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Al-Quds-Demo in Berlin: Jüdische Gemeinde fürchtet antisemitische Hetze

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Am Samstag findet auf dem Kurfürstendamm die alljährliche Al-Quds-Demo statt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu antisemitischen und volksverhetzenden Parolen. (Bild „Al-Quds-Tag @ Berlin“ von „Montecruz Foto“ via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0)
Am Samstag findet auf dem Kurfürstendamm die alljährliche Al-Quds-Demo statt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu antisemitischen und volksverhetzenden Parolen. (Bild „Al-Quds-Tag @ Berlin“ von „Montecruz Foto“ via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0)
Am Samstag findet auf dem Kurfürstendamm die alljährliche Al-Quds-Demo statt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu antisemitischen und volksverhetzenden Parolen. (Bild „<a href="https://www.flickr.com/photos/libertinus/14745408534/in/photolist-obHvhY-obQ5Tc-orbezW-otiGTM-oth8YY-ot15eC-3cyyoH" target="_blank">Al-Quds-Tag @ Berlin</a>“ von „<a href="https://www.flickr.com/photos/libertinus/" target="_blank">Montecruz Foto</a>“ via flickr.com. Lizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">Creative Commons 2.0</a>)
Am Samstag findet auf dem Kurfürstendamm die alljährliche Al-Quds-Demo statt. In der Vergangenheit kam es dabei immer wieder zu antisemitischen und volksverhetzenden Parolen. (Bild „Al-Quds-Tag @ Berlin“ von „Montecruz Foto“ via flickr.com. Lizenz: Creative Commons 2.0)

Am Samstag findet in der Berliner City West die alljährliche Al-Quds-Demo statt. Bis zu 1.500 Demonstranten, darunter viele schiitische Muslime, werden am Al-Quds-Tag erwartet, die vor allem in ihrem Hass auf Israel und in ihrer Unterstützung Palästinas, der Hisbollah und des Iran vereint sind. Die jüdische Gemeinde zu Berlin sieht der Veranstaltung mit Sorge entgegen, denn sie fürchtet, dass es erneut zu antisemitischen Parolen kommt.

Nach der islamischen Revolution 1979 im Iran wurde der Al-Quds-Tag ins Leben gerufen. Die Bedeutung leitet sich vom arabischen Wort für Jerusalem (Al-Quds) ab. In der islamischen Republik Iran ist der Al-Quds-Tag ein gesetzlicher Feiertag, der zu staatlich organisierten Massenprotesten gegen Israel genutzt wird. Dabei wird die „Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern“ gefordert und nicht selten mit der Vernichtung Israels gedroht.

Al-Quds-Demo zieht am Samstag durch Berlin

Seit 1996 findet die Al-Quds-Demo jährlich in Berlin auf dem Kurfürstendamm statt. Dabei kam es in der Vergangenheit immer wieder zu antisemitischen Vorfällen. Die heftige Kritik der letzten Jahre hat offenbar auch bei den Veranstaltern zu einer Neuausrichtung geführt. Auf ihrer Webseite präsentieren sich die Organisatoren der islamischen Al-Quds-AG als Bündnis für „Frieden und Gerechtigkeit“ und rufen zum gemeinsamen Handeln gegen „Zionismus und Antisemitismus“ auf. Das Wort „Israel“ wird strikt vermieden, stattdessen ist nur vom „Widerstand gegen die Unterdrücker“ die Rede. Die Al-Quds-AG wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Al-Quds-Demo startet in diesem Jahr um 14:30 am Adenauerplatz und führt über den Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße bis zum Wittenbergplatz, wie der Tagesspiegel berichtet. Eine pro-israelische Gegendemonstration wurde ebenfalls angemeldet und wird um 12:30 in entgegengesetzter Richtung vom Kanzleramt bis zum Georg-Grosz-Platz ziehen. Eine weitere Pro-Israel-Kundgebung findet am Adenauerplatz statt. Die Polizei wird mit Hunderten Beamten im Einsatz sein, um die beiden verfeindeten Lager von einander zu trennen. Die Gegend wird weiträumig abgesperrt und sollte von Autofahrern gemieden werden.

In diesem Jahr sind Flaggen der libanesischen Hisbollah sind auf der Al-Quds-Demo erstmals verboten. Innensenator Frank Henkel (CDU), der neben Deidre Berger vom American Jewish Committee und Mike Samuel Delberg von der Jüdischen Gemeinde auf der Gegenkundgebung als Sprecher auftreten wird, wies die Berliner Polizei an, Verstöße gegen das Flaggenverbot „umgehend zu unterbinden und bei wiederholtem Verstoß die Versammlung notfalls auch aufzulösen.“ Der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf Reinhard Naumann (SPD) kündigte an, aus Solidarität die israelische Flagge vor den Rathäusern Charlottenburg und Schöneberg zu hissen.

Jüdische Gemeinde sieht Al-Quds-Demo mit Sorge

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin sieht dem Al-Quds-Tag mit Sorge entgegen. „Wir erwarten eine klare Ansage seitens unserer Gesellschaft und Politik, dass Antisemitismus weder offen noch unter dem Deckmäntelchen religiöser Lehren oder politischer Kämpfe toleriert wird“, zitiert der Tagesspiegel Sergey Lagodinsky, Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, nannte es eine „Schande“, dass Berlin einer israelfeindlichen Veranstaltung den nötigen Raum zur Verfügung stelle.

Die israelische Botschaft in Berlin forderte im Vorfeld sogar ein Verbot der Al-Quds-Demo. Der Diplomat Rogel Rachman forderte in einem Beitrag auf Facebook „Antisemitismus, Antizionismus und Antiisraelismus in jedweder Form einen Platzverweis für deutsche Straßen zu erteilen“. Ähnlich äußerte sich Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „Dieser israelfeindliche Hass mit dem Ziel, den jüdischen Staat zu vernichten, ist blanker Antisemitismus“, sagte Knobloch gegenüber dem Tagesspiegel. „Es reicht nicht, die Route zu verlegen oder die Fahnen der Terrormiliz Hisbollah zu verbieten. Nurdas Verbot wäre die richtige Konsequenz.“

Antisemitismus unter Muslimen weit verbreitet

Eine kürzlich erschienene Studie der Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) zur Verbreitung von antisemitischen Ansichten zeichnet ein erschreckendes Bild, wie man in der FAZ nachlesen kann. Während in Westeuropa rund 24 Prozent und in Osteuropa 34 Prozent antisemitische Ansichten hegten, sind es im Nahen Osten und Nordafrika 74 Prozent der Bevölkerung. Sie sind beispielsweise der Ansicht, Juden hätten zu viel Einfluss in der Weltpolitik und der Finanzwirtschaft und wären verantwortlich für die meisten Kriege in der Welt.

Auch unter den Muslimen in Europa sind Juden ein beliebter Sündenbock für die Probleme der Welt. Während etwa in Deutschland insgesamt 16 Prozent der Bevölkerung ein antisemitischen Weltbild hegt, sind es unter deutschen Muslimen 56 Prozent. Ähnlich sieht die Verteilung der ADL-Studie zufolge auch in Großbritannien und Frankreich aus. Angesichts solcher Werte und der Tatsache, dass derzeit Hundertausende Flüchtlinge und Migranten aus muslimischen Ländern nach Deutschland kommen, sieht Charlotte Knobloch „die Gefahr, dass in großem Maße weiterer Judenhass importiert wird“. Sie teilt damit die Position des Zentralrats der Juden, der vor importierten Antisemitismus unter muslimischen Zuwanderern warnt.

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