Reportage
Handschlag-Zoff: Neuköllns Bürgermeisterin greift Imam an

Nach dem Handschlag-Zoff zwischen der Lehrerin an einer Pankower Privatschule und einem Berliner Imam ergreift nun Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) für die Lehrerin Partei.
Wie Berlin Journal berichtete, war der in Berlin lebende Türke Imam Kerim Ucar zur Aussprache in die Platanus-Privatschule seines Sohnes in Pankow einbestellt worden, weil der Sechstklässler sich im Schulhof geprügelt hatte. Vier Mal streckte ihm die Lehrerin die Hand zum Gruße entgegen. Der Imam schlug sie jedes Mal aus. Die Lehrerin beendete das Gespräch. Der Imam zeigte die Lehrerin aufgrund des Handschlag-Versuchs wegen Beleidigung an und kündigte den Schulvertrag mit der Privatschule.
Begründet wird die Handschlagsverweigung des Imams mit einer fremden Frau mit einem Hadith (Überlieferung). Der Prophet soll gesagt haben: „Es ist besser, dass einer von euch mit einem Eisenstachel in den Kopf gestochen wird, als dass er eine Frau berührt, die er nicht berühren darf.“ Warum bitte soll das besser sein? Islamische Theologen beantworten diese Frage damit, dass in vorislamischer Zeit Sexualität hemmungslos ausgelebt worden sei; der Prophet Mohammed habe mit diesem Verbot der Promiskuität ein Ende setzen wollen.
Das Ausschlagen der Hand der Lehrerin und die Strafanzeige des Imams gegen sie schlugen hohe Diskussionswellen. Selbst das Mallorca Magazin fragte vorgestern: „Darf ein Imam das?“ Die deutsche CDU-Vizechefin Julia Klöckner ließ letztes Jahr einen Termin platzen, weil ein Imam ihr nicht die Hand reichen wollte. Der Tagesspiegel sieht das anders.
Ein Tagesspiegel-Autor: „Warum sollten Männer gezwungen werden, fremde Frauen anzufassen?“
Jost Müller-Neuhof vom Tagesspiegel schlug sich gestern auf die Seite des Imams. In einem Kommentar stellte der Tagesspiegel-Autor die Frage: „Weshalb sollten Männer, egal welchen Glaubens, gegen ihren Willen gezwungen werden, fremde Frauen anzufassen? Wir leben in einem freien Land, in dem sich Körperkontakt einvernehmlich vollzieht oder gar nicht. Der letzte Staat, in dem Händeschütteln zur Doktrin gehörte, war die DDR. Er hatte ein verdientes Ende.“
Die Bezirksbürgermeisterin von Neukölln, Franziska Giffey (38, SPD), dagegen greift den Imam wegen mangelnden Respekts vor Frauen an. Giffey stammt aus Frankfurt/Oder.

Wer den Handschlag als Zeichen ebenbürtiger Partner verweigere, stelle die über Jahre erkämpfte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in Frage, sagte Giffey der Deutschen Presse-Agentur. „Das kann nicht einfach toleriert werden.“
Giffey ergreift Partei für die Lehrerin von der Platanus-Privatschule in Pankow: „Diese Lehrerin hat meine volle Unterstützung.“ In solchen Fälle sei eine Lehrerin nicht in erster Linie eine Frau: „Sie ist Erziehungs- und Respektsperson und zugleich Vertreterin des deutschen Staates. Sie verdient es, dass ihr der Respekt entgegen gebracht wird, der in diesem Land üblich ist.“
In der Schweiz war im Frühjahr eine Debatte über den Handschlag entbrannt, nachdem zwei Brüder einer Lehrerin aus religiösen Gründen den Handschlag verweigert hatten. Die Schulbehörde entschied daraufhin, dass im Kanton Basel-Landschaft künftig kein Schüler mehr ablehnen darf, einer Lehrerin die Hand zu geben.


