Reportage
Verhaftet: Tarik Süleymann S. (22) soll zu Gewalttaten gegenüber „Ungläubigen“ in Deutschland aufgerufen haben

Er ging von Deutschland nach Syrien, soll als Terrorist gekämpft haben und im Internet zu Gewalttaten gegenüber „Ungläubigen“ in Deutschland aufgerufen haben. Bei seiner Rückreise nach Deutschland wurde der Bielefelder Tarik Süleymann S. am Mittwoch auf dem Frankfurter Flughafen durch Beamte des Polizeipräsidiums Bielefeld im Auftrag der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe festgenommen.
Tarik S. nennt sich jetzt Ibn Osama al-Almany. Er ist einer von etwa 400 Islamisten, die von Deutschland nach Syrien in den sogenannten Dschihad gezogen sind.
Der aus der Region Ostwestfalen-Lippe stammende Beschuldigte ist dringend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat Irak und Großsyrien“ (ISIG) beteiligt zu haben (§ 129b Abs. 1 i.V.m. § 129a Abs. 1 StGB).
http://www.spiegel.de/video/deutscher-dschihadist-tarik-s-im-spiegel-tv-magazin-video-1513797.html
Staatsanwältin Frauke Köhler von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte gestern mit:
„Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen reiste der Beschuldigte Ende November 2013 nach Syrien. Dort soll er sich getragen von einer radikal-islamistischen Einstellung spätestens im Januar 2014 dem ISIG angeschlossen und für diesen am syrischen Bürgerkrieg teilgenommen haben. Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand wurde der Beschuldigte im Umgang mit Schusswaffen ausgebildet und nahm an Kampfhandlungen teil.
Zudem soll er mit mehreren im Internet veröffentlichten Bild-, Video- und Textbeiträgen für die Vereinigung geworben und zu Gewalttaten gegenüber ‚Ungläubigen‘ in Deutschland aufgerufen haben.“
Tarik Süleymann S. wurde am Donnerstag, dem 17. März 2016, dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der ihm den Haftbefehl eröffnet und den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat.
Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen, erklärte schon vor zwei Jahren gegenüber der Deutschen Welle, dass der Kampf der IS-Terroristen ein wichtiges Thema in deren Propaganda ist. Er sagt: „Für viele junge, gewaltbereite Salafisten ist dieses Ziel, einen islamischen Staat zu errichten, sehr attraktiv.“ Dabei geht es ihnen laut Freier oft weniger um die Religion, sondern mehr um die Anerkennung, die ihnen eine Gruppe gibt.
Laut Verfassungsschutz gibt es in Deutschland etwa 6.000 Anhänger einer extremen Bewegung des Salafismus. Es wird befürchtet, dass viele von ihnen sehr gefährlich sind. André Schulz, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), sagt: „In Sicherheitskreisen fragt man sich eigentlich nicht mehr, ob ein Anschlag in Deutschland passieren wird, sondern wann.“
Laut Kulturwissenschaftler Werner Schiffauer wird allerdings die Gefahr eines Anschlags in Deutschland überschätzt. „Ich habe das Gefühl, dass diese Dramatisierung selbst zurRadikalisierung beiträgt“, so Schiffauer. Er glaubt, dass nur ein ganz kleiner Teil der Salafisten in Deutschland gefährlich ist. Er sagt: „Sie alle in einen Topf zu werfen, ist nicht nur analytischfalsch, sondern zerstört auch die Chancen der Deradikalisierung.“
http://www.dw.com/de/angst-vor-is-terror-in-deutschland/a-17922997


