Reportage
Sorgerechtsstreit: Iraker (40) schoss Schlichter (24) nieder

Statt Schlichtung fielen Schüsse. Es ging um das Sorgerecht der Kinder. Zu der für gestern verabredeten Schlichtungsverhandlung, wie sie in arabischen Großfamilien üblich ist, brachte der Kindsvater aus dem Irak (40) gestern um 18 Uhr in der Maxvorstadt in München auf neutralem Boden eine geladene Pistole mit und setzte sie auch ein.
Der Iraker schoss nach einem lauten Streitgespräch 9 Mal auf den Friedensrichter, den 24jährigen syrischen Onkel seiner 24 Jahre alten syrischen Ehefrau. Der Schlichter brach drei Mal getroffen auf dem Gehweg zusammen.
Eine Augenzeugin zu BILD: „Er hielt erst die Pistole hoch. Dann kroch er unter ein Auto. Eine Frau lief aus einem Laden und versorgte den Verletzten mit Handtüchern.“
Der angeschossene Syrer konnte von Rettungskräften ins Krankenhaus gefahren werden, ist laut Polizei außer Lebensgefahr.
Die Ehefrau des Irakers blieb unverletzt. Sie wurde später vom Kriseninterventionsteam der Polizei betreut.
Auf die Rufe herbeigeeilter Polizisten, die Waffe wegzulegen, rannte der Schütze weg. In der Zentnerstraße stoppte ein Polizist den Iraker mit einem Schuß ins Bein. Auf dem Gehweg liegend richtete der Iraker die Pistole gegen seine Schläfe und drohte damit, sich umzubringen.
Fast drei Stunden versuchten Verhandler vergebens, den Mann zur Aufgabe zu bewegen. Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins sagte gegen 20 Uhr: „Wir versuchen, ihm klarzumachen, dass heute genug Blut geflossen ist.“
Mehrere Polizisten mit Waffen im Anschlag versteckten sich hinter Autos und mobilen Schutzwänden. Der Bereich wurde weiträumig gesperrt. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, das Gebiet um den Josephsplatz zu meiden. In dem belebten Akademiker- und Studentenviertel halten sich tagsüber vier Mal so viele Menschen auf, wie dort wohnen. Das Viertel hat 53.000 Einwohner. Die Araber kamen von außerhalb.
Gegen 21 Uhr zündeten Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) einen sogenannten Irritationskörper. Es handelt sich um eine Schockblendgranate, die bis zu neun Mal knallt. Die Ablenkung gelang, der Täter wurde ohne weiteres Blutvergießen überwältigt. Laut Polizei besteht zwischen allen Streit-Parteien ein „familiäres Konstrukt“.


