Reportage
Afrikaner werden fast nie aus Europa abgeschoben
Die Staaten der EU schieben nur einen Bruchteil der abgelehnten Asylbewerber nach Afrika ab. Zum Beispiel wurden im letzten Jahr knapp 14.000 Nigerianer abgelehnt, aber nur 120 Nigerianer abgeschoben.

Europäische Politiker versprechen den besorgten Bürgern, endlich mehr abgelehnte Asylbewerber auch wirklich in ihre Heimat abzuschieben. Doch Abschiebungen in nennenswertem Umfang aus der EU gibt es lediglich die Balkanstaaten, weil diese sich relativ kooperativ zeigen.
„EU-Länder sind überhaupt nicht in der Lage, eine große Anzahl von Leuten ohne Aufenthaltsrechte in ihre Herkunftsländer zurückzubringen“, zitiert die WELT aus einer Analyse der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative (ESI).
In Zukunft wird sich die Lage voraussichtlich noch deutlich verschlechtern. Denn die Asylbewerber, deren Verfahren erst jetzt entschieden werden, sowie die Neuankömmlinge stammen kaum noch vom Balkan.
Derzeit kommen fast alle Migranten aus Afrika und Asien, wo die Staaten bei Abschiebungen kaum mit Europa kooperieren. Das Herkunftsland, aus dem zurzeit die meisten Migranten nach Europa kommen, ist Nigeria.
Die Migranten werden derzeit von Nichtregierungsorganisationen oder von der Küstenwache vor der afrikanischen Küste aufgegriffen und auf die kleine europäische Mittelmeerinsel Lampedusa oder gleich bis ans italienische Festland geholt. Im Jahr 2016 wurden in Italien
- 521 Nigerianer als Flüchtlinge anerkannt,
- 198 Nigerianer erhielten den schwächeren vorübergehenden Schutzstatus, und
- 823 Asylanträge von Nigerianern wurden abgelehnt.
Abgeschoben wurden im letzten Jahr aber lediglich 120 Nigerianer. Das heißt eigentlich dürfte fast keiner bleiben. Doch de facto bleiben fast alle Migranten aus Nigeria in Italien und damit in Europa. Die Asylverfahren könnte man sich eigentlich gleich sparen.
Zudem registrierte Italien im letzten Jahr 37.551 neue Asylbewerber aus Nigeria. Damit war etwa jeder fünfte der insgesamt 181.436 neuen Migranten in Italien ein Nigerianer. Die bisher vorliegenden Zahlen für 2017 zeigen, dass die Zahl der Migranten weiter zunimmt.


