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Reportage

Türken empört über die Armenien-Resolution

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Türken Istanbul Armenien-Resolution
Empörte türkische Männer protestieren in Istanbul gegen die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestags. (Screenshot: Amerika'nın Sesi)

Der türkische Justizminister kritisiert die Armenien-Resolution des Bundestags: „Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann stehst du auf und klagst das türkische Volk mit Genozid-Verleumdungen an.“

Türken Istanbul Armenien-Resolution
Empörte türkische Männer protestieren in Istanbul gegen die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestags. (Screenshot: Amerika’nın Sesi)

Die Türken sind sauer wegen der Resolution, die der Deutsche Bundestag am Donnerstag fast einstimmig verabschiedet hat. Die Abgeordneten verurteilten in der Resolution die von den Türken begangenen Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich, und stuften sie als Völkermord ein. Die Neue Zürcher Zeitung bewertet die Armenien-Resolution so:

„Man kann darüber streiten, welche Motive die deutschen Parlamentarier hegten, dass sie die längst überfällige Völkermord-Resolution erst jetzt verabschiedeten, nachdem sie 2015 darauf verzichtet hatten.“

„Der Wunsch, Präsident Erdogan eins auszuwischen oder auch der Bundesregierung, die seit Langem unter Verdacht steht, vor dem türkischen Machthaber zu kuschen, spielte sicher eine Rolle.“

„Dennoch steht es dem Bundestag gut zu Gesicht, den Parlamenten anderer Länder gefolgt zu sein und so wie Frankreich, die Schweiz, Kanada oder die Niederlande den Völkermord endlich beim Namen zu nennen.“

Bei Massenmorden und Deportationen von Armeniern im Jahr 1915 waren nach Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Christen ums Leben gekommen. Laut einer Umfrage von infratest dimap finden es 74 Prozent der Deutschen richtig, dass der Bundestag die Vertreibung und Ermordung der Armenier als Völkermord einstufte.

Die Türken toben wegen Armenien-Resolution

In der Türkei hingegen ist der Ärger über die Resolution groß. Der türkische Justizminister Bekir Bozdag etwa sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: „Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann stehst du auf und klagst das türkische Volk mit Genozid-Verleumdungen an.“ Die Deutschen sollten sich um ihre eigene Geschichte kümmern.

Auch die regierungsnahen türkischen Zeitungen geben sich empört über den Bundestags-Beschluss. Die Zeitung „Sabah“ erinnert an das Bündnis zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg mit der Schlagzeile: „Unser Waffenbruder ist uns in den Rücken gefallen.“

„Völkermord an der Freundschaft“

Die Zeitung „Hürriyet“, die sich zuletzt der AKP von Präsident Erdogan angenähert hat, titelt vor einem Foto des Bundestags mit der Schlagzeile: „Schande über euch.“ Im seinem Bericht über die Armenien-Resolution des Bundestags schreibt das Blatt von einem „Völkermord an der Freundschaft“.

Die Zeitung „Sözcü“, die der größten Oppositionspartei CHP nahesteht, hat eine Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel gedruckt – mit Hitlerbart und in einer Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge. Das Blatt titelt auf Deutsch: „Schämen Sie sich!“

Erdogan zieht Botschafter ab

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits vor dem Bundestags-Beschluss mit „ernsten“ Folgen für die Beziehungen zwischen beiden Ländern gedroht. Unmittelbar nach der Abstimmung zog die Türkei ihren Botschafter in Berlin zurück. Über weitere Schritte werde nach seiner Rückkehr in die Türkei beraten, zitiert Bild den türkischen Präsidenten.

Zum Schutz vor anti-deutschen Protesten riegelte die türkische Polizei am Donnerstagabend die Umgebung vor dem deutschen Generalkonsulat in Istanbul ab. Einige Demonstranten, größtenteils Anhänger und Funktionäre der rechtsextremen MHP, protestierten in Sichtweite des Konsulats gegen das „genozidale faschistische“ Deutschland.

Im Vorfeld der Armenien-Resolution hatten Türken am Samstag auch in Berlin dagegen demonstriert, dass der Völkermord an den Armeniern als solcher benannt wird. Die Demonstranten riefen: „Es war kein Völkermord, sondern Landesverteidigung.“

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