Reportage
China-Fleisch-Festival: 10.000 Hunde erschlagen, gehäutet und ausgeblutet

Trotz wachsender Proteste werden für das alljährliche Hundefleisch-Festival im chinesischen Yulin geschätzt 10.000 Hunde zu Tode geprügelt oder ausgeblutet. Dann werden sie kopfüber an Haken aufgehängt, aufgeschlitzt, gehäutet und zum Verzehr verkauft. Einige Hunde werden ihren Besitzern dafür sogar gestohlen.

Denn im autonomen Gebiet Guangxi im Süden des Landes ist es Tradition, die Sommersonnenwende am 21. Juni, also den längsten Tag des Jahres, mit einem großen Fest zu begehen. Als Delikatesse wird Hundefleisch in Soße mit Lychees und Likör gereicht. Das Fleisch soll die Sommerhitze erträglich machen. Das Festival in Yulin gibt es seit 2009.
Ein Großteil des Hundefleischs stammt vom Schwarzmarkt. Tierschützer berichten, dass viele Tiere vor der Schlachtung in Haushalten gehalten, entführt oder auf der Straße aufgegriffen würden.

Der Jurist Li Weimin besuchte laut „China Daily“ vier Produzenten von Hundefleisch in Yulin: „Ich fand heraus, dass keiner von ihnen eine Lizenz oder eine Zulassung hatte.“ Hunde könnten für umgerechnet einen Euro eingekauft und für drei Euro weiterverkauft werden.
Das Leid der Vierbeiner muss unerträglich sein.
Neuere Studien zeigen nämlich, dass sich die Gehirne von Hunden und Menschen aus emotionaler Sicht sehr ähnlich sind, meldete die Huffington Post. Viele Hundeliebhaber verstehen das nur zu gut. Hunde sind bereits seit über 30.000 Jahren an der Seite des Menschen.
Ein internationales Forscherteam der Emory University in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia hat dafür die Prozesse im Gehirn der Hunde genauer erforscht. Die Studie wurde in dem Journal Nature Communications veröffentlicht.
Die Wissenschaftler arbeiteten mit einem bildgebenden Verfahren, mit dem sie die Geruchsverabeitung im Gehirn des Hundes untersuchten. Dafür scannten sie die neuronalen Prozesse in einem MRT, während die Hunde mit verschiedenen Düften von Menschen und Hunden konfrontiert wurden. Entscheidend für das Experiment: Der Duft stammte von ihnen bekannten sowie unbekannten Menschen.
Das Ergebnis: Die Hunde favorisierten nicht nur den Duft des Menschen, sondern darüber hinaus auch den ihres Hundebesitzers. Dieser aktiviert das „Belohungszentrum“ im Gehirn – das sogenannte Nucleus caudatus. Daraus leiten die Wissenschaftler ab, dass Hunde nicht nur grundsätzlich Liebe für den Menschen empfinden – sondern ihren Besitzer als Familie anerkennen.
Besondere Bindung zwischen Mensch und Hund
Auch eine andere Untersuchung der Eotvos Lorand University aus dem Jahr 2014 in der ungarischen Hauptstadt Budapest bestätigte die besondere Verbindung zwischen Mensch und Hund. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „Current Biology“ veröffentlicht.
Die Wissenschaftler aus Budapest fanden heraus, dass die Gehirnaktivität angeregt wird, wenn Hunde menschliche Laute hören. Dafür spielten sie den Hunden Laute vor, die verschiedene Emotionen hervorrufen.
Das Ergebnis: Hunde besitzen ähnlich wie Menschen spezielle Regionen für die Verarbeitung von Sprache. Sie nehmen auch den emotionalen Gehalt wahr, der über die Stimme oder ein Geräusch transportiert wird.
Gefühle wie Angst spielen wichtige Rolle

Die Wissenschaftler gehen noch weiter: Hunde verhalten sich ihren Haltern gegenüber genauso, wie es Babys mit ihren Eltern tun. Bei Gefühlen wie Angst oder Sorge suchen sie ihren Besitzer auf. Dieses Verhalten unterscheidet sie deutlich von anderen domestiezierten Tieren wie Pferden oder Katzen.
Mit den Besitzern eine Verbindung aufzubauen ist für Hunde viel wichtiger als für andere Haustiere“, ergänzt der Neurowissenschaftler Attila Andics, der die Forschungen leitet.
Bedenkt man also, dass Hunde Lebewesen mit Gedanken und Gefühlen sind, dann ist die Folter, die sie auf diesem „Festival“ erleben, schlichtweg unvorstellbar.
Die Hundefleisch-Verkäufer von Yulin erklären, dass sie die Tiere auf vergleichsweise sanfte Art töten würden.
„Wenn ihr aufhört Rind zu essen, hören wir auch auf, Hund zu essen“, sagte ein Festival-Teilnehmer der Nachrichtenagentur DPA.

„Es schmeckt gut und ist nahrhaft“, behaupten andere. Hundefleisch zu essen, bringt Glück, so der weitverbreitete Irrglaube. Der Verzehr von Hundefleisch ist in China erlaubt und hat in der Region etwa 500 Jahre Tradition.
Jedes Jahr protestieren Tierschützer weltweit nachdrücklich gegen die grausige Quälerei. Doch das Festival findet weiter statt.
Im vergangenen Jahr blockierten Aktivisten Straßen in der südchinesischen Stadt und befreiten Hunde und zum Verzehr bestimmte Katzen aus Schlachthäusern. Die 65jährige Chinesin Yang Xiaoyun rettete mindestens hundert Vierbeinern das Leben, indem sie die Tiere für rund 1.000 Euro in Yulin freikaufte.
Die Behörden geben sich große Mühe, Chinas weltweiten Ruf zu verbessern. Die Behörden von Yulin versuchen, sich von der Veranstaltung zu distanzieren, bringt sie doch keine gute Publicity. Das Festival werde von offizieller Seite nicht unterstützt, hieß es. Restaurantbesitzern wurde nahegelegt, Hinweise auf Hundefleischverzehr von Speisekarten und Plakaten zu entfernen.
Der Verkauf und der Konsum bleiben aber weiter legal.
Der internationale Protest ist jedes Jahr aufs neue groß, aber auch in China selbst ist eine Debatte entbrannt: Tierschützer verfassten Petitionen und Briefe an die Stadt und demonstrierten gegen die Veranstaltung in Yulin. Auf dem chinesischen Twitter-Pendant Sina Weibo verurteilten Prominente den Verzehr von Hundefleisch, während Lebensmittelhygieniker vor Gesundheitsrisiken warnen.
Layla Wen, Projekte-Koordinator für PETA Asia, sagte dem Sender Voice of America: „Ich denke, der Gedanke an das Töten, Kochen und Essen der Hunde ist für die meisten von uns in China oder in der ganzen Welt abscheulich, weil wir sie kennen, wir kennen die Hunde. Sie sind unsere Familienmitglieder und unsere besten Freunde. Wir können uns ihre Angst vorstellen, wenn sie mit anderen Hunden in Käfigen gehalten werden, wenn sie nicht in der Lage sind, sich einen Zoll zu bewegen, und die Qual, die folgt.“


