Reportage
„Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“
Der früherer Finanzminister Peer Steinbrück fühlt sich durch den Kult um den SPD-Kandidaten Martin Schulz an den früheren DDR-Staatschef Erich Honecker erinnert. Zudem kritisier er die „Heulsusen“ in der SPD.

Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) kritisiert den Wahlkampf und den Spitzenkandidaten seiner Partei. Der Kult um die Nominierung von Martin Schulz sei schon der erste Fehler gewesen. Es habe sich ein Realitätsverlust eingestellt.
„Die 100 Prozent im März bei seiner Wahl zum Parteivorsitzenden waren vergiftet“, sagte der Ex-Kanzlerkandidat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“
Der nächste schwere Fehler der SPD war laut Peer Steinbrück der Wahlkampf im Saarland. Dort habe die Perspektive einer rot-rot-grünen Koalition zu einer krachenden Niederlage geführt. „Rot-Rot-Grün ist, jedenfalls im Westen, schlicht und einfach nicht akzeptabel.“
Es bringe aber nichts, den Kanzlerkandidaten Martin Schulz nach den schlechten Umfragewerten nun einfach auszuwechseln. „Man kann die Pferde nicht mitten im Galopp wechseln“, sagte Peer Steinbrück.
Der frühere Finanzminister kritisiert seine Genossen als „häufig zu verbiestert, wahnsinnig überzeugt von der eigenen Mission“. In der SPD würden gelegentlich die „Heulsusen“ den Ton vorgeben.


