Reportage
Drei Viertel der Deutschen gegen Grenzschließung
Über drei Viertel der Deutschen lehnen eine Grenzschließung wegen der Flüchtlingskrise ab, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Kritik und Ärger der Bürger richten sich nicht gegen die deutsche Bundesregierung, sondern gegen die anderen EU-Staaten.

Laut einer repräsentativen Umfrage von „TNS Infratest Politikforschung“ im Auftrag der Körber-Stiftung sind 77 Prozent der Deutschen dagegen, dass die deutschen Grenzen geschlossen werden. Die Umfrage wurde am Dienstagmorgen auf dem „Berliner Forum Außenpolitik“ vorgestellt.
Die Mehrheit der Deutschen betrachtet die Flüchtlingskrise noch immer für die größte Herausforderung der deutschen Außenpolitik, obwohl die Ankunftszahlen dieses Jahr voraussichtlich deutlich niedriger sind als im Jahr 2015. Das Thema rangiert weit vor den weiteren Herausforderungen.
- Flüchtlingskrise: 45 Prozent
- Syrien: 25 Prozent
- Beziehungen zu Russland: 16 Prozent
- Zustand der EU: 10 Prozent
Deutschland wird in der Flüchtlingskrise alleingelassen
Knapp drei Vierte der Deutschen (73 Prozent) sagen, dass eine Lösung der Flüchtlingskrise nur auf europäischer Ebene möglich ist. Allerdings sind nur 33 Prozent der Ansicht, dass das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei maßgeblich zur Lösung der Flüchtlingskrise beiträgt.
Ebenfalls 73 Prozent sagen, dass Deutschland von den anderen EU-Mitgliedsstaaten in der Flüchtlingskrise allein gelassen wird. Und auch dem stimmen 73 Prozent zu, dass jenen EU-Mitgliedsstaaten die Subventionen gestrichen werden sollten, die keine oder nur sehr wenige Flüchtlinge aufnehmen.
Kampf gegen Fluchtursachen statt Grenzschließung
Fast alle Deutschen (91 Prozent) sind der Ansicht, dass sich die EU-Staaten mehr für die Prävention von Fluchtursachen einsetzen müssen, „auch wenn dies mit zusätzlichem Engagement und Kosten verbunden ist“.
Befragt wurden 1.001 Deutsche im Alter ab achtzehn Jahren in der ersten Oktoberhäfte 2016, berichtet die Frankfurter Allgemeine. Weder der Sieg von Donald Trump bei der amerikanischen Präsidentenwahl hatte Einfluss auf die Antworten noch die Drohung von Präsident Erdogan, die türkischen Grenzen für Migranten zu öffnen.
Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit aktuellen Wahlumfragen zur Bundestagswahl 2017. Laut der am Montag veröffentlichen INSA-Umfrage liegen CDU/CSU bei 32,5 Prozent, die SPD bei 22 Prozent, die Grünen bei 10 Prozent, die FDP bei 5,5 Prozent und DIE LINKE bei 11,5 Prozent. Die AfD hingegen liegt derzeit nur bei 13,5 Prozent.


