Reportage
Demonstranten beschimpfen Gauck als „Volksverräter“

Bei seinem Besuch der sächsischen Stadt Bautzen wurde Bundespräsident Joachim Gauck mit Trillerpfeifen und Buhrufen empfangen. Ein Dutzend Demonstranten rief „Gauck soll raus“ und „Gauck verschwinde“. Sie bezeichneten den Bundespräsidenten als „Volksverräter“ und ein Mann zeigte ihm sogar den Mittelfinger. Die Kriminalpolizei Görlitz prüfe die strafrechtliche Relevanz der Vorfälle.
Die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zeigt sich besonders stark in Sachsen. Aus diesem reiste Gauck in die ostsächsische Stadt und wollten die Bürger in einer Diskussionsrunde vom Kurs der Bundesregierung überzeugen. Gauck rief die Bürger dazu auf, sich auch fremden Standpunkten gegenüber offen zu zeigen. „Für Argumente, nicht für Hetze, Attacken auf Menschen oder Brandsätze“, zitiert die Zeit Online den Bundespräsidenten.
Gauck ruft Bürger auf, „Komfortzone“ zu verlassen
Gauck besuchte Bautzen nur wenige Wochen nach einem Brandanschlag auf eine geplante Asylunterkunft. Ein ehemaliges Hotel, das zur Flüchtlingsunterkunft ausgebaut wurde, ging in der Nacht zum 21. Februar in Flammen auf. Die Löscharbeiten der Feuerwehr wurden damals von einer jubelnden Menschenmenge behindert. Einige der Schaulustigen waren laut Polizei angetrunken und zeigten „unverhohlene Freude“ über den Brand. Der Vorfall sorgte bundesweit für Aufsehen.
Am Computer etwas „zusammenzuposten“ stelle noch keine demokratische Debatte dar, so Gauck am Freitag bei einer Diskussionsrunde mit Bürgern in Bautzen. Demokratie erfordere Kompromissbereitschaft und Geduld. Hass und Hetze gehörten nicht dazu. „Und wir wollen auch nicht akzeptieren, dass Brandsätze fliegen.“ Die Bürger müssten ihre „Komfortzonen“ verlassen und in einen ernsthaften Dialog eintreten, um das Kommunikationsproblem zwischen Wählern und Gewählten zu überbrücken.
Demonstranten nennen Gauck „Volksverräter“
Ein Spaziergang Gaucks durch Bautzens Altstadt im Anschluss an die Diskussionsrunde wurde von Trillerpfeifen und Buhrufen begleitet. Ein Dutzend Demonstranten rief „Gauck soll raus“ und „Gauck verschwinde“. Sie bezeichneten den Bundespräsidenten als „Volksverräter“ und zeigten ihm den Stinkefinger, wie Radio Dresden berichtet. Die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Görlitz habe die Ermittlungen aufgenommen und prüfe die strafrechtliche Relevanz der Rufe, teilte ein Sprecher mit.
Gauck ist nicht das erste Regierungsmitglied, dass sich in der Flüchtlingskrise mit dem Zorn der Sachsen konfrontiert sieht. Auch Angela Merkel wurden bei einem Besuch im sächsischen Heidenau heftig angefeindet und mit Buhrufen empfangen, wie Spiegel Online berichtet. Sie wurde bei ihrem Besuch ebenfalls als „Volksverräterin“ beschimpft. „Wir sind das Pack“ riefen die rechten Demonstranten in Anspielung auf die herabsetzenden Kommentare von Vizekanzler Sigmar Gabriel. Dieser hatte die rechten Gegner der Flüchtlingspolitik in Heidenau als „Pack“ bezeichnet.


