Reportage
„Bürger sehen die Leistungen der Parteien nicht“
Bundestagspräsident Norbert Lammert nimmt die politischen Parteien gegen Kritik in Schutz. Die Bürger nähmen die erbrachten Leistungen der Parteien nur kaum wahr. Das sei der Grund für Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit.

Am Mittwoch in Lübeck hielt Bundestagspräsident Norbert Lammert (67, CDU) auf Einladung des Willy-Brandt-Hauses die diesjährige Willy-Brandt-Rede zum Thema „Parteiendemokratie – Herausforderungen und Perspektiven“.
Dabei wies Norbert Lammert den Vorwurf gegen die politischen Parteien zurück, dass sie für die Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit der Bürger verantwortlich sind. Vielmehr habe sich die Wahrnehmung der Bürger in den letzten Jahren stark verändert, zitieren ihn die Kieler Nachrichten.
Norbert Lammert gegen die falsche Wahrnehmung
Es gebe vermutlich keine zweite politische Institution in Deutschland, bei der die tatsächlich erbrachte Leistung und die von den Bürgern wahrgenommene Leistung so weit auseinanderliegen wie bei den politischen Parteien, sagte Norbert Lammert.
Nach Ansicht des Bundespräsidenten wäre die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland ohne die politischen Parteien nicht denkbar. Das deutsche Parteiensystem erspare den Bürgern „lausige Alternativen“ wie derzeit im Präsidentschaftswahlkampf in den USA.
Bereits am 3. Oktober in Dresden bei seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit zeigte sich Lammert enttäuscht von den Bürgern. Denn als es dort lautstarke Proteste gegen die Bundesregierung gab, nahm die Mehrheit der anwesenden Deutschen das einfach hin.


