Berliner Wirt muss nach 12 Jahren Biertische um 3 Zentimeter kürzen

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Nach 12 Jahren befand das Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg die Holztische und Holzbänke vor dem Thairestaurant Papaya um 3 Zentimeter zulang, Wirt Michael Näckel (56) musste sie auf exakt 97 Zentimenter kürzen lassen, da sie sonst den Verkehr gefährden würden (Foto: Michael Näckel)
Nach 12 Jahren befand das Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg die Holztische und Holzbänke vor dem Thairestaurant Papaya um 3 Zentimeter zu lang, Wirt Michael Näckel (56) musste sie auf exakt 97 Zentimenter kürzen lassen, da sie sonst den Verkehr gefährden würden (Foto: Michael Näckel)

Seit 12 Jahren stellt der Berliner Wirt Michael Näckel (56) vom Thairestaurant Papaya immer dieselben Holz-Tische und Sitzbänke auf den Gehsteig der Krossener Straße 11 und 15 im Ausgeh-Kiez Friedrichshain in der Nähe des Boxhagener Platzes auf, damit die Gäste die bisweilen scharfen Gerichte seiner Frau Phornphilai Näckel an frischer Luft genießen können, die die Mitinhaberin und Köchin kreiiert. 12 Jahre hatte niemand daran etwas auszusetzen. Doch nun stellte das Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg fest: Die Tische sind 3 Zentimenter zu lang. Das würde den Verkehr gefährden.

Ein Einspruch dagegen half nichts, der Wirt musste nun jeden Tisch und jede Bank um 3 Zentimeter kürzen. Das Ordnungsamt sagt: 97 Zentimeter und keinen Millimeter mehr.

Auch sein Nachbar, der Allgäuer Daniel Bader (39), vom Cafe Cupcake in der Krossener Straße 12 bekam die Kürzungsaufforderung. Allerdings griff Bader nicht zur Säge, sondern kaufte sich neue, kürzere Möbel.

Der Grund laut Behörde ist die Verkehrssicherheit. In den Amtsschreiben heißt es: „Es ist stets eine Mindestdurchgangsbreite von 1,50 Metern zu gewährleisten.“ Pressenachfragen bleiben ohne Reaktion.

„Ich verstehe nicht, wie das zwölf Jahre lang erlaubt sein konnte und plötzlich nicht mehr. Hier hat sich baulich nichts verändert“, machte Näckel gegenüber den B.Z.-Reportern Astrid Weigand und Julien Wilkens seinem Ärger Luft. Laut Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg aus der Yorckstraße 4-11 habe man seit 2003 großzügige Außenbereiche genehmigt, um den Kiez aufzuwerten. „Jetzt haben wir anscheinend unsere Schuldigkeit getan und sollen einpacken“, sagt der Restaurant-Betreiber.

Näckel ist zugleich Bezirsbeauftragter des Gaststättenverbandes Dehoga.

Daher weiß er auch: „Viele haben ähnliche Auflagen vom Amt bekommen, manche dürfen gar keine Tische mehr draußen aufstellen.“

Das bedeute das Ende für viele Wirte. „Das Amt weist dann darauf hin, dass ein Restaurant per Gesetz auch ohne den Außenbereich profitabel sein muss. Das ist doch weltfremd!“, sagte Näckel der B.Z.

Tische weg, damit der Bürgersteig breit genug ist? „Wer setzt sich denn im Sommer rein ins Lokal?“, fragt der Restaurant-Inhaber, „die Menschen leben doch extra hier, weil Leben auf der Straße ist, weil man draußen sitzen und den Feierabend im Freien genießen kann!“

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53 KOMMENTARE

  1. die scheinen ja tierische Langeweile im Ordnungsamt zu haben ….währenddessen können Dealer ihre Drogen in Berliner Parks verkaufen und keinen juckts …..HAHAHAHAHAHAH

  2. Kopftreter bekommen Bewährungsstrafen, jeder kann ohne Pass über die Grenze und wer das Glück hat ein politischer Amtsträger zu sein, der bekommt auch beiweilen eine vollständige Rehabilitation seines Leumunds, wenn er auf der Suche nach einem Stricher mit Meth erwischt wurde.
    Zucht und Ordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit werden nun aber mit maximaler Härte durchgesetzt, denn wer die Maximallänge für Sitzmöbel auch nur um ein Mikron überschreitet, der steht ja quasi schon mit einem Bein im Führerbunker und macht gemeinsame Sache mit den Niedersten der Niedersten – so geht´s ja wohl nicht!

    Danke Ordnungsamt! Dank und ein dreifach Hosianna für Deinen unermüdlichen Einsatz. Ohne das toitsche Ordnungsamt würden alle Toitschen nur noch in Erdlöchern vor einem Feuer kauern und an Knochen nagen.

  3. Ein Land, in dem Intensivstraftäter mit Bewährungstrafen abgespeist werden, aber ein Gastronom um seine Existenz bangen muss, weil ein Ordnungsamt nach 12 Jahren bemerkt, dass die Sitzmöbel 3 Zentimeter zu lang sind, wird evident von Trotteln regiert.
    Da soll noch einer Sagen, es gäbe keine parallele Entciklungsstufe zur schulwissenschaftlich anerkannten Lehre Darwins: die Evolutionskevins sitzen im Amt.

    • Ja, die Lappen vom Ordnungsamt können nicht’s anderes. Wenn Sie irgendwohin sollen, wo Ausländer das Sagen haben, scheissen sie sich in die Hose. Also lieber einen Gastwirt tyrannisieren. Wer nimmt die noch für voll?

  4. Ohhh jeee, da wiehert aber der Amtsschimmel. Oder hat es Brüssel wieder bestimmt, oder ist es einfach nur ein Machtgehabe mit dem Hinweis *wir sorgen dafür, dass die Gesetze bedingungslos eingehaltten werden ? Gewiss Gesetze müssen eingehalten werden, wenn aber die Gesetze über den Menschen und nicht für den Menschen stehen, dann stimmt dort einiges nicht.

  5. Das ist Deitsch .Und die Deitschen müssen alles, alles regeln und Vorschreiben. Und wenn der Deitsche Amtmann auch noch jemanden bestrafen kann, dann ist er ein hoch angeshener Deitscher in diesem , machmal so beschissenen Deitschland. ( Deitschland, weil man Deutschland nicht mehr sagen kann. Mein Deutschland ist von den vorhandenen Deitschen Politikern abgeschafft worden )

  6. „Unsere“ Buerokratie muss schon so viele Kompromisse bei den „Syrern“ machen,
    verstaendlich, dass da Frust aufkommt…

  7. Und wenn dann mal einen bei solchen Paragraphenreitern das Gemüt überkocht, dann muss die Person natürlich aufs schärfste bestraft werden, schließlich ist diese ja dann ein Stück zu weit gegangen. Sorry aber das diese Trottel ( oh, Beamten ) natürlich nicht selber mitbekommen wie lächerlich das ist. Wenn es vor 12 Jahren geheißen hätte 97 cm und nicht breiter Ok, aber jetzt, da frage ich mich wie die da jetzt überhaupt drauf gekommen sind, aus langer weile IKEA Katalog durchblättert oder mit dem Bandmaß losgezogen.

  8. Sicher wieder ein Neuling im Amt der sich profilieren muss . Viel Zuviel Bürokratie. Und dem kleinkarierten Beamten kann man nicht mal ne Beschwerde anhängen, weil es ja wieder in irgendeinen Paragrafen so drin steht. Wir haben viel zu viele unnötige Gesetze und Vorschriften. Könnte ich schlauer daherreden würde ich ja auch in die Politik gehen

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