Reportage
Kinder in Asylheimen brauchen Schutz vor Asylanten
In den Asylheimen missbrauchen immer wieder Asylanten die dort lebenden Kinder. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert nun verschiedene Gegenmaßnahmen. Doch die größte Gefahr für die Asylantenkinder sind die eigenen Eltern.

Gerade erst missbrauchte vermutlich ein 27-jähriger Pakistani in einer Notunterkunft in Moabit ein sechsjähriges irakisches Mädchen. Als die Polizei den Asylbewerber festnahm, wurde der mutmaßliche Kinderschänder vom Vater des missbrauchten Mädchens angegriffen. Dies war kein Einzelfall.
Kinder leben in den Asylheimen in ständiger Gefahr, dass sie dort von Asylbewerbern sexuell missbraucht werden. Daher fordert Nina Ohlmeier vom deutschen Kinderhilfswerk einen besseren Schutz der Migrantenkinder. Um sexuellen Übergriffe in den Asylheimen zumindest zu erschweren, schlägt sie bauliche Maßnahmen vor:
- betreute Schutzräume,
- geschlechtergetrennte Sanitäranlagen und vielleicht
- abschließbare Toiletten.
Gegen den Missbrauch des sechsjährigen irakischen Mädchens in der Notunterkunft in Moabit hätte allerdings keine dieser Maßnahmen geholfen. Denn in der Traglufthalle der Stadtmission in der Kruppstraße leben Single-Männer getrennt von Familien. Der Pakistani soll das irakische Mädchen in die nahegelegenen Grünanlagen gelockt haben.
Migranten sollen „endlich raus“ aus den Asylheimen
Und auch beim Personal fordert Nina Ohlmeier einheitliche Schutzstandards. „Personell sollte wirklich jeder, der in einer Flüchtlingseinrichtung arbeitet, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen müssen – auch das Wachpersonal“, zitiert sie der Tagesspiegel.
Nach Ansicht von Nina Ohlmeier sind die Massenunterkünfte einfach nicht der richtige Ort für Familien. Und auch die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram fordert, dass die Asylbewerber „endlich raus“ aus den Notunterkünften kommen.
Kinder beim EJV sicher
Doch nicht in allen Asylheimen droht den Kindern sexueller Missbrauch. „Das ist besonders da ein Problem, wo es keine Rückzugsmöglichkeiten gibt“, sagt Katrin Wilcken vom Träger EJF, der in Berlin und Brandenburg 14 Einrichtungen mit mehr als 2.500 Flüchtlingen betreibt. „Wir haben diese Rückzugsräume. Mir ist derzeit kein Missbrauchsfall bekannt.“
Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) habe schon lange ein eigenes Kinder- und Gewaltschutzkonzept und außerdem sehr aufmerksame Mitarbeiter, sagt Katrin Wilcken. Das sei „das A und O“.
Schläge als Erziehungsmaßnahme
Auch in den 18 Häusern der Prisod GmbH mit insgesamt 6.300 Asylbewerbern spielt sexueller Missbrauch von Kindern keine große Rolle. In den vergangenen drei Jahren seien ihr allenfalls zwei oder drei Fälle bekannt geworden, sagt Susan Hermenau. Ihrer Ansicht nach ist Gewalt gegen Kinder als Erziehungsmittel viel gefährlicher. „Hier schreiten wir sofort ein.“
Auch das Konzept der Aufsichtspflicht sei den Asylbewerbern unbekannt, sagt Susan Hermenau. In den Einrichtungen der Prisod GmbH werde daher ganz stark aufgeklärt über Kinderrechte, Aufsichtspflicht und gewaltfreie Erziehung. Zudem müssten alle Mitarbeiter das erweiterte Führungszeugnis vorlegen, auch die ehrenamtlichen.
Dass die Asylanten-Kinder aber auch Opfer von Deutschen werden können, zeigte Ende letzten Jahres der Fall des vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, den der Wachschützer Silvio S. vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt, ihn dann missbraucht und dann umgebracht hatte. Hilfsorganisationen befürchten, dass dies kein Einzelfall bleibt.


