Reportage
Kölner Polizei will nie wieder „Nafris“ sagen
Nach Einschätzung des Kölner Polizeichefs Jürgen Mathies war es ein Fehler, öffentlich die Abkürzung „Nafris“ als Bezeichnung für Nordafrikaner zu verwenden. Grund für das Vorgehen gegen die Männer sei aber deren Verhalten gewesen

Am Silvesterabend kurz nach 23 Uhr hatte die Kölner Polizei per Twitter mitgeteilt: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ Nun müssen sich die Verantwortlichen Vorwürfe anhören, weil sie in der Mitteilung Nordafrikaner mit der Abkürzung „Nafris“ benannt hat.
„Ich halte diesen Begriff für in hohem Maße entmenschlichend“, zitiert die Frankfurter Allgemeine etwa den frühere Piratenpolitiker und heutigen SPD-Politiker Christopher Lauer. „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen.“
Polizeipräsident Jürgen Mathies sagte am Sonntag bei einer Pressekonferenz, nach seiner Einschätzung hätte der Begriff „Nafri“ besser nicht nach außen verwendet werden sollen. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich aber nicht bestreiten, und dafür müsse dann polizeiintern auch ein Begriff gefunden werden.
Die Kölner Polizei sagt, sie habe „durch konsequentes Einschreiten“ ähnliche Straftaten wie in der vorhergehenden Silvesternacht verhindert. Dabei gab es laut Polizeipräsident Jürgen Mathies auch in diesem Jahr „Personengruppen, die vergleichbar aggressiv waren“ wie in der Silvesternacht 2015.
Erneut seien mehrere hundert junge Nafris Nordafrikaner nach Köln gekommen. Der große Unterschied zum Jahr davor sei aber gewesen, dass die Polizei diesmal konsequent eingeschritten sei. Sie war zunächst mit 1.500 Beamten im Einsatz und forderte noch einmal Verstärkung an, sodass schließlich 1.700 Polizisten vor Ort waren.
#PolizeiNRW #Silvester2016 #SicherInKöln: Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen. https://t.co/VYMQuT6B7u pic.twitter.com/cCVVdRwr9D
— Polizei NRW K (@polizei_nrw_k) December 31, 2016
Die Beamten überprüften die Identität von 650 Personen, bei denen es sich fast ausschließlich um Nordafrikaner handelte. Es sei um das Verhalten dieser Männer gegangen, sagte der Polizeipräsident. „Der ganz überwiegende Teil war so, dass mit drohenden Straftaten zu rechnen war.“ Dies habe die Polizei verhindert.
Die Polizei kontrolliert vereinzelt auch deutsche Männer. Sie sprach 190 Platzverweise aus und nahm 92 Personen in Gewahrsam. 27 Personen wurden vorläufig festgenommen. Zehn Sexualdelikte wurden angezeigt, darunter aber keine Vergewaltigungen.
In der Silvesternacht vor einem Jahr war die Polizei noch nicht auf die neue Situation in Deutschland eingestellt gewesen. In Köln und anderen deutschen Städten hatte es daher massenhaft sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben. Die Verdächtigen und Verurteilten waren überwiegend Nordafrikaner.


