Reportage
Polizeichef warnt: Revierkämpfe unter Rockern geraten außer Kontrolle

Der Krieg unter Rockern in Deutschland droht zu eskalieren. In Berlin, Leipzig, Hamburg, Frankfurt und Heidenheim kam es in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zu Revierkämpfen und Schießereien zwischen verfeindeten Rockerbanden, bei denen es sogar Tote gegeben hatte. Nun warnt der Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, vor einer Eskalation der Lage.
Polizeichef warnt: Kämpfe unter Rockern eskalieren
„Wir beobachten die Entwicklung bei kriminellen Rockergruppierungen in Deutschland schon seit einiger Zeit mit Sorge. Wir müssen aufpassen, dass die Konflikte nicht drohen, völlig außer Kontrolle zu geraten“, sagte Schulz der Welt am Sonntag. „Die Polizei ist in fast allen Ländern personell und technisch nicht in der Lage, die Rocker ernsthaft länger unter Wind zu halten.“ Schulz plädiert dafür, kriminelle Rockergangs generell zu verbieten. Solche Verbote wären zwar „kein Allheilmittel, aber ein deutliches Zeichen des Rechtsstaates“.
Ende Juni wurde ein Rocker in Leipzig bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung verfeindeter Gangs getötet, wie die BILD-Zeitung berichtet. Der Vorfall wurde von einem Passanten mit der Handykamera festgehalten und zeigt, wie eine Gruppe der United Tribuns auf eine Gruppe Hells Angels, die sich vor einem Imbiss versammelt haben, zielstrebig zu läuft. Es kommt zu Rangeleien und plötzlich fallen mehrere Schüsse.
Dabei hat ein Mitglied der Hells Angels den 27-jährigen Veysel A., einen Anwärter der United Tribuns, am hellichten Tag und auf offener Straße niedergeschossen. Der Mann verstarb im Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen, zwei Hells-Angels-Mitglieder sitzen wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes in Untersuchungshaft.
Schießereien in Leipzig, Hamburg und Berlin
Eine Woche nach dem tödlichen Vorfall im Leipziger Rockermilieau verabredeten sich die Hells Angels, Red Devils und United Tribuns zu einer „Beach Party“ in der Stadt, um ihre Fehde weiterzuführen. Doch die Stadt Leipzig befürchtet Racheakte und erteilte den auswärtigen Rockern ein Einreiseverbot, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet. Mehrere Hundertschaften der Polizei sind an diesem Wochenende im Einsatz, um das Einreiseverbot durchzusetzen.
Auch in Hamburg kam es im Juni zu tödlichen Schüssen zwischen verfeindeten Rockerbanden. In Hamburg-Harburg wurde ein 43-jähriger Autofahrer aus einem anderen Fahrzeug heraus erschossen. Ein 21-Jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen. In Hamburg tobt ein Rockerkrieg zwischen den Hells Angels und den Mongols, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Es geht um die Vorherrschaft im Prostitutions- und Drogengeschäft, vermuten die Behörden. Die Sonderkommission „Rocker“ in Hamburg wurde seit Jahresbeginn auf 60 Ermittler aufgestockt.
Auch in Berlin tobt der Rockerkrieg, wie die Tageszeitung Die Welt berichtet. Vor wenigen Wochen wurde in Mitte ein 35-jähriger arabisch-stämmiger Mann direkt vor dem Lokal des Hells-Angels-Chefs Kadir P. niedergeschossen. Das Opfer konnte sich mit einer schweren Schussverletzung ins Krankenhaus schleppen, wo Mitarbeiter der Klinik die Polizei informierten. Der Hells-Angels-Boss Kadir P. sitzt derzeit wegen des Verdacht der Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft.


