamtlichen Helfer gesprochen und betont, dass nicht nur die deutsche Regierung sehr hart arbeitet, sondern vor allem die Menschen. Das deutsche Volk ist ein Leuchtturm für Millionen von Flüchtlingen, die hierher kommen. Sie kommen nicht hierher, um Schnitzel zu essen. Sie kommen hierher, weil sie sterben und weil ihre Kinder sterben. Sie wollen leben. Die Arbeit, die Deutschland leistet und hoffentlich in Zukunft leisten wird, ist beispielhaft, großartig.“
BILD-Reporterin Evans: „Sie haben Ihren neuen Film „Hail, Ceasar!“ mit den Coen-Brüdern gedreht. Sie haben auch mal gesagt, dass sie jedes Projekt dieser Regie-Genies annehmen würden, ohne das Drehbuch überhaupt gelesen zu haben. Was, wenn Sie nun das nächste Projekt unterschreiben und da steht auf einmal im Drehbuch drin, dass Sie Donald Trump spielen sollen?“
Clooney lacht und sagt über Donald Trump: „Haha, ich müsste mir erst einmal Haare implantieren lassen. Die Coen-Brüder lassen mich in jedem Film einen Dummkopf spielen. Ich habe in ihren Filmen schon vier davon gespielt. Warum nicht noch einen fünften Schwachkopf? Das wäre doch perfekt.“


