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Westernhagen: „Die Menschen sind zu dumm für Demokratie“

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Marius Müller-Westernhagen zu dumm für Demokratie AfD Pegida
Marius Müller-Westernhagen bei seinem Konzert in der Berliner Volksbühne (Screenshot: YouTube)

Nach Ansicht von Marius Müller-Westernhagen sind die Menschen „zu dumm für Demokratie geworden“. Und auch zu Pegida und der AfD sowie zu seinen Erfahrungen in Dresden äußert sich der Sänger mehr als deutlich.

Marius Müller-Westernhagen zu dumm für Demokratie AfD Pegida
Marius Müller-Westernhagen beim Konzert für MTV Unplugged in der Berliner Volksbühne (Screenshot: YouTube)

Marius Müller-Westernhagen wurde 1948 in Düsseldorf geboren. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger. In den Neunzigern konnte er mit Liedern wie der Hymne „Freiheit“ ganze Stadien mit 100.000 Menschen füllen. Doch dann zog er sich im Jahr 1999 von der großen Bühne zurück.

Nun veröffentlich er ein Best-of-Album in der Akustikreihe „MTV Unplugged“. Zu Beginn der Neunziger hatte der Musiksender MTV schon einmal bei Marius Müller-Westernhagen wegen eines Unplugged-Konzertes angefragt, als erstem deutscher Musiker. Damals lehnte er ab.

„Die Anfrage kam zur gleichen Zeit, als der ganze große Hype um mich entstand, womit ich schon genug zu kämpfen hatte“, sagt er im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Mütter hätten ihm ihre Kinder auf die Bühne hochgereicht. „Das war eine Rolle, die ich nicht ausfüllen konnte.“

Auch die Hymne „Freiheit“ findet sich auf dem neuen Album von Marius Müller-Westernhagen wieder. Der Song hatte damals zunächst kaum Beachtung gefunden, sagt sein Erschaffer. Erst auf den Konzerten bekam er dann eine Bedeutung. „Songs nehmen ja immer ein Eigenleben an.“

„Die Menschen sind zu dumm für Demokratie“

Später erhielt Westernhagen das Bundesverdienstkreuz für seine Texte und für sein soziales Engagement und gegen Rechtsextremismus. „Ich habe mich gewundert, dass die mir so etwas geben, weil ich diesem Staat ja immer sehr kritisch gegenüberstand, weil ich ja immer gerade dieses Deutschtum kritisiert habe.“

„Ich bin aber der Meinung, dass Kunst auch dazu da ist, zu stören. Heute ist alles nur darauf ausgelegt, Erwartungen zu erfüllen. Und das hat nichts mit einem künstlerischen Ansatz zu tun, und auch nicht mit Gesellschaftskritik.“

„Die Leute denken auch nicht mehr in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Es gibt die politische Polarisierung zwischen Rechts und Links nicht mehr, es gibt nur noch wirtschaftliche Interessen.“

„Man muss sich ja nur angucken, was in England mit dem Brexit oder in den USA mit Donald Trump passiert: Die Menschen sind über Jahre derart entpolitisiert worden, dass sie zu dumm für Demokratie geworden sind.“

Nach Ansicht von Westernhagen war das von den Herrschenden auch so gewollt. „Aber nehmen Sie doch allein die letzte TV-Debatte mit Trump: Das ist doch der Wahnsinn. Wie ist denn das möglich, dass so einer überhaupt Präsidentschaftskandidat ist?“

Marius Müller-Westernhagen über die AfD

Politische Bewegungen wie Pegida oder die AfD gehen nach Ansicht von Westernhagen in die falsche Richtung. „Es gibt da kein demokratisches Bewusstsein.“ Für die Wut der Bürger hat der Musiker eine einfache Erklärung:

„In der Geschichte gab es immer dann Konflikte, wenn die Schere zwischen Arm und Reich zu groß wird und wenn es bei Ärmeren ans Existenzielle geht. Die werden dann wütend. Auch wenn sie es intellektuell nicht begründen können, warum.“

„Die werden wütend, weil sie sich verscheißert fühlen, und das ist im Grunde auch richtig so. Wenn es von der linken Seite kommen würde, würde ich wahrscheinlich sogar sagen: Gar nicht schlecht, das hat viele Jahre gefehlt.“

In der Flüchtlingsfrage steht Westernhagen hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel, „weil Politik immer einen moralischen Überbau haben muss“, sagt er. Seine Position in dieser Frage habe er auch schon im letzten Jahr bei einem Konzert in Dresden vertreten.

„Meine Frau hatte damals schon gesagt: Sag nichts. Aber ich konnte die Schnauze natürlich nicht halten und habe irgendwann gesagt: Hört mal zu, hier kommen Leute her, die verlieren ihre Existenz, das sind Ärzte, das sind Ingenieure, das sind Architekten, die wollten nicht weg aus ihrer Heimat, die hatten ein gutes Leben, bis der Krieg anfing.“

„Und dann denkt mal an unsere Geschichte, wie wir hier von einem Tag auf den anderen die Juden verjagt haben. Getötet haben. Und wir sagen, wir helfen euch nicht? Wo sind wir denn!? Die Reaktion war erst mal: Totenstille. Da war kein Jubel. Es gab sogar Pfiffe. Das fand ich erschreckend. Ich dachte, was sind denn das für Leute?“

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Thomas Breithaupt

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