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Berlin steht kurz vor Verbot von Pferdekutschen

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Aufgrund einer Petition steht Berlin kurz vor einem Verbot von Pferdekutschen.
Aufgrund einer Petition steht Berlin kurz vor einem Verbot von Pferdekutschen.

Zehntausende Menschen haben die Petition für ein endgültiges Pferdekutschen-Verbot in Berlin bereits unterschrieben. Es fehlt nicht mehr viel, dann könnten die Kutschen aus der Innenstadt verschwinden.

Aufgrund einer Petition steht Berlin kurz vor einem Verbot von Pferdekutschen.
Aufgrund einer Petition steht Berlin kurz vor einem Verbot von Pferdekutschen.

Pferdekutschen rund ums Brandenburger Tor könnte es bald nicht mehr geben. Denn mehr als 80.000 Menschen haben in einer Unterschriftensammlung bereits ihre Unterstützung für ein Verbot von Pferdekutschen in Berlin signalisiert.

Gestartet wurde die Unterschriftensammlung von der Pferdeschützerin Julia Maier. In ihrer Begründung auf dem Petitionsportal change.org schreibt sie:

Ich möchte hiermit auf das große Leid der Pferde hinweisen, die auf Berlins Straßen Pferdekutschen ziehen müssen. Pferde sind Fluchttiere die in einer Großstadt wie Berlin nichts verloren haben! Die dortigen Pferde stehen immer in Gefahr Zusammenstöße mit anderen Verkehrsteilnehmern zu erleiden – Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier ist gleichermaßen hoch!

Bei Unfällen, an denen Pferdekutschen beteiligt waren, wurden in der Vergangenheit sowohl Menschen als auch Pferde schwer verletzt und sogar getötet.

Ich engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich bei unterschiedlichen Organisationen im Tierschutz Raum München. Als ehemalige Reiterin sehe ich es als meine Pflicht, mich für diese höchst sensiblen Tiere ganz besonders einzusetzen. Da ich häufiger in Berlin bin, werde ich jedes Mal aufs Neue Zeuge der unsagbaren, stillen Qual, die diese Tiere für Berlins Touristen erleiden müssen.

Ich sehe die wundgescheuerten Bäuche und Köpfe da das schlechtsitzende Zaumzeug/Geschirr nicht für das jeweilige Pferd angefertigt wurde; die schmerzverzerrten Gesichter die vom Laien nicht wahrgenommen werden. Viele Pferde sind apathisch – haben einen stumpfen Blick. Sie ziehen die Ohren zurück; kräuseln die Nüstern, senken die Köpfe und kneifen die Augen zusammen. Manche haben wunde Fesseln; manche vom Durchfall verätzte Schweife…

Das Pferd verbringt seinen Tag in natürlicher Umgebung mit Wasser und Nahrungsaufnahme – die Kutschpferde werden nicht einmal ansatzweise adäquat versorgt – im Gegenteil-zusätzlich müssen Sie die Abgase einatmen, unseren dröhnenden Straßenlärm 24 Stunden lang ertragen, Ihr natürlicher Fluchtinstinkt wird durch Ausbinder und Scheuklappen unterdrückt.

Wir dürfen eine „Tradition“ nicht hinnehmen, die sich durch Tierqual finanziert!

Julia Maier hat die Petition an je einen Vertreter der drei in Berlin regierenden rot-rot-grünen Koalitionspartner gesendet:

  • Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD),
  • Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) und
  • Tierschutz-Politiker Michael Efler (Die Linke).

Wie die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung am Freitag mitteilte, hatten sich die drei Parteien im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass in der Innenstadt keine Kutschen mehr fahren sollen.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und die für Tierschutz zuständige Staatssekretärin Margit Gottstein (Grüne) wollen die Unterschriften am kommenden Dienstag entgegennehmen, berichtet die B.Z.

In den seit 2009 gültigen „Berliner Leitlinien für Pferdefuhrwerksbetriebe“ sind konkrete Arbeitsbedingungen für die Tiere festgehalten. Demnach sollen zum Beispiel nur gesunde Pferde ab fünf Jahren zum Einsatz kommen, und zwar nicht länger als neun Stunden pro Tag.

Zudem müssen die Kutscher zwei Pausen von je einer halben Stunde einlegen, in denen die Tiere ungestört essen und trinken können. Bei über 30 Grad im Schatten ist alle zwei Stunden eine halbe Stunde Pause einzulegen. Die Fahrer müssen an der Kutsche ein Thermometer mitführen.

Eine Kleine Anfrage der Grünen hatte Mitte 2016 ergeben, dass in Berlin zehn Pferdefuhrbetriebe mit 23 Kutschen im Einsatz sind. Im Jahr 2015 seien sechs Verstöße gegen die Leitlinien für Pferdekutschen festgestellt worden. Fünf davon waren Verstöße gegen die Pausenregelung.

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