Reportage
Sitzblockade stoppt Identitäre Demonstration in Berlin
Mit einer Sitzblockade haben linke Gruppen eine identitäre Demonstration aufgehalten. Auch Minister Heiko Maas verurteilte den „Aufmarsch der Rassisten“ am Jahrestag des Arbeiteraufstands vom 17. Juni. Damals hätten die Menschen gegen echte Missstände protestiert.

Am Samstagnachmittag zogen mehrere hundert Anhänger der Identitären Bewegung mit ihren gelb-schwarzen Lambda-Fahnen durch Berlin. Sie demonstrierten unter dem Motto „Zukunft für Europa“ für Identität, Freiheit und Patriotismus und für ein Europa der Völker und Kulturen.
Teilnehmer aus ganz Europa versammelten sich um 14 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen. Sie riefen unter anderem „Heimat, Freiheit, Tradition“, „Multikulti Endstation“ und „Grenzen dicht“. Doch schon in der Brunnenstraße nach weniger als 1.000 Metern wurden sie von einer Sitzblockade aufgehalten.
Daher mussten sie die Demonstration nach gut drei Stunden schließlich auflösen und zum Bahnhof Gesundbrunnen zurücklaufen. Das Berliner Bündnis gegen Rechts hielt die Blockade laut seinem Sprecher Aaron Bruckmeier für angebracht. Denn: „Berlin ist eine bunte Stadt.“
Eigentlich hatten die Identitären vom Bahnhof Gesundbrunnen über die Brunnen- und Invalidenstraßen bis zum Hauptbahnhof laufen wollen. Entlang dieser Strecke waren insgesamt 1.400 Gegner unterwegs. Auch 1.000 Polizisten waren im Einsatz.

Die Gegendemonstranten riefen „Nazis raus“. Sie zeigten Antifa-Flaggen sowie ein Transparent mit dem Gewaltaufruf „Nazi-Hipster jagen“. Doch wie immer ließen sich die Identitären nicht provozieren und brachten ihre Demonstration friedlich zum Ende.
Im Vorfeld hatte auch Bundesjustizminister Heiko Maas den „Aufmarsch“ am 64. Jahrestag des Arbeiteraufstands in der DDR scharf verurteilt. Am 17. Juni 1953 seien die Menschen in der DDR gegen echte gesellschaftliche Missstände auf die Straße gegangen.
Heute gelte es jedoch, die gesellschaftliche Vielfalt und Offenheit friedlich zu verteidigen. Die Identitären seien keine „Bewegung“, zitiert der Tagesspiegel den SPD-Politiker. „Sie sind eine extrem radikale und rassistische Minderheit.“
Vom Demo-Wagen herab sprachen unter anderem der Architekturstudent Robert Timm, der die Demo angemeldet hatte, und der Wiener Student Martin Sellner. Robert Timm hatte auch den Protest der Identitären Bewegung vor dem Maas-Ministerium am 19. Mai mitorganisiert.

Am Freitag hatten Aktivisten der Identitären Bewegung auch schon am U-Bahnhof Alt-Mariendorf protestiert. Dort soll eine neue Moschee gebaut werden. Die Aktivisten brachten dort ein Banner mit dem Schriftzug „Islamisierung? Nicht mit uns!“ an.


