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Reportage

Zentralrat der Juden bezichtigt Björn Höcke des Antisemitismus

Von Thomas Breithaupt · · 5 Min. Lesezeit

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Björn Höcke Antisemitismus
Björn Höcke am Dienstagabend in Dresden (Screenshot: YouTube)

Weil der AfD-Politiker Björn Höcke das Berliner Holocaust-Denkmal kritisierte, werfen ihm die Medien, der Zentralrat der Juden und Politiker anderer Parteien Antisemitismus vor. Sogar in der eigenen Partei hagelt es Kritik.

Björn Höcke Antisemitismus
Björn Höcke am Dienstagabend in Dresden (Screenshot: YouTube)

Der AfD-Fraktionschef und Landesvorsitzender seiner Partei in Thüringen Björn Höcke sprach am Dienstagabend in Dresden mehr als 40 Minuten lang vor rund 200 AfD-Anhängern. Eingeladen hatte ihn die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA).

Björn Höcke wurde von Anfang an immer wieder durch Beifall unterbrochen. Unter anderem, als er die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten während des Zweiten Weltkrieg als Kriegsverbrechen bezeichnete, vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki.

Der AfD-Politiker attestierte den Deutschen immer noch den „Gemütszustand eines total besiegten Volkes“. Das deutsche Volk sei das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“.

Hier die umstrittenen Passagen:

Der Chef des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster bezeichnete die Worte von Björn Höcke als „zutiefst empörend und völlig inakzeptabel“. Dass 70 Jahre nach der Schoah solche Aussagen eines Politikers in Deutschland möglich seien, hätte er nicht zu glauben gewagt.

Die AfD zeigt mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm stellte am Mittwoch Strafanzeige gegen Björn Höcke. Auch Sachsens Grünen-Chef Jürgen Kasek schloss eine Strafanzeige gegen den AfD-Politiker nicht aus. Denn der AfD-Politiker habe sich „im Stil des Nationalsozialismus“ verfassungsfeindlich geäußert, zitiert ihn die Welt.

Als Reaktion auf Medienberichte über seinen angeblichen Antisemitismus schrieb Björn Höcke am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung, er sei „erstaunt über die Berichterstattung“. Denn tatsächlich habe er „den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet“.

Nach Ansicht des AfD-Politikers ist es etwas Einzigartiges, „dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande, mitten in Berlin ein Denkmal gesetzt haben“.

Auch in der AfD Kritik an Björn Höcke

Auch in seiner eigenen Partei löste Björn Höcke scharfe Kritik aus. So schrieb der mit AfD-Chefin Frauke Petry verheiratete nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell auf Facebook:

Zum wiederholten Male drückt sich Björn Höcke sehr missverständlich aus, um es vorsichtig zu formulieren. Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht Aufgabe der AfD ist. Zum wiederholten Male treibt er kluge und kritische bürgerliche Wähler zurück in das Lager der Nichtwähler. Unsere Aufgabe sind realistische Veränderungen in unserem Land. Eben jene Veränderungen werden unmöglich gemacht, solange einzelne von uns mit diesen 12 Jahren ständig Walzer tanzen.

Am kommenden Samstag haben wir in Deutschland hohen Besuch aus dem Ausland. Frauke Petry wird mit Marine Le Pen, Geert Wilders, Matteo Salvini, Harald Vilimsky und vielen anderen über konkrete Veränderungen in Europa reden. Über 250 Journalisten sind akkreditiert, die Welt schaut auf uns, die Welt schaut auch auf die AfD. Eins können wir von unseren europäischen Partnern lernen. Alle hatten Vertreter in Ihren Reihen, die daran glaubten, dass Debatten über die Vergangenheit helfen, die Zukunft zu gestalten. Alle haben diesen Irrweg nicht eingeschlagen und schmerzhafte Trennungen vollzogen, die den Weg zur Volkspartei erst geebnet haben.

Die AfD sollte diesen Weg der Vernunft und des Realismus, den Parteien wie die FPÖ, der FN und die PVV gegangen sind, ebenfalls gehen und Deutschland verändern. Wir haben noch viel zu lernen und eine Menge Arbeit vor uns. Packen wir es an.

Und AfD-Chefin Frauke Petry selbst sagte gegenüber der Jungen Freiheit: „Es bestätigt sich, was ich schon vor einem Jahr sagte. Björn Höcke ist mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen zu einer Belastung für die Partei geworden.“

Die EU-Abgeordnete und AfD-Vizechefin Beatrix von Storch aus Berlin sagte:

Wer in dieser schweren Krise unseres Landes mit Äußerungen, die nicht dem Wohl des Landes dienen, von dem Versagen der Merkel-Regierung und den Schicksalsfragen unserer Nation, Masseneinwanderung, Islamisierung und der Eurokrise ablenkt, fügt der Partei schweren Schaden zu.

Björn Höcke schade insbesondere auch jenen Parteimitgliedern, die an Wahlkampfständen für die Ziele der AfD geradestehen und die Partei als eine konservative und freiheitliche Kraft vorstellen wollen, so Beatrix von Storch.

Brandenburgs AfD-Vorsitzender und Bundesvize Alexander Gauland hingegen sagte: „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.“ Wer die gesamte Rede von Björn Höcke gehört habe, könne darin nichts Rechtsextremes oder Antisemitisches entdecken.

Hier die gesamte Rede:

Medienberichte hätten Höckes Aussagen bewusst ins Gegenteil verkehrt. „Mir ist unverständlich, wieso einige Parteifreunde dies auch noch unterstützen.“ Björn Höcke habe lediglich darauf hingewiesen, „dass unsere historischen Leistungen aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus von den zwölf furchtbaren Jahren weitgehend in den Schatten gestellt wurden“.

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