Reportage
Letzte Flüchtlinge verlassen Berlins Turnhallen
In Berlin sind die letzten Flüchtlinge aus einer Turnhalle ausgezogen, die ihnen als Notquartier gedient hatte. Nach den nötigen Sanierungen können die Turnhallen nun wieder für den Sport genutzt werden.

Am Freitag konnten 78 Migranten eine Turnhalle in Pankow verlassen. Sie wurden auf andere Unterkünfte im Bezirk verteilt. Damit sind rund eineinhalb Jahre nach Beginn der Migrationskrise wieder alle Berliner Turnhallen frei von Flüchtlingen und können nach den nötigen Sanierungen auch wieder für den Sport genutzt werden.
„Ich bin erleichtert, denn wir konnten nun endlich die elende Lebenssituation so vieler geflüchteter Menschen in den Turnhallen beenden“, zitiert die B.Z. Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). Dem rot-rot-grünen Senat sei es gelungen, ihr im Dezember gegebenes Versprechen einzulösen.
Wegen des starken Flüchtlingsandrangs ab Herbst 2015 waren in Berlin insgesamt 63 Turnhallen an 51 Standorten vorübergehend als Unterkünfte für Asylbewerber genutzt worden. Auf dem Höhepunkt der Krise waren in der Hauptstadt bis zu 10.400 Migranten in Turnhallen untergebracht.
Wie es bei öffentlichen Projekten in Berlin üblich ist, verzögerten sich Bau und Bezug neuer Wohnanlagen für Flüchtlinge teils erheblich. Daher mussten viele von ihnen länger als gedacht unter problematischen Bedingungen ausharren.
Der neue rot-rot-grüne Senat versprach im Dezember, diesen Zustand bis Ende März zu beenden, und kann nun tatsächlich einen Erfolg vorweisen. Unter anderem fand er auf Grundlage einer Notsituation Übergangsbetreiber für neue Wohnheime gefunden, noch bevor die eigentlichen Betreiber nach einer EU-weiten Ausschreibung feststehen.
Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte zudem, dass sich die Bezirke und das Land auf den erforderlichen Sanierungsbedarf verständigt hätten. Die Maßnahmen würden jetzt zügig umgesetzt. Nach Angaben der Finanzverwaltung liegt der Sanierungsbedarf von rund 40 bereits überprüften Hallen bei etwa 15 Millionen Euro.
In den kommenden Monaten sollen Flüchtlinge auch aus den anderen Notunterkünften schrittweise ausziehen. Derzeit leben noch rund 12.000 Menschen in Notquartieren, darunter das Kongresszentrum ICC, die Hangars des früheren Flughafens Tempelhof, ein früheres Kaufhaus sowie alte Kasernen-, Büro- und Fabrikgebäude.


