Reportage
Streit bei der Linken: Sahra Wagenknecht will „AfD imitieren“
Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisiert, dass die Linke heute als Teil des Establishments gesehen wird. Gleichzeitig kritisiert er aber Sahra Wagenknecht, die versuche, „die Tonlage der AfD zu imitieren“.

Angesichts der steigenden Umfragewerte der Alternative für Deutschland (AfD) hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) scharfe Kritik am Kurs der eigenen Partei geäußert.
„Wir müssen endlich die Ängste der Menschen ernst nehmen und uns mit ihnen auseinandersetzen, statt sie zu bekämpfen“, sagte Bodo Ramelow der Thüringer Allgemeinen. Dies tue seine Partei aber nicht ausreichend.
Bodo Ramelow gegen Sahra Wagenknecht
Außerdem kritisierte der Thüringer Regierungschef jene Vertreter seiner Partei, die seiner Ansicht nach versuchen, „die Tonlage der AfD zu imitieren“. Dabei griff er auch Sahra Wagenknecht persönlich an, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag.
„Nicht durch das noch schrillere Beschreiben lösen wir die Probleme, sondern durch gelingende Integration“, mahnte Ramelow. Sahra Wagenknecht hatte kritisiert, dass die Linke sich für den Flüchtlingskurs der Regierung „mitverhaften“ habe lassen.
„Sich nur als Opposition gegen alle anderen zu definieren, reicht nicht. Das macht schon die AfD“, so Bodo Ramelow. Er könne bei seiner eigenen Partei „kein Profil“ erkennen, sondern nur „viele Konzepte“. Es gebe heute die Wahrnehmung, dass die Partei zum Establishment gehört.
Laut der aktuellen Umfrage des ZDF-Politbarometers liegt die AfD in Ostdeutschland mit 19 Prozent erstmals vor der Linken mit 17 Prozent und der SPD mit 18 Prozent. Bundesweit würde die Linke derzeit nur noch 7 Prozent erreichen, die AfD hingegen 12 Prozent.


