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Reportage

Flüchtlinge lösen Deutschlands Fachkräftemangel nicht

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Flüchtlinge lösen den Fachkräftemangel in Deutschland nicht. Zu diesem Ergebnis kommen übereinstimmend der Institut für Wirtschaft in Köln und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (Foto: Youtube/LiveLeak)
Flüchtlinge lösen den Fachkräftemangel in Deutschland nicht. Zu diesem Ergebnis kommen übereinstimmend der Institut für Wirtschaft in Köln und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (Foto: Youtube/LiveLeak)
Flüchtlinge lösen den Fachkräftemangel in Deutschland nicht. Zu diesem Ergebnis kommen übereinstimmend der Institut für Wirtschaft in Köln und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (Foto: Youtube/LiveLeak)
Flüchtlinge lösen den Fachkräftemangel in Deutschland nicht. Zu diesem Ergebnis kommen übereinstimmend das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg (Foto: Youtube/LiveLeak)

„Die Wirtschaft sucht händeringend Akademiker und Fachkräfte, besonders aus den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik“, schreibt Dr. Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Dr. Koppel: „Einerseits hapert es am Nachwuchs, weil der demografische Wandel die Jahrgänge ausdünnt und Studienanfänger lieber andere Fächer wählen. Andererseits steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal, weil die Unternehmen immer wissensintensiver arbeiten, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Der Fachkräftemangel hemmt Produktion und Entwicklung und kostet jährlich Milliardensummen.“

Können Flüchtlinge diesen Fachkräftemangel lösen?

Frank-Jürgen Weise, der Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg, sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk vor wenigen Tagen: NEIN.

Weise: „Hilft uns der Flüchtlingsstrom beim Fachkräftemangel? Nein. Hilft der uns bei dem demografischen Problem? Nein. Es könnte im besten Fall ein kleiner Beitrag sein, aber es ist nicht die Lösung.“

Wie Berlin Journal berichtete, sind nach Einschätzung von BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise lediglich zehn bis 15 Prozent der Flüchtlinge gut qualifiziert und damit schnell auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar.

Nach Angaben des BAMF hat ein Viertel der Flüchtlinge weniger als 5 Jahre eine Schule besucht. Und nur 37 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge aus den wichtigsten Herkunftsländern waren 2014 in Deutschland erwerbstätig.

IW-Untersuchungen zeigen zudem, dass 44 Prozent der beschäftigten Syrer, Iraker, Afghanen und Eritreer lediglich eine Helfertätigkeit haben.

Flüchtlinge arbeiten kaum in Engpassberufen:

Mitte 2015 stammten gerade einmal 300 akademische Fachkräfte im industrienahen Bereich aus diesen vier Ländern. „Das ist nicht verwunderlich, denn in Syrien, dem Irak, Afghanistan und Eritrea spielt die Industrie kaum eine Rolle“, erklärt IW-Direktor Michael Hüther.

Zum Vergleich: Die meisten ausländischen Fachkräfte in diesem Bereich stellen Franzosen und Inder mit 5.200 beziehungsweise 5.000 Beschäftigten in Deutschland. Im Gesundheitswesen stammen immerhin 1.500 Ärzte aus dem Bürgerkriegsland Syrien – damit ist jeder zwanzigste ausländische angestellte Arzt in Deutschland Syrer.

Deutschland braucht dringend qualifizierte Zuwanderer

Dr. Koppel: „Ohne Zuwanderung dürfte Deutschland in den kommenden 20 Jahren ein großes Problem bekommen: Schätzungen zufolge würde die deutsche Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2035 jährlich um mehr als 500.000 Personen sinken – steigende Fachkräfteengpässe wären die Folge. Die Flüchtlinge werden das demografische Problem nicht lösen.“

Einwanderung nach Punktesystem wie in Kanada

„Wir müssen die qualifizierte Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten erleichtern und fördern und dauerhafte Perspektiven bieten“, fordert Ökonom Hüther. Ein Einwanderungsgesetz müsse die rechtlichen Regelungen deutlich vereinfachen und vereinheitlichen. Über ein Punktesystem könnten Fachkräfte auch ohne konkretes Jobangebot nach Deutschland kommen.

Vorbild könnte das kanadische System sein. Das hat nur einen Pferdefuß. Weil zum Beispiel Ärzte das Punktesystem gewinnen, aber gar keinen Job haben, fahren viele Ärzte in Toronto Taxi. Um diesen Fehler wettzumachen, hat Kanada das Punktesystem mit einem Jobangebot kombiniert.

Sechs von derzeit zehn Einwanderern in Kanada sind Wirtschaftsmigranten. Der Rest kommt über den Familiennachzug oder als Flüchtling ins Land. Und seit Januar diesen Jahres gibt es die neueste Variante:

Express Entry heißt die neueste Idee in Kanada

Wer jung und hochqualifiziert ist und außerdem nachweisen kann, ein konkretes Jobangebot eines kanadischen Arbeitgebers zu haben, zieht an allen Bewerbern vorbei, meldete Deutschlandradio Kultur. Der Einwanderungsprozess, der ansonsten gern auch länger als fünf Jahre dauern kann, geht in diesem Fall in knapp sechs Monaten über die Bühne. Express Entry eben.

Flüchtlinge erfüllen diese Parameter mehrheitllich weder in Kanada noch in Deutschland.

Dr. Oliver Koppel fasst das Problem wie folgt zusammen:

„Deutschland ist zwar auf mehr Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, doch die Flüchtlingsmigration ist vor allem eine humanitäre Aufgabe. Vielen Flüchtlingen fehlt die nötige Qualifikation, weshalb sie allein das demografische Problem am Arbeitsmarkt nicht lösen werden. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Deutschland muss daher die Erwerbsmigration stärken – und braucht dafür endlich ein modernes Einwanderungsrecht.“

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Autor

Thomas Breithaupt

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