Reportage
Von Vater und Bruder mit Knüppeln verprügelt: Libanesin (16) rettete sich mit Sprung aus 1. OG

Wie es aus der Nachbarschaft in der Admiralstraße in Kreuzberg heißt, sollte eine dort aufgewachsene 16jährige Libanesin zwangsverheiratet werden. Die streng gläubige Kopftuchträgerin sei schon einem Mann versprochen worden, wollen die Nachbarn wissen. Weil die Jugendliche vorigen Mittwoch bei einer Freundin übernachtete, soll sie, als sie am Donnerstagnachmittag nach Hause kam, von ihrem Vater (54) und einem ihrer vier Brüder beschimpft und jeweils mit einem Knüppel verprügelt worden sein. Anschließend habe die Familie die Misshandelte in der Wohnung eingesperrt.
Nach 19 Stunden Martyrium konnte sich das Mädchen befreien und sprang in seiner Panik am Freitag um 10:30 Uhr aus der Wohnung im 1. Obergeschoß. Die 16jährige fiel 3 Meter tief. Blutverschmiert und mit Prellungen übersät rief das Mädchen um Hilfe und hämmerte an die Terrassentür von Bewohnern im Parterre.
Das dort wohnende Paar ließ die Verletzte ein, die sofort ins Bad lief und sich dort aus Angst vor Verfolgung einschloß. Das Paar konnte die Terrassentür noch rechtzeitig verschließen, ehe der Vater und der Bruder in den Hinterhof gelaufen kamen. Wie wild schlugen Vater und Bruder gegen die Scheibe, die zum Glück ganz blieb. Als die Nachbarn nicht öffneten, liefen Vater und Sohn in den Hausflur und schlugen gegen die Haustür. Sie versuchten, das Paar einzuschüchtern. Die Nachbarn blieben aber standhaft und riefen die Polizei.
Die Beamten brachten das Mädchen in die Obhut des Jugendamtes und sorgten laut Aussagen eines Polizeisprechers für ausreichende Sicherheit.
Gegen das libanesische Familienoberhaupt, das schon 30 Jahre in Deutschland lebt, und den knüppelnden Bruder wird wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.


