Reportage
Berliner Wirt muss nach 12 Jahren Biertische um 3 Zentimeter kürzen

Seit 12 Jahren stellt der Berliner Wirt Michael Näckel (56) vom Thairestaurant Papaya immer dieselben Holz-Tische und Sitzbänke auf den Gehsteig der Krossener Straße 11 und 15 im Ausgeh-Kiez Friedrichshain in der Nähe des Boxhagener Platzes auf, damit die Gäste die bisweilen scharfen Gerichte seiner Frau Phornphilai Näckel an frischer Luft genießen können, die die Mitinhaberin und Köchin kreiiert. 12 Jahre hatte niemand daran etwas auszusetzen. Doch nun stellte das Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg fest: Die Tische sind 3 Zentimenter zu lang. Das würde den Verkehr gefährden.
Ein Einspruch dagegen half nichts, der Wirt musste nun jeden Tisch und jede Bank um 3 Zentimeter kürzen. Das Ordnungsamt sagt: 97 Zentimeter und keinen Millimeter mehr.
Auch sein Nachbar, der Allgäuer Daniel Bader (39), vom Cafe Cupcake in der Krossener Straße 12 bekam die Kürzungsaufforderung. Allerdings griff Bader nicht zur Säge, sondern kaufte sich neue, kürzere Möbel.
Der Grund laut Behörde ist die Verkehrssicherheit. In den Amtsschreiben heißt es: „Es ist stets eine Mindestdurchgangsbreite von 1,50 Metern zu gewährleisten.“ Pressenachfragen bleiben ohne Reaktion.
„Ich verstehe nicht, wie das zwölf Jahre lang erlaubt sein konnte und plötzlich nicht mehr. Hier hat sich baulich nichts verändert“, machte Näckel gegenüber den B.Z.-Reportern Astrid Weigand und Julien Wilkens seinem Ärger Luft. Laut Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg aus der Yorckstraße 4-11 habe man seit 2003 großzügige Außenbereiche genehmigt, um den Kiez aufzuwerten. „Jetzt haben wir anscheinend unsere Schuldigkeit getan und sollen einpacken“, sagt der Restaurant-Betreiber.
Näckel ist zugleich Bezirsbeauftragter des Gaststättenverbandes Dehoga.
Daher weiß er auch: „Viele haben ähnliche Auflagen vom Amt bekommen, manche dürfen gar keine Tische mehr draußen aufstellen.“
Das bedeute das Ende für viele Wirte. „Das Amt weist dann darauf hin, dass ein Restaurant per Gesetz auch ohne den Außenbereich profitabel sein muss. Das ist doch weltfremd!“, sagte Näckel der B.Z.
Tische weg, damit der Bürgersteig breit genug ist? „Wer setzt sich denn im Sommer rein ins Lokal?“, fragt der Restaurant-Inhaber, „die Menschen leben doch extra hier, weil Leben auf der Straße ist, weil man draußen sitzen und den Feierabend im Freien genießen kann!“


