Reportage
Berlin hat noch die meisten Notunterkünfte
In den meisten Bundesländer konnten die Asylbewerber die Notunterkünfte inzwischen verlassen und sind nun besser untergebracht. Nur in Berlin brauchen die Flüchtlinge wegen ihrer schlechten Wohnsituation häufig eine psychologische Betreuung.

Derzeit leben in Deutschland insgesamt noch rund 15.000 Asylbewerber in Notunterkünften, etwa 90 Prozent von ihnen in Berlin. In der Hauptstadt leben noch immer rund 13.400 Flüchtlinge in Sammelunterkünften. Dies hat eine Spiegel-Umfrage in den 16 Bundesländern ergeben.
Anders als Berlin haben die anderen Bundesländer es inzwischen geschafft, die meisten ihrer Notquartiere zu schließen und die Asylbewerber in besseren Unterkünften unterzubringen. Die Hauptstadt hingegen hat noch viele Sammelunterkünfte, weil der Wohnraum hier seit Jahren immer knapper und teurer wird.
Nach Angaben der Berliner Behörden leben von den 13.400 Asylbewerbern, die weiterhin in Notunterkünften verharren, wiederum 2.100 in „prekären“ Verhältnissen. Das heißt sie verfügen nur über eine eingeschränkte Privatsphäre, wie man sie etwa in Hallen mit notdürftigen Trennwänden vorfindet.
Nach Einschätzung von Experten und Politikern brauchen immer mehr Asylbewerber wegen ihrer „prekären“ Wohnsituation eine psychologische Betreuung. Denn sie müssten über einen viel zu langen Zeitraum ohne erkennbare Perspektive mit mehreren anderen auf engem Raum zusammenleben.
Daher sollten die Notunterkünfte so schnell wie möglich geschlossen werden, zitiert die Berliner Morgenpost Philipp Bertram, der für die Linke im Abgeordnetenhaus sitzt. Dafür müsse man aber zunächst Kapazitäten in besseren Unterkünften wie den Modularbauten oder den Containerquartieren schaffen.
Deutschland hat in den Jahren 2015 und 2016 rund 890.000 beziehungsweise 280.000 Flüchtlinge aufgenommen. Laut Bundesregierung haben letztes Jahr mindestens 80.000 Menschen Asylbewerber freiwillig wieder verlassen, teils mit finanzieller Hilfe. Dieses Jahr soll die Zahl der ausreisepflichtigen Ausländer auf rund 485.000 steigen.


