Reportage
Deutsche Bank fällt erneut durch Stresstest

Die Deutsche Bank hat den Stresstest der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gerissen. Die Fed begründete das erneute Scheitern am Mittwoch nach Börsenschluss mit „qualitativen Bedenken“ besonders beim Risikomanagement und bei internen Kontrollen. Bereits ein Jahr zuvor fiel die Deutsche Bank aufgrund ihres Risikomanagements durch die Belastungsprüfung. Der Stresstest soll gewährleisten, dass der Zusammenbruch einer großen Bank nicht erneut das weltweite Finanzsystem gefährdet wie die Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008.
Deutsche Bank fällt wieder durch Stresstest
Scheinbar hat die Deutsche Bank nur unzureichende Fortschritte dabei gemacht, die Fehler seit dem letzten Stresstest zu beheben. Außerdem kritisiert die US-Notenbank den Kapitalplan des Geldinstituts. Dieser weise nach wie vor „umfassende und substanzielle Schwächen auf“, wie die FAZ berichtet. Neben der Deutschen Bank fiel nur noch die spanische Banco Santander durch den Stresstest. Die US-Investmentbank Morgan Stanley wurde dagegen unter dem Vorbehalt durchgewunken, die beanstandeten Schwächen bis zum Jahresende abzustellen und den Kapitalplan nachzubessern. Die anderen 30 Großbanken erhielten alle grünes Licht von der Fed.
Die Aktie der Deutschen Bank reagierte auf die Stresstest-Meldung erwartungsgemäß negativ. Nach Handelsbeginn verlor sie zwischenzeitlich 3,5 Prozent und fiel bis auf 12,21 Euro – ein neuer historischer Tiefstand. Damit setzt sich eine tagelange Abwärtsspirale fort. Seitdem sich die Briten am Donnerstag vergangener Woche in einem Referendum für einen EU-Austritt ausgesprochen haben, verlor die Deutsche-Bank-Aktie massiv an Wert. Am „Schwarzen Freitag“ nach dem Brexit-Votum fiel sie zu Handelsbeginn um 17 Prozent von 15,52 Euro auf 13 Euro. Hinzu kommt, dass Hedgefonds und Spekulanten wie George Soros mit Millionen auf einen Absturz der Aktie wetten.
Deutsche Bank gefährdet globales Finanzsystem
Die Möglichkeit einer Pleite der Bank beschäftigt offenbar auch Aufsichtsbehörden am anderen Ende der Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington D.C. sieht in der Deutschen Bank die gefährlichste Bank für das globale Finanzsystem, wie die FAZ berichtet. Das Geldinstitut steht beim IWF seit auf Platz Eins der risikoreichen Großbanken. Der Währungsfonds warnt deshalb in einer aktuellen Analyse eindringlich vor den Risiken, die ein Scheitern der Deutschen Bank für das Weltfinanzsystem haben würde. Hintergrund der Sorge ist die weltweite Vernetzung der systemrelevanten Banken untereinander.
„Unter den global tätigen Banken mit systemischer Bedeutung scheint die Deutsche Bank der wichtigste Nettolieferant von Systemrisiken zu sein, gefolgt von der HSBC und der Credit Suisse“, heißt es dem IWF-Bericht. Die Analyse der IWF-Experten bezieht sich dabei auf Aktienkursschwankungen zwischen Oktober 2007 bis Februar dieses Jahres und wie sich diese auf andere Finanzinstitute auswirkten. „Die relative Bedeutung der Deutschen Bank unterstreicht die Wichtigkeit des Risikomanagements, intensiver Beobachtung und der eingehenden Überwachung von grenzüberschreitenden Gefährdungen.“
BaFin-Chef: „Die Deutsche Bank ist sicher“
Da die Bank eng mit großen Versicherungskonzernen wie der Allianz AG und Hannover Re verknüpft ist, hätte ihr Zusammenbruch schwerwiegende Folgen für die deutsche und fatale Folgen für die globale Wirtschaft, so der IWF-Bericht. Der Währungsfonds schätzt, dass eine Instabilität des deutschen Bankwesens sich schnell auf den gesamten Globus ausbreiten würde. Die deutsche Regierung müsse daher dringend prüfen, ob die Abwicklungspläne im Falle eines Kollaps der Deutschen Bank greifen. Im schlimmsten Fall müsste wieder der Steuerzahler zur Bankenrettung herangezogen werden.
Damit es nicht dazu kommt, bemühen sich Vertreter der Aufsichtsbehörden derzeit, Panikverkäufe zu verhindern und das Vertrauen in die Bank zu stärken. „Die Deutsche Bank ist sicher“, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, einem Bericht des Handelsblatt zufolge am Dienstag in Frankfurt. „Die Risikomanagement-Systeme bei Banken und Börsen funktionieren.” Das gelte auch für die Deutsche Bank. Die BaFin beobachte den deutschen Banksektor intensiv und achte besonders auf drohende Liquiditätsabflüsse und sinkende Ratings.


