Alt-Köpenick 36: Das einzige Haus Berlins, das den 30jährigen Krieg überlebte, wird 400 Jahre

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Das Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 36 überlebte sogar den Dreißigjährigen Krieg und feiert in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag (Foto: commons.wikimedia.org/KviKK/Eigenes Werk/CC-BY-SA-4.0)
Das Wohn- und Geschäftshaus Alt-Köpenick 36 überlebte sogar den Dreißigjährigen Krieg und feiert in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag (Foto: commons.wikimedia.org/KviKK/Eigenes Werk/CC-BY-SA-4.0)

Das Haus Alt-Köpenick 36 ist das älteste Haus in Köpenick und das einzige der Stadt Berlin, das die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) überstanden hat. Außerdem gehört es zu den ältesten Häusern im Berliner Raum. Es wird in diesem Jahr 400 Jahre alt. Höchste Zeit, das Haus zu würdigen und die Geschichte des Denkmals in Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft degewo zu erzählen.

Heute beherbergt das Erdgeschoss einen Blumenladen und ein Sushi-Restaurant, das Dachgeschoss zwei Familien. Das Haus Alt-Köpenick 36 hatte schon viele Bewohner. Es war auch mal ein Bankhaus. In den 1930er-Jahren zum Beispiel befand sich im Erdgeschoß und Keller die Sparkasse des Kreises Teltow.

In den 1930er Jahren befand sich im Haus die Sparkasse des Kreises Teltow (Foto: degewo/Wolfgang Stahr)
In den 1930er Jahren befand sich im Haus die Sparkasse des Kreises Teltow (Foto: degewo/Wolfgang Stahr)

Das barocke Fachwerkhaus Alt-Köpenick 36 wurde im Jahre 1616 erbaut und 1728 bedeutend erweitert. Das zweigeschossige Wohnhaus mit einem Seitenflügel links und dem Rest eines vor 1848 errichteten Brauhauses rechts ist Teil des Ensembles Altstadt Köpenick und Einzeldenkmal. In den Jahren 1992-94 wurde das Haus vom Eigentümer KÖWOGE, heute degewo, im Rahmen des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ grundlegend restauriert. degewo-Bauingenieurin Haike Kaufmann, die die Sanierung leitete, sagte Lenz Koppelstädter vom degewo-Mietermagazin stadtleben: „Das war damals ein wichtiges Zeichen, dass es weitergeht und die Stadt wieder in altem neuen Glanz erstrahlen kann. In den Wänden haben wir noch alte Lehmwickel gefunden, mit denen heute gar nicht mehr gebaut wird.“

Eine Ruine: die Rückseite des Hauses Alt-Köpenick anfang der 1990er Jahre (foto: degewo/Wolfgang Stahr)
Eine Ruine: die Rückseite des Hauses Alt-Köpenick anfang der 1990er Jahre (Foto: degewo/Wolfgang Stahr)

Fotos vom Umbau in den degewo-Archiven zeigen den alten Dachstuhl aus Holz, eingefallene Decken und kaputte Fenster. Müll und Einrichtungsgegenstände lagen unter einer dicken Staubschicht. Die Tapeten waren eingerissen, die Wände bröckelten. Von Anfang an wurde das Vorhaben vom Landesdenkmalamt begleitet, so dass der alte Baustil bewahrt blieb, die Mieter aber zeitgemäß wohnen konnten: mit moderner Haustechnik und Zentralheizung. Die lehmverstrichene Dachgeschossdecke konnte erhalten werden, ebenso die Straßenfassade mit ihren Pfeilern, der historische Keller, der Dachstuhl von 1728 sowie die Fachwerk-Innen- und Außenwände.

Erst 1994 sind wieder Mieter in das Baudenkmal gezogen. Zwei Wohnungen bietet das Haus und zwei Gewerberäume. Und ein erneuter Blick in die Historie zeigt, wie vielen Menschen Alt-Köpenick 36 bereits ein Dach geboten hat: 1650 war die Witwe des Amtsschreibers Lukas Hammerle die Besitzerin des Anwesens, 1700 der kurfürstliche Oberamtmann Johann Schmidt, 1728 der Hofprediger Gravius, von 1777 an besaßen, mit einigen Ausnahmen, Brauer das Anwesen – auch heute noch gibt es eine kleine Brauerei am Platz –, im zwanzigsten Jahrhundert dann wieder Gastwirte, Arbeiter, Kutscher und Kaufmänner.

Leben im Denkmal: moderne Möble zwischen alten Mauern (Foto: degewo/Wolgang Stahr)
Leben im Denkmal: moderne Möble zwischen alten Mauern (Foto: degewo/Wolgang Stahr)

Seit den neunziger Jahren lebt Monika Brexendorf mit ihrer Familie in einer der Wohnungen. „Es ist wunderschön“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Die Architektur ist außergewöhnlich. Die schiefen Wände stören uns überhaupt nicht. Im Gegenteil! Dieses Haus hat einen ganz besonderen Charme – den ich nie wieder missen möchte.“ Hinter dem Haus liegt die Dahme, nebenan Schloss und Schlossinsel – idyllischer kann man in Berlin tatsächlich kaum wohnen als hier inmitten der Wasserstadt Alt-Köpenick. „Dieses Gebäude ist ein kleines Juwel“, sagt Haike Kaufmann von degewo. „Und es ist uns wichtig, dass es nicht ein Museum ist, sondern lebendig, mit Mietern, die das Haus bewohnen.“

Anlässlich des 400jährigen Jubiläums wird am 23. August 2016 um 12 Uhr eine Denkmaltafel am Gebäude feierlich enthüllt.

Isabella Canisius von der degewo: „Sie erfahren Wissenswertes über die Geschichte und Besonderheiten des Hauses. Ihre Gesprächspartner sind Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Stefan Förster, Vorsitzender des Heimatvereins Köpenick, Christian Glaubitz, Leiter des degewo-Kundenzentrums in Köpenick und Haike Kaufmann, Bauingenieurin bei degewo, die die Sanierung betreut hat.“

degewo ist das führende Wohnungsbauunternehmen in Berlin. Mit mehr als 75.000 verwalteten Wohnungen und rund 1.200 Mitarbeitern zählt das kommunale Unternehmen zu den größten und leistungsfähigsten Wohnungsbauunternehmen in Deutschland. Bestände befinden sich in allen Stadtteilen Berlins.

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